Filmkultur

Identität, 'Überwindung' der Kulturunterschiede, Respekt gegenüber Mitmenschen und Rechtsextremismus in Europa waren die Kernthemen des Interviews mit der niederländischen Kinderfilmregisseurin Ineke Houtman.

Bankräuber sind ein fester Bestandteil unserer Filmliteratur und lassen sich auch nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen. Wer ein überaus sympathisches Exemplar sehen will, der sollte nicht "Mein Großvater der Bankräuber" von Ineke Houtman verpassen, einer der Programmpunkte beim Internationalen Kinderfilmfestival 2011 in Wien.

Mein Großvater der Bankräuber
empfohlen von 9 bis 14 Jahren
niederländische Originalfassung
Niederlande 2011
90 Minuten, Farbe
Regie: Ineke Houtman
Mit: Zoë van der Kust, Michiel Romejn, Loes Haverkort, u. a.


Interview: Anne Aschenbrenner und Manfred Horak
Text und Foto: Manfred Horak

Basierend auf den Roman "Frankenstein oder Der moderne Prometheus" von Mary Shelley realisierte der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó den Kinofilm "Tender Son - Das Frankenstein Projekt". Im Interview sprachen wir natürlich über den Film, aber auch generell über Minderheiten und über das Ungarn von heute.

Kornél Mundruczó ist nicht nur der Regisseur von Tender Son - Das Frankenstein Projekt, sondern auch als Schauspieler zu sehen. Die Handlung ist im düsteren Budapest der Gegenwart angesiedelt, und als Hauptort dient ein zerfallendes Gebäude mit einem ringförmigen Flur, das an ein Gefängnis erinnert. Die Theatralik des Films lebt von der präzisen Inszenierung und noch mehr von den stilisierten Bildern, um die 'Wahrheit' des Tötens innerhalb der Geschichte voran zu tragen. Das Frankenstein Motiv ist im Film demnach stark spürbar, quasi allgegenwärtig, Mundruczó machte aus Shelleys Stoff allerdings eine Nachdichtung, wer sich also das typische Monster früherer Frankenstein-Verfilmungen, z.B. in der Person von Boris Karloff, erwartet, wird angenehm enttäuscht werden. Im Mittelpunkt steht nämlich ein netter 17-jähriger Junge ohne Vergangenheit, der immer nach den Regeln seiner eigenen Welt lebt, egal, ob er jemanden küsst oder tötet. //

Tender Son - Das Frankenstein Projekt
Bewertung: @@@@@ 
Regisseur: Kornél Mundruczó
Filmverleih: POOOL

Interview und Text: Manfred Horak
Fotos: POOOL Filmverleih












Der sehr erhellende Dokumentarfilm "Jobcenter" von Angela Summereder erzählt von Menschen, die ihren Job verloren haben, da sie entweder am Arbeitsmarkt als unattraktiv und unvermittelbar gelten oder am Anfang ihres Arbeitslebens versuchen, einen Einstieg zu finden.

Flipcharts, kahle Meetingräume, Schulungsroutinen auf Pflichtschulniveau. Angela Summereder portraitiert in ihrem Dokumentarfilm " Jobcenter" fünf Menschen, die sich im Kreislauf des Jobcenters befinden, einem AMS-Kurs, der auch für die gute Arbeitslosen-Statistik sorgt. Mit "Jobcenter" gelang Summereder ein großer Wurf, der - wenn er einmal regulär ins Kino kommt bzw. auf DVD erhältlich sein wird [gezeigt wurde Jobcenter zuletzt beim Festival Crossing Europe in Linz; das Interview fand bereits im Rahmen der Diagonale 2010 statt; Anm.] - für gehörig Aufsehen sorgen wird. Die kühle Beobachtung und die Emotionslosigkeit im Kurs geben dem Film einen besonderen Reiz, zwischendurch gibt es aber auch die emotionalen Momente in persönlichen Gesprächen außerhalb des Kurses, wenn die Portraitierten in Großaufnahmen zu sehen sind. Das Leben ist eine einzige Bewerbung und das Jobcenter der dazugehörende Albtraum. //

"Jobcenter" von Angela Summereder
Bewertung: @@@@@
Verleih: Sixpack Film (2010)

Interview und Text: Manfred Horak
Foto: Sixpack Film; © Viennale/Alexi Pelekanos