Der 35-jährige Fritz Wunderlich hatte kurz vor seinem Tod im Jahr 1966 angedeutet, dass er bald nicht mehr singen würde. Es scheint, als hätte er in kurzer Zeit alles gegeben und dabei so intensiv gelebt, dass noch Jahrzehnte danach der Klang seiner Stimme und der Weg, den er voll Freude und doch beharrlich gegangen war, weiterhin eine unversiegte Quelle der Inspiration ist, die in die Welt hinaus sprudelt, für jeden, der bereit ist, aus ihr zu schöpfen, um etwas Eigenständiges daraus zu machen. Die Erinnerungen an Fritz Wunderlich bestehen für uns durch Ton- und wenige Filmdokumente. Seine Kindheit ohne Vater, sein pragmatischer Zugang zur Musik, sein präziser, strahlender, durch eine blinde Lehrerin geschulter, Gesang, seine intensive Rollengestaltung, seine Natürlichkeit und sein unerwartet früher Tod werden zum Ausgangspunkt und zur Inspiration für drei ganz unterschiedliche, eigenwillige Choreographien. Das erste Stück - "Sabotage" - erarbeitet der junge brasilianische Tänzer João Pedro de Paula mit seinen Kollegen der Tanz-Compagnie, das zweite - "Path" - die Ballettmeisterin Jaione Zabala, die täglich mit den Tänzern arbeitet und maßgeblich zum künstlerischen Niveau des Tanzensembles beiträgt, und das dritte - "Untitled - a step for a dancer ... a breath for a tenor" - der, an vielen großen Opernhäusern international tätige Choreograph und Movement-Coach, Helge Letonja, der einst selbst Tänzer an der Grazer Oper gewesen war. Andrea Schramek sprach mit den drei Choreographen über ihre Arbeiten zu "Wunderlich!" Zu sehen von 1. bis 17. März 2018 in der Studiobühne der Oper Graz.