SarahBernhardt; Foto: Daniela Matejschek

Sarah Metzler und Bernhard Scheiblauer von der Dialekt-Band SarahBernhardt im Gespräch über ihr Debüt-Album "langsam wiads wos".

Mit dem ungewöhnlichen Liebeslied "Der Unverblümte" hat das Trio SarahBernhardt aus dem Mostviertel kürzlich auf das Albumdebüt "langsam wiads wos" aufmerksam gemacht. Sarah Metzler, Bernhard Scheiblauer und Sigrid Horn spielen und singen wunderschöne Dialekt-Lieder in zumeist akustischer Instrumentierung, u.a. mit Ukulele und Harfe. Im Interview erzählen Sarah und Bernhard über ihren musikalischen Werdegang, warum sie gerne im Dialekt singen und wie es dazu kam, dass ihr aktuelles Video auf einer Baustelle in Amstetten gedreht wurde.

Kulturwoche.at: Wie lange gibt es SarahBernhardt eigentlich schon und wo hat euer erstes Konzert stattgefunden?

Sarah Metzler: Uns gibt es ca. seit 2015. Da gab es einen ersten Auftritt mit einer einzigen Nummer. Das war so ein gemischter Abend im Cafe Anno. Da haben wir zu zweit diese eine Lied aufgeführt. Wir haben auch gar nicht mehr gehabt (schmunzelt)!

Bernhard Scheiblauer: Das war der sogenannte Anno-Dialektdonnerstag. Das ist eine Veranstaltung der österreichischen Dialektautoren, die jeden Donnerstag im Cafe Anno stattfindet. Das ist eine feine Reihe mit ganz unterschiedlichen Darbietungen, und findet im kleinen Rahmen statt, also ideal, um eigene Sachen mal vor Publikum auszuprobieren.

Sarah Metzler: Ich kann mich gar nicht mehr so genau an den Abend erinnern, aber ich weiß noch ganz gut, dass ich das Mikrofon ganz komisch fand. Ich war einfach nicht gewohnt, vor Leuten zu singen und mit einem Mikro schon gar nicht! Das war mir irgendwie peinlich und ich dachte mir dauernd: Bin ich eh nicht zu laut?

Wie habt ihr euch kennengelernt?

SarahBernhardt im GrünenSarah Metzler: Über die Sigrid Horn. Ich habe mit Sigi studiert und dann auch mit ihr in einer WG zusammengewohnt. Bernhard und Sigi kennen sich schon seit dem Kindergarten.

Neben deinem Gesang spielst du bei SarahBernhardt Harfe. Wie bist du zu diesem ungewöhnlichen Instrument gekommen?

Sarah Metzler: Ich glaube, bei den meisten Kindern läuft das ja so ab, dass sie irgendwo ein Instrument sehen, und das dann spielen wollen. Bei mir war es genauso. Ich bin in Vorarlberg aufgewachsen, und einmal hat mich meine Tante zu einem Konzert mitgenommen, wo ich eine Harfe gehört habe. Das hat mir sehr gut gefallen, und meine Mutter hat mich dann zum Unterricht angemeldet. Der Unterricht hat zwar nur zentral in einer Stelle in unserer Region stattgefunden, aber es war kein Problem, da hin zu fahren. Mittlerweile gebe ich selbst Unterricht.

Und mit welchen Instrumenten hast du begonnen?

Bernhard Scheiblauer: Ich habe mit ca. sechs Jahren Blockflöte gespielt, und mit acht bin ich dann auf das Klavier umgestiegen. Mein Bruder hat das auch so gemacht. Dann habe ich ca. 10 Jahre in der Musikschule Klavier gelernt, wo ich eine sehr gute Lehrerin hatte, bei der ich immer geblieben bin, obwohl ich einmal sogar das Angebot hatte, den Lehrer zu wechseln, um schnellere Fortschritte zu machen. Aber diese Lehrerin war sehr lässig, hat mir keinen Stress gemacht, und wenn ich phasenweise nicht üben wollte, dann haben wir in der Stunde einfach nur gemeinsam Klavier gespielt. Damals habe ich nur Klassik nach Noten gespielt.

Wie bist du dann zu den Saiteninstrumenten wie z.B. Gitarre gekommen?

Bernhard Scheiblauer: Erst als wir dann schon in Wien wohnten, habe ich begonnen, andere Instrumente wie z.B. die Gitarre oder die Ukulele auszuprobieren, und das war eine große Erleichterung. Es ist einfach sehr schwierig, frei zu spielen, wenn man sein halbes Leben nur nach Noten spielt, und dieses System gewohnt ist, da wieder herauszukommen. Am allerleichtesten geht das, wenn du ein anderes Instrument in die Hand nimmst, wo du überhaupt keine Vorgaben hast.

Wann hast du erstmals spezifisch Lieder für SarahBernhardt geschrieben?

SarahBernhardt KunsteiBernhard Scheiblauer: Es gab das Projekt Ibibi und der Zirkusdirektor, wo Sigi und ich gemeinsam ein Kassetten-Album aufgenommen haben, da habe ich zum ersten Mal begonnen, selbst Lieder zu schreiben. Sigi hat immer schon getextet und zur Musik improvisiert, und das habe ich dann irgendwann auch probiert. Das ist bei mir aber sehr langsam vorangegangen. Bei mir liegen Textstücke jahrelang herum, dann finde ich sie wieder und verwende sie für neue Songs. Das erste Stück von SarahBernhardt war Der Wirtshausheld, das wir bei Sarah zuhause in Andelsbruch in Vorarlberg zum ersten Mal ausprobiert haben. Und zwar in einem großen, ca. fünf Meter hohen begehbaren Ei aus Beton, das von einer Ausstellung stammt.

Sarah Metzler: In dem Ei ist die Akustik so toll! Da schnippst du nur einmal und es macht ein Riesengeräusch! Das Ei stammt, wie schon erwähnt, von einer Ausstellung im Bregenzer Wald, und ist danach einfach stehen geblieben.

Wie ging es dann weiter?

Sarah Metzler: Es haben sich dann immer wieder Auftritte ergeben, wo wir immer nur zwei bis drei Lieder gespielt haben. Und ich sag es dir, es gibt so viele kleine Beisln in Wien, die man bespielen kann, da wird einem nicht fad (schmunzelt)! Oft haben wir uns dann auch, weil unser Programm erst ein paar Lieder umfasst hat, den Abend mit einer zweiten Gruppe geteilt.

Bernhard Scheiblauer: Durch das Umfeld der Band Dritte Hand, wo ich auch mitspiele, haben wir auch immer mehr Leute kennengelernt bzw. immer mehr Cafes und Veranstaltungsformate gefunden und dadurch haben sich immer wieder kleinere Auftritte für uns ergeben.

Wie kam es, dass ihr Sigrid Horn bei ihren Auftritten begleitet?

Bernhard Scheiblauer: Sigrid Horn hat sich ca. 2016 bei uns gemeldet, und gefragt ob wir uns das vorstellen könnten, sie zu begleiten, und wir haben zugesagt. Dann haben wir öfters gemischte Konzertabende gespielt, mit unserem und ihrem Material. Der Fokus waren wir als Personen, und nicht unbedingt die einzelnen Projekte. Ich kann mich z.B. an ein Wohnzimmerkonzert erinnern, wo wir Sigrids Lied Dromedar erstmals live gespielt haben und ich weiß noch, dass ich mir die Akkorde schnell auf die Rückseite einer Pizzaschachtel notiert habe, weil ich das noch nicht auswendig konnte. Zu der Zeit war noch gar nicht klar, ob Sigrid als Musikerin weitermacht. Erst so 2017/2018 ist dann Ernst Molden auf Sigrid aufmerksam geworden, und hat ihr angeboten, auf seinem Label ein Album aufzunehmen.

Wann ist dann bei euch der Entschluss gereift, als SarahBernhardt selbst ein Album aufzunehmen?

Bernhard Scheiblauer: Irgendwann war klar, wir haben jetzt so viele Lieder, mit denen sollten wir schon was machen. Trotzdem haben wir in solchen Momenten dann wieder gezögert, und uns nicht richtig drüber getraut. Ich war damals auch bezüglich meiner Stimme noch ein wenig unsicher, und habe begonnen Gesangsstunden zu nehmen. Bis zu dem Moment, wo der Produzent von Sigi - Felipe Scolfaro Crema - bei einem Konzert in Mikes Werkstatt im dritten Bezirk zu uns gesagt hat: Warum habt Ihr eigentlich keine eigene CD? Darf ich euch aufnehmen?

Sarah Metzler: Da haben wir dann zugesagt. Das war ungefähr vor etwas über einem Jahr [2019; Anm.]

Was war der wichtigste Input von Felipe Scolfaro Crema während der Aufnahmen?

Sarah Metzler: Seine Rolle war in erster Line herauszufinden, wie man die Lieder am besten aufnehmen kann bzw. welches Mikro wann und wo am besten klingt. Felipe hat vor allem den Klang der Instrumente geprägt, wie sie auf dem Album klingen, das trägt ganz stark seine Handschrift.

Bernhard Scheiblauer: Ein weiteres starkes Plus war, dass Felipe uns geholfen hat, heraus zu finden, wie man die drei Stimmen einsetzt, und wie sie zu hören sind. Er hat es mit dem Album großartig geschafft, ein tolles Gesamtpaket zu fabrizieren, und gleichzeitig für jedes Lied einzeln eine eigene Stimmung geschaffen. Felipe hat sich da wirklich stark ins Zeug gelegt und viel neu bestimmt, was unseren Sound angeht. Im ersten Moment denkt man sich oft: Na ja, es klingt halt, so wie es klingt aber Felipe hat uns gezeigt, dass es sehr viele verschiedene Arten gibt, wie ein Lied klingen kann. Wie fühlt es sich an? Von kommen die Stimmen? Ist es eher rau, ist es eher beschwingt, dynamisch? Sobald man diese Tür einmal aufmacht, gibt es ja unendliche Möglichkeiten.

Im CD-Booklet dankt ihr explizit deiner Herkunftsgegend Mostviertel und seinem Dialekt. Welche Bedeutung hat es für euch im Dialekt zu singen?

Bernhard Scheiblauer: Im Dialekt sprechen und schreiben macht in dem Fall viel Sinn, weil auch viele Geschichten, Erinnerungen und Stimmungen genau mit dieser Sprache verbunden sind. Es geht dabei auch nicht darum, dass es sich um makelloses Mostviertlerisch handelt - meine persönliche Sprache ist bereits ein Mischmasch aus allem Möglichem. Jedenfalls: Es ist die Sprache, mit der ich mit den wenigsten Umwegen zum verborgenen Kern komme, von was auch immer.

Als erstes Lied aus dem Album habt ihr "Der Unverblümte" ausgekoppelt, dazu gibt es auch ein sehr nettes Video. Wie ist der Song entstanden?

Bernhard Scheiblauer: Die erste Inspiration dafür war, dass ich so etwas wie ein Liebeslied schreiben wollte bzw. etwas extrem Positives, wo viele Emotionen drin sind, aber es sollte gleichzeitig cooler sein als ein herkömmliches Liebeslied. Deswegen habe ich die Geschichte in einem absurden Szenario angesiedelt bzw. die Handlung um die Beziehung von zwei Kindern herum aufgebaut, um es ein bisschen abstrakter zu machen. So konnte ich mehr Emotion und mehr Geschichten hineinpacken, weil diese Art von Lied noch nicht so besetzt ist. Wenn du das Gefühl hast, jeden Satz und jede Phrase schon tausend Mal gehört zu haben, dann ist es schwer, sich selbst beim Schreiben ernst zu nehmen.

Kommen deswegen im Lied auch diverse Kinderspiele wie Pfitschigogerln oder GoKart fahren vor?

Bernhard Scheiblauer: Genau, das hat sich aus dieser Kinder-Ebene ergeben Dann kommt die Zeile, wo der Protagonist einsam und alleine in die Volksschule gehen muss. So nach dem Motto: Hilfe, mein Leben ist vorbei, ich bin jetzt in der Volksschule und ganz alleine! Durch diese Absurdität fällt es einem auch leichter, das Hier und Jetzt ein wenig zu entschärfen. Manchmal, wenn man glaubt, alles ist furchtbar, und es geht nicht mehr weiter, und man sieht das Ganze aus der Distanz, kommt man drauf, so schlimm ist die Situation eigentlich gar nicht.

Sarah Metzler: Meine Lieblingsstelle in dem Lied ist: Lang ist s her, drei Wochen schon. Und als Kind ist es ja wirklich so, dass drei Wochen eine richtige Ewigkeit sein können (schmunzelt)! Als erwachsene Person kann man so was dann später natürlich belächeln.

Ist das auch ein Text, der als Teil schon länger vorhanden war, und wo du nach einiger Zeit wieder daran weiter gearbeitet hast oder war das etwas komplett Neues?

Bernhard Scheiblauer: Teile davon hat es schon länger gegeben, aber es kam dann der Zeitpunkt, wo ich mal daheim im Bett gelegen bin und mir gedacht habe, dass muss jetzt einmal fertig werden. Aber ein Teil des Textes stammt z.B. von einem Urlaub in Chile, da waren wir in der Wüste Atacama in einer Sternwarte. Dort gab es so riesige Teleskope, und man konnte da diese ganzen weit entfernten Galaxien sehen. Da wurde mir bewusst: Alles, was ich da gerade sehe, ist wahrscheinlich tausende Jahre alt, und das war wirklich eine ganz besondere Erfahrung. Ich habe mir dann gleich sozusagen eine Art emotionale Notiz gemacht und gewusst, das muss auch einmal einen wichtigen Platz kriegen. Und so habe ich immer Dinge gesammelt, die einen wichtigen Platz, wie z.B. auch in einem Lied, bekommen müssen. So kam es dann zu dieser schönen Zeile in Der Unverblümte: 'und des glitzern in deine augn woa vo aam stern vor tausend johr da untagang'.

Auch zum Titelsong "langsam wiads wos" gibt es ein Video. Das habt ihr auf einer echten Baustelle gedreht?

Bernhard Scheiblauer: Ja, wir sind für das Video auf eine Baustelle in Amstetten gefahren und haben da unter Mithilfe von Stemmhammer, Vorschlaghammer und einer Brechstange einfach eine Wand niedergerissen (schmunzelt)!

Sarah Metzler: Wir haben einen guten Freund, der in Amstetten wohnt und in seinem Haus gerade alles umbaut. Der hat uns für den Videodreh eine Wand übergelassen.

Bernhard Scheiblauer: Das war ein echt lustiger Dreh! Wir haben die Wand eingeschlagen, dazwischen immer wieder gefilmt und unter kräftigem Gesang die Wand dann noch weiter zerstört! Das war ein Riesenspaß! Nur der Muskelkater am nächsten Tag war halt dann enorm! //

Interview: Robert Fischer
Fotos: Daniela Matejschek

Live-Tipp:

6.11.2020 @ Sargfabrik, Wien

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