Unter besonderer Berücksichtigung eines Sachbuchs über die globalen Bedrohungen der Menschheit steuern Neil Young und Bruce Cockburn für Teil 4 unserer #FridaysForFuture-Reihe Lieder für eine bessere Welt bei.

Seine Sichtweise sei negativ und pessimistisch, las man in unzähligen Artikeln, die sich dem Sachbuch "So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen" von Hoimar von Ditfurth widmeten. Möglicherweise lasen einige davon nur den Eingangssatz, der da lautet "Endzeit... es steht nicht gut um uns", denn der Fatalismus, den man dem 1989 verstorbenen Autor vorwarf, war keineswegs überzeichnet, nur halt seiner Zeit ein wenig voraus. Jetzt, in der Gegenwart des Jahres 2019, lesen sich seine Ausführungen - nun ja, sehr aktuell. Erschreckenderweise, muss man hinzufügen. Es wäre doch schön gewesen, hätte er nicht recht behalten. Und so kam es, wie es kommen musste. Warnungen wurden ignoriert oder als Spinnerei abgetan. Die grüne (Hippie) Bewegung verkam zunehmend als Verkleidung beim Gschnas, vergessen hingegen die Haltung, der Lebensstil. Und auch die grüne (politische) Bewegung ist vorerst einmal gescheitert und wurde von zunehmend reaktionären, von Neid erfüllten, widerwärtigen, rechtspopulistischen Polit-Figuren ins Abseits verdrängt, denen Umweltpolitik sowas von egal ist. Aber: Wo viel Schatten, gibt es auch Hoffnung, Stichwort #FridaysForFuture.

Diese nur allzu vernünftige Bewegung bekam auch Rückendeckung von #Scientists4Future - dahinter stecken zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich  zu den Protesten für mehr Klimaschutz folgendermaßen äußerten: "Nur wenn wir rasch und konsequent handeln, können wir die Erderwärmung begrenzen, das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten aufhalten, die natürlichen Lebensgrundlagen bewahren und eine lebenswerte Zukunft für derzeit lebende und kommende Generationen gewinnen. Genau das möchten die jungen Menschen von 'Fridays for Future/Klimastreik' erreichen. Ihnen gebührt unsere Achtung und unsere volle Unterstützung."

Entdeckung eines Naturgesetzes

Gut drei Jahrzehnte davor veröffentlichten die kanadischen Musiker Bruce Cockburn und Neil Young jeweils einen Song genau passend zu diesen wissenschaftlichen Aussagen. Neil Young forderte in seinem Song Mother Earth (Natural Anthem) auf, unseren Planeten zu respektieren und stellt die Frage Wie lange kannst du geben und nicht empfangen / Und diese Welt füttern, die von Gier beherrscht wird... - und: Respect Mother Earth / And Her Healing Ways / Don't Trade Away / Our Children's Day(s). Also auf gut Deutsch, "Habt Respekt vor Mutter Erde und vor ihrer heilenden Kraft oder verkauft die Zukunft eurer Kinder". Diese Hymne an seine Mutter (wie er es in Konzerten immer ankündigt) veröffentlichte der Kanadier erstmals auf dem Longplayer Ragged Glory (1990) - es ist eines der besten Alben in seiner langen Karriere. 2016 brachte der störrische Musiker zudem mit Earth ein spezielles Live-Album raus, auf dem eine modifizierte Version von Mother Earth (Natural Anthem) und andere Umweltlieder zu hören sind. Neben dem Live-Publikum sind auch Tierstimmen zu hören, indem Neil Young den Live-Aufnahmen ihre Stimmen, Laute und Geräusche beigemischt hat. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte er, dass sich alle Tiere in derselben Tonart, in C-Dur, äußerten: "Kojoten, Wölfe und vor allem Blauwale, Bienen, Frösche, alle. Ich bin richtig glücklich, dass ich dieses Naturgesetz entdeckt habe."

Save The Earth Anthems

1988 wiederum veröffentlichte Bruce Cockburn das Album Big Circumstance. Der Einstiegssong If a Tree Falls zählt - wie jenes von Neil Young - zu den stärksten und imposantesten Kalibern aus der Abteilung Save The Earth Anthems. Cockburn schuf damit einen großen Song über unser aller Dummheit. Und wenn alle Bäume gefällt sind, fragt er, What kind of currency grows in these new deserts / These brand new flood plains? Der Singer-Songwriter und - wie weiland Neil Young - Meister im Gitarrenspiel - vermengt hier seinen Zorn mit seiner Angst, denn Busy monster eats dark holes in the spirit world / Where wild things have to go / To disappear / Forever, um schlußendlich ein letztes Mal die Frage zu stellen, ob wir denn sensibel genug sind, es zu hören, wenn ein Baum gefällt wird - If a tree falls in the forest / does anybody hear? Und hier schließt sich der Kreis zu eingangs erwähntem Hoimar von Ditfurth, der zwei wesentliche Gefahren für die Menschheit in Betracht zog: Von der Gefahr eines nuklearen Krieges, obwohl sie für sich allein schon absolut tödlich wäre, geht seiner Meinung nach die geringere Bedrohung aus, da sie nicht einzutreten braucht. Bei der zweiten Gefahr jedoch hat der Zusammenbruch bereits eingesetzt und ist in vollem Gange, nämlich der Zusammenbruch der Biosphäre der Erde. Das Buch erschien wohlgemerkt 1985 und trug den Zusatztitel "Es ist soweit.". Darum, und selbst wenn wir wüssten, dass morgen die Welt untergeht, so laßt uns heute ein Apfelbäumchen pflanzen. TEIL 1 / TEIL 2 / TEIL 3 //

Text: Manfred Horak
Fotos: pixabay