Die 15. Auflage vom Vienna Blues Spring bietet - wie bereits in all den Jahren zuvor - eine breite Palette an Blues-Stilistiken und ein prominent besetztes Programm.

Die Vorfreude der Blues-Fans (ja, es gibt sie noch immer!) ist eine große, wenn man weiß, dass Kapazunder wie Chris Farlowe (der auf Van Morrisons spätem Meisterwerk Roll With The Punches eine Hauptrolle spielt) oder die Miller Anderson Band wieder einmal Wien im Bluesfrühling beehren, und dass im Gegensatz dazu auch neue entdeckenswerte Acts wie die deutsche Formation San2 & His Patrol erstmals in Wien live auftreten. Zu erleben gibt es all das an vier Spielstätten. Insgesamt stehen 38 Konzerte im Reigen, drei akustische Abende im Mozarthaus Vienna, ein Konzert im Haus der Musik mit Peter Schrammel Blues feat. Stella Jones, sowie im Theater Akzent die Mojo Blues Band feat. Sydney Ellis und Pete Art mit einer musikalischen Reise von Robert Johnson bis Elvis Presley. In jedem dieser Konzerte kann man in die Tiefen des Blues eintauchen, in der es nicht unbedingt um musikalische Innovationen geht, sondern vielmehr um Echtheit im musikalischen Ausdruck.

Life just get better with time

Wenn man, wie Lil‘ Jimmy Reed, in den späten 1930er Jahren in einem kleinen Kaff am Ufer des Mississippi aufwuchs, noch dazu neben einem Blues-Club, so ist es vielleicht nicht ganz verwunderlich, dass Leon Atkins, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, sich bereits mit sechs Jahren aus einer Zigarren-Kiste seine erste Gitarre baute. Gut 20 Jahre später stand er mit Größen wie B.B. King auf der Bühne und zählte angesichts des Blues-Revival im England der 1960er Jahre zur Fixgröße. Größenmäßig hat sich seither nicht allzu viel geändert, im Gegenteil, denn je älter, desto besser geht es ihm, wenn man seinem Lebensmotto glauben darf, das da lautet: Life just get better with time. Live am 28.3. im Reigen.

50 Jahre Woodstock

Fast ein Monat später, am Ende des Vienna Blues Spring Festivals, steht ein weiterer guter alter Bekannter am Programm, nämlich Miller Anderson, der diesmal eine sehr spezielle Set-List abliefert anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Woodstock, der Mutter aller Schlammfestivals. Als Sänger und Gitarrist der Keef Hartley Band war er einer der Stars bei diesem legendären Festival. So wie aber auch z.B. der Auftritt von Grateful Dead, The Band und CCR konnten sich nur die Besucherinnen vor Ort darüber freuen. Ihre Manager konnten sich mit dem Produzenten der Plattenproduktion nicht einigen und offiziell ist daher bis dato dieser Auftritt nicht veröffentlicht worden. Miller Anderson bietet nun beim Festival Gelegenheit, genau das Programm von vor 50 Jahren zu hören, zusätzlich verstärkt durch eine Horn Section. Daher gilt: 30. April - Pflichttermin.

Die Höhen und die Tiefen des Lebens

Eingebettet in diesem Monat passiert sehr viel Gutes. Konzerte, die oftmals eine rare Gelegenheit bieten Acts zu hören, die sonst kaum jemals in Wien (bzw. in Österreich) live zu hören sind. Vor zwei Jahren beim Vienna Blues Spring gastierte Chris Farlowe gemeinsam mit der Hamburg Blues Band, und in dieser Besetzung plus Mickey Moody, Gitarrist der seligen Whitesnake, ist er auch heuer in Wien zu hören. Wie eingangs erwähnt ist Chris Farlowe zuletzt vor allem auf dem Jahrzehnte-Werk Roll With The Punches von Van Morrison zu hören. In seiner Blues-Stimme hört man das unstete Leben von Chris Farlowe sehr gut heraus, das geprägt ist von all seinen Höhen und Tiefen, die er zu erklimmen und zu bewältigen hatte. Live am 10. April im Reigen. Den Vienna Blues Spring Festival-Pass für die Reigen-Konzerte gibt es eben dort um wohlfeile 230 €, der 6er-Pass kostet 110 €, ein Einzelkonzert-Ticket gibt es ab 20 €. Karten könnt ihr über Kulturwoche.at via nachfolgenden Button "Zum Event" bestellen. //

Text: Manfred Horak

Fotos: Dietmar Hoscher