Die österreichische Band erinnert sich an ihre Anfänge im Jahr 1997, in der "nicht jeder einen Sampler zu Hause" hatte.

Seit 20 Jahren ist die Band Sofa Surfers fixer Bestandteil der österreichischen Musikszene. Zuletzt auch verstärkt mit Filmmusik erfolgreich, veröffentlicht die Gruppe (seit dem Ausstieg von Wolfgang Schlögl 2014 als Quartett aktiv) zum Jubiläum das Album "20", das alte Tracks in neuem Gewand präsentiert, aber auch Neues bietet. Robert Fischer traf Markus Kienzl, Wolfgang Frisch, Michael Holzgruber und Many Obeya in einem Wiener Hotel zu einem Rückblick auf zwei Jahrzehnte Bandgeschichte.

Kulturwoche.at: Wie kam die Band vor 20 Jahren zusammen?

Markus Kienzl: Eigentlich gibt es die Sofa Surfers schon seit 1996, aber erstmals in die Öffentlichkeit getreten sind wir erst 1997. Deshalb haben wir auch dieses Datum als Startpunkt für unsere 20-Jahre Jubiläums-Aktivitäten genommen. Drei von der Anfangs-Besetzung waren schon vorher in der Rock/Pop-Band Red Red Rosary, also Wolfi Schlögl, Wolfgang Frisch und ich. Damals war es ja so, dass die technischen Voraussetzungen ganz anders waren. Es war nicht so wie heute, dass z.B. jeder einen Sampler zu Hause hatte und damit schnell mal was machen kann. Es war viel Geld und Zeit notwendig, um aus den Geräten etwas herauszubringen. Damals war auch die Zeit, wo die ganze Do-it-yourself bzw. Techno-Welle bzw. die elektronische Welle begonnen hat. Das hat uns wahnsinnig interessiert, und wir wollten in diese Richtung arbeiten, ohne unseren Band-Kontext zu verlassen.

Wolfgang Frisch: Wir waren damals alle Anfang 20 und haben mit Red Red Rosary den typischen Rock- und Pop-Bands dieser Zeit nachgeeifert. Nach einiger Zeit hat uns das aber nicht mehr genügt, durch die Techno-Welle war es zusätzlich auf einmal möglich alles selbst in die Hand zu nehmen, beginnend von der Produktion. Man war nicht mehr auf ein Studio angewiesen, brauchte nicht mehr unbedingt ein Label etc. Auch das Sampling ist damals gerade aufgekommen, und man konnte so auch außerhalb der klassischen Song-Struktur experimentieren. Das war eine sehr spannende Zeit!

Wo hat euer erstes Konzert unter dem Bandnamen Sofa Surfers stattgefunden?

Wolfgang Frisch: Wir sind uns darüber nicht ganz einig (schmunzelt)! Manche meinen in der Arena, aber ich bin ziemlich sicher dass die Präsentation unseres ersten Albums "Transit" 1997 im Flex stattgefunden hat. Damals war zufällig Skin, die Sängerin von Skunk Anansie im Publikum und hat in der ersten Reihe getanzt. Letzen Jahr haben wir Skin zufällig auf einem Festival wieder getroffen und sie konnte sich sogar noch an uns erinnern (schmunzelt)!

Markus Kienzl: Wir sind im Flex auch öfter im Rahmen des Dub-Club aufgetreten. Das Flex war so eine Art zweites Wohnzimmer für uns. Wir wollten ja immer auch Musik machen, die in einem Club-Kontext funktioniert, u.a. durch die Instrumental-Stücke auf unseren Alben. Vor 20 Jahren war das ja auch von Beginnzeiten der Konzerte noch ganz anders als heute. Damals sind wir oft erst nach Mitternacht auf die Bühne gestiegen, heute ist schon spät, wenn ein Konzert um 22 Uhr beginnt (schmunzelt)!

Wie war damals die Musikszene in Wien im Unterschied zu heute?

Markus Kienzl: Alles war weniger professionell als heute, und natürlich wurde viel improvisiert. Um Umgang mit den elektronischen Geräten fehlte oft das Know-how, das musste man sich erst erarbeiten. Wir hatten unser Studio im Kunstwerk im 16. Bezirk, das war damals eigentlich eine Rave-Location. Es war ein großes Haus, viele kreative Leute hatten Ateliers, und es gab viele Partys. In dieser Zeit haben wir im Studio viel ausprobiert. Das war ein z.T. auch großes Abenteuer, es herrschte in der Szene eine Art Goldgräberstimmung! Die ersten Gagen wurden meistens gleich wieder in neues Equipment investiert.

Wolfgang Frisch: Wenn man heute elektronische Musik produziert, ist alles viel einfacher geworden. Durch das Internet bzw. YouTube und diverse Work-Shops kann man sich relativ schnell Know-how aneignen. Zusätzlich gibt es, auch international, viel mehr Auftrittsmöglichkeiten und durch das Internet ist man viel besser vernetzt.

Euer erster, größerer Erfolg ist dadurch entstanden, dass Richard Dorfmeister das Stück "Sofa Rockers" von eurem Debüt "Transit" als Remix auf dem legendären Album "The K&D Sessions" veröffentlicht hat. Wie war das für euch?

Michael Holzgruber: Natürlich hat uns das sehr geholfen! Das war kurz vor der Zeit, bevor Kruder & Dorfmeister internationale Stars wurden.

Markus Kienzl: Irgendwie war das Ganze aber auch ein bisschen ein Fluch und Segen für uns. Einerseits wurden wir so mehr bekannt, andrerseits wurden wir musikalisch schnell in eine Schublade gesteckt. Nach ein paar Jahren wurde unsere Musik dann als Lounge- bzw. Aufzug-Musik tituliert. Und das obwohl z.B. unser zweites Album "Cargo" sehr düster und sperrig war. Diesen Stempel wurden wir aber leider so schnell nicht mehr los, zum Teil hängt uns das immer noch nach. Trotzdem überwiegt sicher das Positive.


Auf dem neuen Album "20" habt ihr wieder mit einigen Künstlern zusammengearbeitet, mit denen ihr schon auf früheren LPs Kooperationen gemacht habt. Wie hat sich das ergeben und was war das Konzept hinter "20"?

Markus Kienzl: Wir wollten nicht, wie viele andere Bands bei einem Jubiläum, nur eine Compilation alter Titel veröffentlichen, das hätte unseren eigenen Ansprüchen, immer etwas Neues zu machen, einfach nicht genügt. Deshalb kamen wir auf die Idee, manche Tracks von früher neu zu erarbeiten, um an die Vergangenheit anzuschließen, und gleichzeitig auch neue Songs aufzunehmen. Damit wollten wir einen Bogen spannen zwischen jetzt und damals.

Michael Holzgruber: Ganz besonders liegt uns der Track "Warped" mit Oddateee am Herzen. Er stammt ja aus New York und begleitet uns schon länger. Oddateee war mit uns auf Tour und hat auch schon einige Tracks mit uns aufgenommen und ist mittlerweile auch ein sehr guter Freund geworden.

Wolfgang Frisch: Auch "See the light" [aus: Encounters, 2002, Anm.] mit Junior Delgado ist speziell. Junior ist ja 2005 verstorben und wir haben seine Vocals von damals, die wir 2001 aufgenommen haben, wieder hergenommen und das Stück mit ihm neu interpretiert. Den Song haben wir seit damals auch live regelmäßig im Programm. Die neue Version ist so ein bisschen im Slow-Disco-Stil. Das Ganze ist jetzt ein Duett zwischen Junior Delgado und unserem Sänger Many.

Many Obeya: Mir gefällt die neue Version von "Can i get a witness" [ebenfalls von der Encounters-CD, Anm.]. Im Original haben wir das damals mit der Sängerin Dawna Lee aufgenommen, jetzt haben meine Tochter und ich den Track neu eingesungen.

Was sind eure Zukunftspläne?

Wolfgang Frisch: Wir freuen uns jetzt zuerst einmal sehr auf das Release-Tour zum neuen Album. Wir werden sicher auch weiterhin Projekte in Richtung Filmmusik machen wie z.B. bei den Brenner-Verfilmungen von Wolf Haas mit Regisseur Wolfgang Murnberger. Vielleicht gibt es auch wieder Musik der Sofa Surfers für Theater-Projekte. Unsere Solo-Projekte werden sicher auch in der einen oder anderen Form weitergehen.

Markus Kienzl: Uns war immer ganz wichtig, dass jeder von uns die Zeit, Möglichkeit und Erlaubnis hatte, auch eigene Sachen zu machen. Ich glaube, das hat uns als Gruppe sogar gestärkt, weil wir davon wieder mit neuen Erfahrungen zurückkommen. Jeder hatte die Freiheit, sich selbst ganz zu verwirklichen außerhalb der Gruppe, mal zu schauen wo er steht, um dann wieder in der Gruppe weiter zu tun. Das hat uns sicher auch die ganzen 20 Jahre über am Leben gehalten, sonst säßen wir heute vielleicht gar nicht mehr hier (schmunzelt). //


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Interview: Robert Fischer

Fotos: Roland Faistenberger