Mit Womit haben wir das verdient? gelang Regisseurin Eva Spreitzhofer eine humorvolle Komödie mit kritisch-ernstem Hintergrund, die bei der Diagonale 2019 zu sehen war.

Voller Klischees

Die erfolgreiche Oberärztin Wanda und ihr Ex Mann sitzen bei einer Psychologin und warten auf ihre gemeinsame Tochter Nina. Als Nina mit islamischem Kopftuch auftaucht, gerät das Leben der feministischen Mutter aus den Fugen. Völlig unbeeindruckt erzählt ihnen die 16-jährige, dass sie zum Islam übergetreten ist. Und zwar Online. Ausgehend von dieser Situation entwickelt die Regisseurin Eva Spreitzhofer eine liebevolle Beziehungskomödie um eine moderne Patchwork-Familie. In einer durch Migration zunehmend nach rechts abdriftenden Gesellschaft widmet sie sich im Trend der österreichischen Komödie ironisch dem Thema Islamismus. Dabei wird neben dem Konfliktfeld Religion, kein Klischee des Lebens in der Multikulti Welt der Stadt Wien ausgelassen. Pubertierende Tochter gegen Eltern, Konservative gegen Moderne und Feminismus gegen Patriarchat.

Die Welt steht Kopf

Nina nennt sich ab nun Fatima und zusammen mit dem Kopftuch erreicht das Chaos in der gut bürgerlichen Wiener Familie eine neue Dimension. Am Geburtstagsfest von Wanda trifft die pubertierende 16-jährige das erste Mal mit Kopftuch auf das komplizierte familiäre Umfeld der Mutter. Obwohl man als Zuschauer mit Wanda mitfühlt, kann man das Schmunzeln bei den Peinlichkeiten und Konflikten kaum vermeiden. In weiterer Folge versucht die emanzipierte Heldin des Films einerseits ihre Tochter von ihren wahnwitzigen Ideen abzuhalten, andererseits will sie Nina alias Fatima einfühlsam auf ihrem neuen islamischen Weg begleiten. Dabei versucht sie im Speiseplan Rücksicht zu nehmen und die Kultur des Islams kennenzulernen. Diese wird in verschiedenen Facetten von gut integrierten Moslems bis zum konservativ patriarchalischen Imam. Spannend wird es als Nina eine islamische Hochzeit anstrebt und Vater und Mutter slapstickartig zu einem "heldenhaften" Rettungsversuch aufbrechen, um ihrer Tochter beizustehen. Eva Spreitzhofer gelingt es mit lebensnahen Alltagsdialogen, dass der Zuschauer sich mit den Protagonisten identifizieren kann. Abgesehen von wenigen Slapstick Szenen gelingt es der Regisseurin sich humorvoll über die kleinen Peinlichkeiten des Lebens lustig zu machen. Dabei versucht sie neben der Perspektive der Mutter auch die Sichtweise der anderen Charaktere gerecht zu werden. //

Text: Natascha Neger
Fotos: Mona Film Produktion GmbH
Diese Filmkritik entstand beim Workshop "Filmkritiken schreiben" im Rahmen der Diagonale 2019 unter der Leitung von Manfred Horak (Kulturwoche.at) in Kooperation mit Diagonale - Festival des österreichischen Films, Kulturwoche.at, Kleine Zeitung, Die Furche, Celluloid Filmmagazin und Radio Helsinki. Bei Radio Helsinki entstand mit der Moderatorin Irene Meinitzer auch nachfolgende 60-minütige Live-Sendung.

Film-Tipp:
Womit haben wir das verdient?
Bewertung: @@@@
Regie und Buch: Eva Spreitzhofer
Darsteller/innen: Caroline Peters, Chantal Zitzenbacher, Simon Schwarz, Marcel Mohab, Anna Laimanee, Hilde Dalik, Pia Hierzegger, Duygu Arslan, Angelo Konzett, Alev Irmak
Kamera: Andreas Thalhammer, Xiaosu Han
Schnitt: Alarich Lenz
Originalton: Claus Benischke-Lang
Musik: Iva Zabkar
Sounddesign: Nils Kirchhoff, Karim Weth
Szenenbild: Katrin Huber und Gerhard Dohr
Kostüm: Martina List