Schlagabtausch beim Therapeuten: Über Michael Kreihsls filmische Inszenierung von Daniel Glattauers "Wunderübung".

Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (Devid Striesow) lernten sich damals bei einem gemeinsamen Tauchgang kennen und lieben. Heute, nach 17 Jahren, sind sie aufgetaucht und die Luft ist einfach raus. Freiwilliges Gegenübersitzen geschieht lediglich noch in der U-Bahn und - es kommt wie es kommen muss - letztendlich beim Paartherapeuten (Erwin Steinhauer).
Der ist nämlich ihre letzte Hoffnung. So nimmt eine geballte Schlacht der Argumente und Geschlechter ihren Lauf, die bald schon an Eigendynamik gewinnt und sich zu einem pikanten Szenario hochschaukelt.

Rollentausch

Devid Striesow und Aglaia Szyszkowitz brillieren in ihren Rollen als Valentin und Joana Dorek. Beinahe zu real verkörpern sie jenes Paar, das im Death Valley seiner Ehe angekommen ist und im Besuch beim Therapeuten seinen Ausweg aus der Misere sieht. Daneben gibt Erwin Steinhauer gekonnt den in die Jahre gekommener Paartherapeut mit Hang zum cholerischen Temperament und dem gesunden Schluckerl zwischendurch. Der glaubt schon an kein Wunder mehr - bis plötzlich das Handy klingelt.

Fetzen, bis die Fetzen fliegen

Wer hätte gedacht, dass es so überaus amüsant sein kann, jemandem beim Streiten zuzusehen? "Die Wunderübung" has it all: Vor spießbürgerlicher Fassade werden gegenseitige Kränkungen, Vorwürfe und Szenen einer Ehe durch den Raum geworfen, als gäbe es kein Morgen. Ob die Sitzung dann letztendlich doch erfolgreich ist? Man darf gespannt sein - und sollte auf jeden Fall ins Kino gehen. Man wird es nicht bereuen... //

Text: Katharina Hoi
Fotos: Luna Filmverleih

Film-Tipp:
Wunderübung
Bewertung: @@@@
Diese Filmkritik entstand im Rahmen der Diagonale 2019


Regie und Buch: Michael Kreihsl
Darsteller/innen: Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer
Kamera: Wolfgang Thaler
Schnitt: Ulrike Kofler
Originalton: Sergey Martynyuk
Sounddesign: Bernhard Maisch
Szenenbild: Katrin Huber, Gerhard Dohr
Kostüm: Theresa Ebner-Lazek
Produzent/innen: Helmut Grasser
Produktion: Allegro Film