Der Wiener Sänger, Liederschreiber und Gitarrist Felix Kramer im Interview über sein Debüt-Album "Wahrnehmungssache".

Etwas verschwitzt aber glücklich erzählte uns Felix Kramer nach einem Open-Air Auftritt im Museumsquartier über erste musikalische Gehversuche mit Pink Floyd-Covers, die intensive Studioarbeit für sein Debüt, und wie ihn mit 18 Jahren der langweilige Zivildienst zum Liederschreiben inspirierte.

Kulturwoche.at: Wann hast du begonnen Lieder zu schreiben?

Felix Kramer: Eigentlich schon im Kindergarten! Oder war es in der ersten Volksschule? Irgendwann in diesem Zeitraum auf jeden Fall!

Wie ging es dann weiter?

Ich habe weiterhin immer schon irgendwelche Lieder geschrieben. Der Stil hat sich oft geändert. Ich habe da immer diversen Idolen nachgeeifert, viel auf Englisch geschrieben etc. Das hat dann einmal eher nach Pink Floyd geklungen, dann wieder mehr nach Reggae oder Ska. Eine Zeitlang habe ich französische Schmalzschnulzen geschrieben. Da war alles dabei.

Ab wann hast du begonnen auf Deutsch zu schreiben?

Als ich ca. 18 Jahre alt war. Da war ich gerade im Zivildienst und mir war unglaublich langweilig. Ich war irgendwie ziellos und wusste nicht genau, wie es weitergehen soll. Aus dieser Stimmung heraus habe ich dann eigentlich völlig unabsichtlich etwas geschrieben und das hat dann eine Eigendynamik bekommen.

Warum heißt dein Debüt-Album "Wahrnehmungssache"?

In allen Liedern des Albums geht es um unterschiedliche Zustände, und auch viel um Gefühle usw. Ich finde einfach, es ist alles sehr relativ. Es kommt halt drauf an, wie es einem grade halt geht bzw. wie die Hormonlage ist oder was auch immer, erscheint einem die Welt bzw. gewisse Situationen in einem anderen Zustand. Es ist eben alles irgendwie relativ und dass das so ist, beschäftigt mich unglaublich. Dazu kommt auch die Frage, was ist eigentlich Realität? Das ist eben auch Wahrnehmungssache (schmunzelt)!

Wie hast du Hannibal Scheutz als Produzent für dein Debüt ausgewählt?

In der Vorbereitung habe ich mir viele aktuelle Produktionen aus Österreich angehört. Eine Sache, die mich dann wirklich begeistert hat, war das letzte Album von Wilfried, "Gut Lack"! Das wurde ja von seinem Sohn Hannibal produziert und von Martin Siewert gemischt und gemastert. Clemens Wenger hat die Streicher-Arrangements geschrieben, und es waren noch einige andere Musiker dabei, die später auch zu meinem Team im Studio dazu gestoßen sind. Ich hatte den Eindruck, die produzieren einen guten Sound. Ich habe dann Hannibal einige Demos geschickt, die ihm auf Anhieb sehr gut gefallen haben. Auch beim persönlichen Treffen mit Hannibal haben wir uns gleich sehr gut verstanden und sofort eine gute Ebene für die Zusammenarbeit gefunden.

Im Pressetext steht, dass dir bei der Instrumentierung deiner Songs ein gewisser Minimalismus sehr wichtig war. Warum?

Ich wollte meine Lieder immer schon mal stärker instrumentieren, bis vor kurzem habe ich live oft Solo gespielt. Jetzt gibt es viele neue Lieder, die ich früher noch nicht im Programm hatte. Aber bei der Instrumentierung habe ich mich nie richtig drüber getraut, habe nicht gewusst, wie ich das machen soll. Wenn man alleine Gitarre spielt, hat man sehr viele Freiheiten und ich hatte große Angst, dass diese Freiheit dann z.B. von einem fetten Arrangement erdrückt wird. Deswegen wollte ich meine Lieder auf keinen Fall zukleistern in Richtung Pop bzw. Radio. Sowas finde ich schrecklich! Ich finde es voll okay, wenn man mal ein wenig akustisch unterwegs ist, ein bissl ruhiger und nicht immer so ein fetter, tanzbarer Sound vorherrscht. Darum sind die Instrumentierung und der Sound bei meinem Debüt eher zurückhaltend ausgefallen.

Momentan tourst du auch intensiv mit deinem Debüt-Album "Wahrnehmungssache". Wie sind die Erfahrungen von den bisherigen Konzerten?

Alles dabei! Oft gibt es Konzerte, wo die Leute ganz toll zuhören, das finde ich extrem schön! So macht es mir am meisten Spaß! Vor allem bei Open-Airs, wo ich noch nicht so oft aufgetreten bin, gibt es halt oft irgendjemand, der tratscht! Das ist nicht meine Art wie ich am liebsten Konzerte spiele. Open Airs sind halt eine eigene Geschichte. Manchmal sind die Konzerte auch eskaliert. Ich bin einmal nur vor zehn Leuten aufge-treten und fünf davon haben extrem laut getratscht! Dann haben sie reingerufen, ich soll mal was Lustiges spielen! Später kam noch einer her zu mir und wollte unbedingt ein Selfie mit mir machen, als ich mitten in einem Lied drinnen war! Dann hat er mich angerempelt etc. Also, so was passiert auch, aber meistens waren die Konzerte sehr schöne Erlebnisse!

Wo hat dein erster Auftritt mit eigenen Liedern stattgefunden?

Mit eigenen Liedern... (überlegt) ... also ein wichtiges Konzert für mich war im Cafe Kreuzberg im 7. Bezirk. Das war aber nicht mit deutschen Liedern. Das war 2009, da war ich ca. 14, 15 Jahre alt. Damals wurde das Kreuzberg noch etwas wilder geführt, als jetzt. Die Besitzerin ließ uns öfters im Konzertkeller proben und hat gesagt, sie kommt irgendwann später wieder. Wir waren da auch immer zum Schulschwänzen dort! Es war ein cooler Ort, viele Jazzmusiker haben damals dort Sessions gemacht. Dort sind dann einmal an einem Abend ein Freund und ich aufgetreten, und noch eine zweite Band, das waren Bekannte von uns. Der Abend nannte sich Sour Mash und wir haben da sehr viel Pink Floyd-artiges Zeug und Covers von Pink Floyd und Jimi Hendrix gespielt. Das war ein wichtiges Erlebnis für mich!

Dein Debüt-Album hat viel mediale Aufmerksamkeit erregt und tolle Kritiken bekommen. Welche Wünsche hast du jetzt noch für deine Musik für die weitere Zukunft?

Wenn man von der Musik leben will, muss man ja extrem erfolgreich sein. Das Feedback auf mein Debüt hat bis jetzt schon meine kühnsten Erwartungen übertroffen! Mehr kann ich mir nicht wünschen, und mir ist klar, dass das Album auch als ein Misserfolg hätte enden können... (Überlegt) ... Klar, möchte ich noch möglichst lange Musik machen, und ich wünsche mir, dass der Erfolg stetig wächst. Ich hoffe, dass weiterhin viele Leute zu meinen Konzerten kommen bzw. auch die CD kaufen, und ich weiter als Musiker unterwegs sein kann.

Welche drei Alben würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

(Schüttelt den Kopf) Das ist für mich echt die undankbarste Frage, weil ich so viel unterschiedliche Musik höre! Ich kann aber sagen, was ich jetzt gerade höre: Also z.B. "Real Gone" von Tom Waits (grinst)! Ich spiele ja auch Gitarre in einem Orchester, und wir waren gerade für ein Konzert in London. Da bin ich ganz unerwartet auf Choräle reingekippt! Also so englische Kirchenlieder mit fetten Orgeln, die so unglaublich viel Bass haben! Und dann als drittes... (überlegt länger) ... von Richard Strauß die alten Sinfonien mag ich aktuell auch sehr gerne. Aber wie gesagt, meine Musikvorlieben ändern sich täglich! Wahrscheinlich würde ich auch ohne Britney Spears bzw. ohne Pink Floyd nicht gut auskommen! //

Interview: Robert Fischer
Foto: Phat Penguin Records

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Live-Termine

13.02.2019 Rote Sonne // München
14.02.2019 Kufa // Kufstein
15.02.2019 Spielboden // Dornbirn
16.02.2019 Röda // Steyr
17.02.2019 Jazz It // Salzburg
06.03.2019 Konzerthaus (Mozart Saal)// Wien
28.03.2019 Orpheum Extra // Graz
29.03.2019 Container // Wolfsberg
11.04.2019 Kino im Kesselhaus // Krems
26.07.2019 Heimatsound Festival // Oberammergau