Mit ganz viel Liebe, Empathie und positiver Energie beehrte die Saxofonistin Lakecia Benjamin am 14.6.2026 das Publikum im Porgy & Bess, Wien.
Lakecia Benjamin Konzertkritik
Sie spielte mit Prince, Alicia Keys, Stevie Wonder und an der Seite des mittlerweile über 100-jährigen Marshall Allen (Sun Ra Arkestra) bei einem Konzert von U2, dokumentiert auf der Doppel-CD "Live At The Apollo For One Night Only" (2021). Im Jahr 2012 veröffentlichte Lakecia Benjamin ihr Debüt-Album "Retox" und wenige Monate danach gleich auch ihr erstes Weihnachtsalbum "This Christmas". Es war zudem jenes Jahr, in dem sie erstmals im Porgy & Bess gastierte. Ihr sechstes Studio-Album heißt "We Dream" (Artwork Records, 2026) und bringt elf Tracks zu Gehör, die mit ihrem Amalgam aus Funk und Jazz und mit Gastmusiker:innen wie Terence Blanchard, Chris Potter, Jeff "Tain" Watts und der japanischen Super-Pianistin Hiromi auf ganzer Linie überzeugen. Ihr Spiel am Altsaxofon begeistert durch seine Impulsivität sowie durch ihr tiefes Wissen über die Musikgeschichte. Das Album ist extraordinär und ein echtes Highlight des Musikjahres 2026, nicht nur im Jazz-Bereich. Wer sich etwas Gutes tun möchte, sollte sich "We Dream" zulegen, erhältlich ist es nicht nur auf diversen Streaming-Portalen, sondern auch auf CD und Vinyl.
Positive Energie
Beim Konzert im Porgy & Bess gab sie einige Kostproben davon, wie etwa das großartige "Ascension". Erstaunlich ist immer wieder zu beobachten – oder vielmehr zu hören –, wie sehr sich die Energie einer Komposition im Live-Kontext gegenüber der Studiofassung steigern kann, so auch bei diesem fantastischen Quartett rund um Lakecia Benjamin, das förmlich von einer positiven Energie sprühte und zudem sehr genau weiß, wie man als Live-Musikerin das Publikum gewinnen kann, was wiederum nicht allzu sehr überraschen sollte, wenn man weiß, mit wem sie bereits die Bühne teilte. Mit Lakecia Benjamin auf der Bühne standen Elias Bailey (Bass), Jonathan Barber (Schlagzeug) und Oscar Perez (Piano, Keyboards). Allen vieren ist gemein, dass sie bereits im Volksschulalter, also in sehr jungen Jahren, begonnen haben, ihr Instrument zu spielen. Lakecia Benjamin war erst elf Jahre alt, als sie das Saxofon für sich beanspruchte. Im Interview habe ich sie darauf angesprochen und auch darauf, wie sie es schaffte mit Prince und Stevie Wonder zu spielen.
Latino-Funk-Jazz-Fusion
Neben diesen Größen gab es einen weiteren Musiker, der immens wichtig in ihrer Entwicklung als Musikerin war, nämlich der am 3. Juni 2026 verstorbene Jazz- und Bluesgitarrist James "Blood" Ulmer. Ich sah Ulmer mehrmals live, erstmals Mitte der 1980er Jahre in Graz, aber leider nie mit Lakecia Benjamin. Ihm zu Ehren kramte Lakecia Benjamin in ihren Erinnerungen nach Anekdoten. So erzählte sie, dass sie zwar etliche Jahre mit ihm auf der Bühne stand, allerdings ob seines Slangs nur andeutungsweise verstand bzw. vermuten konnte, was er sagte, was prompt in eine sprachliche Kostprobe mündete, um in eine vollkommen entrückte Version von "My Favourite Things" einzutauchen. Erhebend und ekstatisch gleichermaßen, als ob sie gleich abheben würde – und mit ihr das Publikum. Das Quartett beherrscht die hohe Kunst des Musizierens, lässt sich dabei jedoch nicht von stilistischen Grenzen einengen, sondern lotet diese aus, um sie im freien Spiel zu überschreiten, was in charakterstarkem Latino-Funk-Jazz-Fusion mit Prince-Spirit mündete, man könnte es auch Partymusik mit Niveau nennen. Die Freiheit in ihrer Musik ist ansteckend und man wünscht sich eine solche Freiheit in der ganzen Welt. An einer Stelle im Konzert auf die Situation in so manchem Land anspielend, meinte sie denn auch tatsächlich, dass sie hierbleiben würde, sollte sie jemand heiraten wollen.
Für alles, was den Menschen guttut
Lakecia Benjamin ist eine politische Künstlerin. Sie hebt ihre Stimme für Frieden, für ein gewaltloses Leben, für Freiheit, für Gleichstellung, im Prinzip für alles, was den Menschen guttut. Sie proklamiert es wie ein Manifest, schreit es hinaus, rappt es und manchmal vermischt sich ihr Rap mit Scat, verleiht ihm eine nonverbale, lautmalerische Dimension. Das inhaltliche Verständnis blieb dabei mitunter begrenzt, möglicherweise ähnlich wie ihre früheren Gespräche mit James "Blood" Ulmer, und dennoch verstanden wir alles. Wenn sich die Worte im Raum gesetzt hatten, trug sie mit dem Saxofon alle weiteren Gefühle fort. Ihre Spielfreude, die Lust am Musizieren, entzündete sich in den Interaktionen, sei es im impulsiven Duett mit Schlagzeuger Jonathan Barber, sei es im Kollektiv oder auch, wenn Oscar Perez von Latin-Einflüssen geprägte Pianoläufe zelebrierte, die bisweilen an die besten Momente von Joe Jackson denken ließen. Und dann gab es noch diesen einen ungemein berührenden Solo-Teil. Lakecia Benjamin und ihr Altsaxofon. Ihre drei Musikerkollegen überlegten, ob sie einsteigen sollen, hörten aber stattdessen gebannt zu, denn genau das war es, was ihr Spiel ausmachte; es zog alle in den Bann. //
Text und Fotos: Manfred Horak
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