flich-2010Dass in Österreich eine "Messe für hochwertige Unterhaltungselektronik und Lebensgenuss" durchgeführt werden kann, sollte man nicht unbedingt als Selbstverständlichkeit betrachten. Von 11. bis 13. November 2016 ist es wieder soweit. klangBilder 16 findet im Arcotel Kaiserwasser statt.

 

Als primäre Aufgabe nennt Ludwig Flich, der MasterMind hinter "klangBilder", State of the Art des internationalen Home Entertainments, eingebunden in ein unterhaltsames künstlerisches und kulinarisches Rahmenprogramm mit hohem Mehrwert für die Besucher. Und es soll eine Reise zum echten Lebensgenuss sein: mit Klang, Bildern und Gaumenfreuden in Wohnraum-Ambiente. Gezeigt werden in diesen drei Tagen innovative Geräte heimischer und internationaler Anbieter in den Bereichen TV, HiFi, Fotografie und Medien-Vernetzung. Ein Gespräch mit Ludwig Flich über seine Erlebnismesse. Die Fragen stellte Wolfgang Rauscher.  

Kulturwoche.at: Aus der puren Präsentation exotischer Unterhaltungselektronik ist ein Fest des Lebensgenusses im eigenen Heim geworden. Leben wir wieder einmal in einer Ära des Cocoonings?

Ludwig Flich: Nun ja, auch exotische Geräte können Lebensgenuss vermitteln. Aber richtig: Wir haben uns weiter entwickelt. Geräte kann man heute in jedem Mediamarkt oder Saturn sehen, aber den Nutzen und die sinnliche Lust, den Genuss, den bieten nur wir. Wir zeigen, wie unterhaltsam Elektronik sein kann, und wie man Spaß damit hat. Cocooning? Das ist nicht mehr ganz neu, begann so etwa mit dem '11. September'. Dann kamen ein paar Krisen: Terror, Grippen, die Weltwirtschaft, und die Leute sagten sich: 'Ich lass doch mein Geld nicht zinsenarm auf der Bank verschimmeln. Ich gönn' mir was.' Das hat den Konsum in der Unterhaltungs-Elektronik kräftig angekurbelt, umso mehr, als Flachbild- und HD-TV in der Begehrlichkeit ganz oben standen.

Wie hat es die Messe in den letzten Jahren geschafft, die Brücke zu schlagen, von einer Präsentationsshow für Spezialisten und Soundfreaks hin zum Eintauchen in ein qualitätsbewusstes Genießen unserer Sinne?

Wir vermitteln sinnliche Inhalte. Ich kenne genug Messen, auf denen die Leute tolle Geräte sehen und von Kaufhaus-Musik niedergebügelt werden. Bei uns versuchen viele Aussteller den Kontakt zum Publikum durch eine viel persönlichere Präsentation zu finden. Unser Bonus: Wir führen im Hotel ja schon in 'Wohnräumen' vor, die Identifikation mit einem Zuhause ist rasch gefunden. Und bei uns gibt es Unterhaltung pur. Man kann mit einer Führung Musikstücke auf verschiedenen Anlagen vergleichen, oder hinter die Kulissen von Aufnahmen horchen; es gibt Künstler, die ihre neuesten CDs vorstellen und Tonmeister, die über Wiedergabe mit Beispielen diskutieren. Wir stellen nicht Technik dar, sondern Filme und Musik mit den besten technischen Möglichkeiten. Klang und Bilder als Erlebnis. Fad wird einem bei uns nie.

Auf ein Jahrzehnt Unterhaltungselektronik zurückzublicken bedeutet auch, Quantensprünge in unserem Konsumverhalten Revue passieren zu lassen. Was sind die Meilensteine der letzten Jahre in Sachen Home Entertainment?

Ich denke, dass wir mit dem aktuellen HDTV bei der Bildverarbeitung recht weit gekommen sind. Ich halte auch den aktuellen Trend zur Vernetzung für kundenfreundlich, wenn man die Vorteile klar vermittelt. Und ich finde moderne Digitalfotografie fantastisch. Beim Klang tue ich mir schwerer, weil die Medien so auseinander driften: Downloads, Streaming, SA-CD, Blue-ray, CD, Vinyl, und was sonst noch angeboten wird, sorgen für eine kommerziell schädliche Zersplitterung des Marktes. Persönlich bin ich ein Sammler und kann dem Streamen wenig abgewinnen, umso mehr, als das Internet zum Virenstall verkommen ist. Aktuell sehe ich als optimalen Kompromiss einen Wandler, der alle Digitalformate - egal, woher sie kommen, erkennt und verfeinert. Auf dem Bildsektor sind es wohl TV-Geräte und Sat-Receiver mit Harddisk-Anschluss. 

Ganz früher war es vielleicht die Feuerstelle, dann das Wohnzimmer, wo sich der Familienverband getroffen hat, heute ist das Lagerfeuer von damals zur Schaltzentrale und Kommandobrücke für Interaktion mit dem Global Village geworden. Wie schätzen Sie die Entwicklung für die nächste Zukunft ein?

Fernseher mit Internet-Anschluss oder dank LAN-Anschluss sich selbstständig aktualisierende Geräte zeigen schon jetzt einige Möglichkeiten. Etwa Fotos versenden, Mails abrufen, youTube bestaunen, im Facebook stöbern. Allerdings glaube ich nicht, dass dies mehr als ein Zusatznutzen zum leuchtkräftigeren TV-Bild werden kann.

Was wird man bei klangBildern davon konkret zu hören, sehen und nicht zuletzt auch schmecken können?

Die Palette ist heuer extrem breit. Wir stellen bei TV natürlich 3D vor, das derzeit in vielen Augen leuchtet, 3D übrigens auch bei Foto und Film, dazu Internet via TV und alle Möglichkeiten von dlna, der modernen Vernetzungsnorm. Projektoren und Surround zeigen kinogleiche Qualität, und Marken-Fernseher kennen eigentlich keine Nachzieheffekte mehr. Klanglich gibt es einige Top-Firmen, die schon lange oder gar noch niemals in Österreich zu hören waren. Das bringt Musik auf höchstem Niveau, wie man sie in dieser Fülle nirgendwo sonst hören kann. Natürlich mit allen Ingredienzien, die guten Klang ausmachen – vom LP- oder CD-Spieler bis zum Verstärkermäßig abgestimmten Lautsprecher. Was mich heuer besonders freut, ist das Ambiente auch für kulinarische Entdeckungen im hoteleigenen Nasch-Restaurant. Kleine, feine Speisen zu erschwinglichen Preisen machen den Aufenthalt bei der Messe noch angenehmer.

Eine Messe ist ja in erster Linie auch ein Ort der Begegnung, also der Kommunikation für, sagen wir, gemischte Sätze. klangBilder hat schon früh begonnen, DIE Spezialität des Wiener Weins, eben den Gemischten Satz, hier in seiner vielschichtigen sinnlich-spirituellen Bedeutung zu pflegen. Was dürfen wir hier erwarten?

Ja, täglich grüßt die Weinverkostung: Am Nachmittag kredenzt das WienO, Wiens erste Adresse für Wiener Wein, aktuelle Entdeckungen aus dem erstaunlich vielfältigen Angebot der hiesigen Anbaugebiete. Da darf der Gemischte Satz nicht fehlen, aber es finden sich bereits vollmundige Cabernet Sauvignons darunter.

Gut. Jetzt haben wir unser gutes Glas Wein in der Hand, besuchen eine Reihe spannender Aussteller, aber, um ehrlich zu sein, wer hilft mir, wenn ich mich noch nicht auskenne mit den Errungenschaften der topaktuellen High Tech? Kann man hören lernen? Und bewusstes Sehen?

Gerade die Neuheiten werden immer am öftesten erklärt. Da kennt sich jeder aus, und auch die Zeitungen und unsere Website geben Auskunft, was welchen Nutzen bringt. Im Hotel ist dann Beriechen, Berühren und Bestaunen angesagt. Geräte werden bei den klangBildern grundsätzlich vorgeführt. Fragen sind sehr erwünscht, Testen willkommen. Jeder kann Hören lernen: Bei unseren klangTouren vergleichen wir Aufnahmen bei verschiedenen Anlagen. Das relativiert so manche Meinung. Hören und auch Sehen müssen sich - wie alle Sinne – einmal entwickeln. Dann hat man einfach mehr Spaß.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass klangBilder auch eine spannende Plattform darstellt um talentierte Künstlerinnen und Künstler zu präsentieren. Gibt es da auch Initiativen?

Im Laufe der Jahre haben wir etwa 50 Künstler aus den Bereichen Jazz und Klassik eingeladen. Ganz berühmte Stars und ganz unbekannte Talente. Voraussetzung ist bloß eine aktuelle CD des Künstlers, die wir dann auf den klangBildern aus der Taufe heben. Manchmal wechseln einander Tonträger und Live-Musik ab, manchmal plaudern wir auch, was hinter den Kulissen dieser Platte passiert ist. Denn was mir auch wichtig ist: Unser Publikum soll einen Mehrwert mit nach Hause nehmen; etwas mitnehmen, das man sonst nirgendwo besser erfahren kann, als bei uns. Manchmal erklingen auch Versionen, die nie auf CD erschienen sind.

Nach all den Jahren - was hat Sie im Rahmen Ihrer Begeisterung für Ihre Mission am meisten beeindruckt?

Wie die meisten Besucher Freude an Musik wieder entdecken, wie sie sich wohlfühlen und wie immer mehr Paare und nicht mehr nur Männer durch die Ausstellung schlendern. Wenn dann jemand kommt und sagt: 'Das hab' ich nicht gedacht, dass Musik so gut klingen kann. Das macht ja richtig Spaß', dann weiß ich, dass unsere Botschaft angekommen ist.

Danke für das Gespräch. (Das Interview führte Wolfgang Rauscher)

Veranstaltungs-Tipp:
klangBilder
klangBilder|16 vom 11.-13. November 2016 
Arcotel Kaiserwasser, 1220 Wien, Wagramer Straße 8