Oliver Bruck schenkt uns mit Exploring Hans Hass die Möglichkeit den 2013 verstorbenen Taucher, Meeresbiologen, Filmemacher und Humanethologen näher kennenzulernen und seine zahlreichen Errungenschaften unter wie ober Wasser zu bewundern.

Vor der Vernichtung gerettet

"Exploring Hans Hass" ist wie so vieles im Leben aus einem Zufall heraus entstanden. Die Filmrollen, auf die der junge Regisseur Oliver Bruck stößt, hätten laut dem berühmten Meereserforscher Hans Hass vernichtet werden sollen. Der Nachlassverwalter von ihm hat diesem Wunsch jedoch - Gottseidank - nicht Folge geleistet und so konnte sie Bruck finden und nach und nach entdecken.

Schicksalhafter Fund

Als Biologiestudent und leidenschaftlicher Taucher hat die Faszination von Bruck für diese eindrucksvolle Persönlichkeit schon früher begonnen und es reifte ihn ihm schon seit einiger Zeit die Idee heran, einen Film über ihn zu machen. Mit seinem schicksalhaften Fund konnte er dieses Vorhaben nun endlich umsetzen. Für die technische Aufarbeitung und Digitalisierung der 16mm und 35mm Filme standen ihm das Filmarchiv Austria und die filmkoop Wien zur Seite. Bruck konzentriert sich jedoch nicht nur auf die Unterwasserfilme von Hass, sondern reist auch den letzten Überlebenden der zahlreichen Expeditionen hinterher. Er begibt sich damit auf eine Spurensuche nach dem Leben von Hans Hass.

Die letzten Überlebenden

In den Interviews lernen wir unter anderen den bereits verstorbenen Tauchkollegen Gerald Weidler und den Techniker Kurt Schäfer kennen, die uns Einblicke in ihre Erinnerungen gewähren und uns stolz ihre Erinnerungsstücke präsentieren. Selbst die Tochter von Hans Hass und seiner nicht minder abenteuerlustigen Frau Charlotte (Lotte), Meta Raunig-Hass, stellt sich für ein Gespräch zur Verfügung. Mit ihr findet auch die weniger interessante Beschäftigung ihres Vaters vermehrt Eingang in den Film: seine Energontheorie. Nachdem Hass der Unterwasserwelt überdrüssig wird, fängt er an, sich dem Leben auf dem Land, genauer gesagt, dem Menschen zuzuwenden. Gemeinsam mit seinem Freund und Evolutionsbiologen Irenäus Eibl-Eibesfeldt bereist er unterschiedlichste Völker der Erde und versucht entgegen dem Rassismus universelle Gemeinsamkeiten der menschlichen Rasse zu finden. Das gelingt ihm schließlich teilweise auch; trotzdem bleibt seine Theorie weitgehend abgelehnt.

Wir wollen Meer sehen

Die fehlende Anerkennung für seine Projekte ober Wasser stellt sich auch während des Films ein. Der erste Teil von "Exploring Hans Hass", der sich seinen Unterwasserfilmen und Expeditionen widmet, ist extrem spannend und beeindruckend. Dort lädt uns Bruck mit Ausschnitten aus "Abenteuer im Roten Meer" (1950) und "Unternehmen Xarifa" (1954) ein, gemeinsam mit Hans, Lotte und Co. angsteinflößenden Unterwasserkreaturen wie Walen, Haien und Rochen entgegenzutreten. Die Nachforschung und Darlegung seiner Energontheorie im Mittelteil sorgt hingegen dafür, dass man sich - wie vermutlich viele seiner Anhänger/innen (damals) - wünscht, er würde sich wieder dem Meer und seinen unentdeckten Geheimnissen zuwenden.

Reise in die Vergangenheit

Am Ende kehrt der Film erfreulicherweise wieder ins Wasser zurück und der Film führt einen geschickten Schachzug aus: Während Bruck den gesamten Film über den Spuren von Hass folgt, macht er das am Ende wortwörtlich, indem er Hass Lieblingstauchplatz - das Wrack Umbria in der Nähe von Port Sudan - besucht. Hier werden Bilder von damals und heute parallel montiert und zu einem runden Ganzen verflochten. Somit kehrt der Film am Ende zu seinem Anfang zurück und man sieht leichter über Mängel wie die emotionslos und ungeschickt gesprochenen Kommentare und Interviewfragen des Regisseurs hinweg. Im Publikumsgespräch nach der Vorstellung bei der Diagonale 2019 spricht der Regisseur weitere Pläne für die Zukunft an. Man darf also gespannt sein, wie sich der Filmneuling ‚entwickelt‘ und welch spannende Themen er uns demnächst filmisch näher bringen wird. //

Text: © Nina Isele

Fotos: © Hans Hass Institut

Film-Tipp:
Exploring Hans Hass
Bewertung: @@@
Regie und Buch: Oliver Bruck
Darsteller/innen: Meta Raunig-Hass, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Bernd Lötsch, Kurt Hirschel, Kurt Schaefer, Gerald Weidler, Michael Jung, Jane Goodall
Kamera: Sebastian Postl
Schnitt: Gernot Grassl
Originalton: Nora Czamler / Sebastian Postl
Musik: Marcus Nigsch
Zusätzliche Kamera: Thomas Rossipaul
Unterwasserkamera: Fritz Hartner
Flugaufnahmen: Jürgen Moors
Kameraassistenz: Axel Mentler
Produktion: Postlfilm