In einer Wahnsinnshochzeit handeln die Gäste ihren Egozentrismus in einem humorvollen Spieldialog aus. Das Theaterstück Ich Will bringt gute Lacher und viel Überspanntheit voll Gold und Schaumwein.

Gegenwärtige Zustandsaufnahme: Am Rande des Wahnsinns

Zwischen Ekstase und Hysterie versuchen sechs Charaktere gegenwartsbezogene Themen wie Selbstverwirklichung, auszuhandeln, und vermitteln die Problematik einer Generation nahe dem Ruin: die fehlende Selbstreflexion. Ein wildes Rumrennen und Durchdrehen verleihen dem Stück eine aufbrausende Dynamik und schaffen gleichzeitig ein Bildnis der verfehlten Selbstfindung. Dieser Wahnwitz gipfelt in der Erzählung über die eigene Selbsthochzeit. Der Liebe und Monogamie hat man schon längst abgesagt.

Das geniale Schauspiel des Wiener E3 Ensemble und der perfekt nuancierte, akkurat getroffene Wiener Wahn, eingebettet in musikalische Schmachtfetzen und Schnulzenlieder, fusionieren zu einer modernen, feuchtfröhlichen Posse. Der Witz ist jung und es wird in die Kiste des überspannten US-Sitcom-Humors gegriffen, was die Rage der Wiener Seele tatsächlich gut ergänzt. Das direkte Gegen-die-Wand-Sudern malt ein Sinnbild für die allgegenwärtigen Grantler.

Ein amüsanter Overload

Ich Will wollte viel. Viele Themen aufgreifen, viele Diskurse unterbringen, politisch sein, zum Lachen bringen, zum Nachdenken anregen, laut und leise sein, über das Medium Theater reflektieren. Für so viel reicht die 80-minütige Theaterperformance trotz allem Engagement schlichtweg nicht. So konnten Feminismus und Sozialleistungen als Stichworte aufpoppen, aber nicht in einen Diskurs einleiten. Das Fehlen der tiefgehenden Auseinandersetzungen tat diesem fulminanten Fest einer Möchtegern-Oberschicht aber nichts ab. Der Schmäh fiel nicht zu kurz aus und der voll ausgeschöpfte Sarkasmus ließ das Publikum mehr als einmal laut auflachen. Ein Theaterabend als amüsanter Overload an Pseudo-Dekadenz, Sekt und G’schaftlerei seichter, aber lustvoller Unterhaltung. //

Text: Greta Kogler

Fotos: Steineder.org

Theater-Tipp:
Ich will
Bewertung: @@@@
Open Box im Das Off Theater
Kirchengasse 41, 1070 Wien
21., 22., 28., 29. und 30. März 2019 um 20 Uhr
16€ normal, 11€ ermäßigt
Karten: 0676 5715801, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mit Mary Garzon, Isabella Jeschke, Michaela Schausberger, Robert Slivovsky und Gerald Walsberger
Musik/Bühne Sebastian Spielvogel
Dramaturgie Thomas Bischof
Kostüm/Ausstattung Pia Stross
Supervision Susanne Brandt
Technik Tom Bechter