frauenkrieg_teaserBis sie, die zwei Darstellerinnen des Stücks "Frauen.Krieg.Lustspiel", allerdings anfingen zu raufen, geriet das Drama längst in Gefahr ungelenke Gestalt anzunehmen. Die Raufhandlung schuf zwischendurch ein wenig Klarheit, ehe die ersten Längen einsetzten.

Spätestens da verweigerten die Augen von meinem Sitznachbarn rechts und jenem rechtsdiagonal vor mir sich offen zu halten. Und was bisher nach einem extrem langweiligen, noch dazu überlangen Theaterstück klingt, ist in Ansätzen und Schüben und vor allem dank Maria Hofstätter und Martina Spitzer in darstellerischer Hinsicht ein absolut gelungenes Kraftpaket.

frauenkriegDer Autor von "Frauen.Krieg.Lustspiel." ist der bereits verstorbene Thomas Brasch, der am 19.2. vor 60 Jahren in Westow, Yorkshire, geboren wurde und lange Zeit in der ehemaligen DDR lebte. Die von ihm angewendeten Kunstgriffe dramatischer Natur wie Versuchsanordnungen in zum Teil slanghafter Sprache dem Publikum nahe zu bringen wirkt natürlich über weite Strecken bestens, fast schon perfekt. Rollenspiele, Wünsche und Sehnsüchte, sowie Flucht aus der Wirklichkeit, in der Täter und Opfer oft eine Person sind, durchtrennen Zeit und Raum, sprich, im dietheater Konzerthaus wurde auf der Bühne mehr angedeutet als an Requisiten (aber auch personell) tatsächlich vorhanden war. Was eigentlich nicht weiter gestört hätte, wäre das Projekttheater Vorarlberg so weit in das Stück vor- bzw. eingedrungen, sich zu trauen, diesen Wulst an Visionen, verwirrten Ideen und verstrickten Sätzen, zu straffen, denn der existentialistische Pathos mit seinem expressionistischen Sprachduktus und der offensichtlichen Neigung von Thomas Brasch allegorisierende Fragmente an Collagen aufzuziehen, überforderte mit Fortdauer des Stückes um den zeitlosen Krieg, der keinen Namen trägt, punktum. So aber wurden die zwei fulminant agierenden Protagonistinnen, die eine sinnlich-unbeschwert, die andere verklemmt-verbittert, in eine große, dunkle, freilich absurde Materie gestoßen - in ein Stück, das nicht nur unentwirrbar zu sein scheint, sondern auch einige Wiederholungen in sich birgt. (Manfred Horak)

Darstellerinnen: Maria Hofstätter, Martina Spitzer
Regie/Bühne/Kostüme: Susanne Lietzow
Produktionsleitung: Dietmar Nigsch

Buchtipp:
Thomas Brasch - Frauen. Krieg. Lustspiel. (Suhrkamp, 1989)