Sie haben sich verdammt lange Zeit gelassen eine Live-Band zu werden, dabei gibt es sie schon seit den späten 1970er Jahren.

Okay, 1983 erschien eine Live-EP, die mittlerweile so etwas wie Kultstatus innehat ("Live at The Roxy N.Y. Dec 83"), aber das war der einzige Auftritt, sonst nur Studio, und dennoch: Yello (Dieter Meier und Boris Blank) war und ist eine der coolsten Bands. Davon überzeugen konnte sich das Publikum am 6.12.2017 in der Wiener Stadthalle.

Yellofier

Wer ein museales Elektronik-Pop-Duo erwartete, wurde aufs angenehmste enttäuscht, denn was Yello hier auf die Bühne zauberte war - ja, genau - magisch. Bis zu 12 weitere Musikerinnen und Musiker umfasste das Live-Ensemble - fünf Bläser, zwei an den Drums und Percussions, zwei Backgroundsängerinnen, ein Gitarrist, sowie die zwei Gastsängerinnen Malia und Fifi Rong aus der Volksrepublik China. Dazu gab es jede Menge Visuals, Zeitrafferstudien und Videosequenzen, die vor Aberwitz und Raffinesse nur so strotzten. Während die Düsseldorfer Mensch-Maschinen statische Konzerte bis zum Einrosten geben, ist Yello das genaue Gegenteil davon. Gegen Ende des Konzerts gab uns Boris Blank dann sogar noch tiefe Einblicke in sein iPhone (verkabelt an der großen Anlage und mit Live-Cam gefilmt). Als Musikinstrument diente seine selbst entwickelte App Yellofier, und gemeinsam mit Dieter Meier groovten sie ein ungeprobtes, spontanes Bostich, nachdem Boris Blank ein paar Plops und Schnalzlaute von sich gab, die er im iPhone aufnahm und daraus den Rhythmus generierte.


Yellostones

Die Band ist ein vitales Ereignis, quasi Natur. Improvisation ist für Yello kein Fremdwort und Kommunikation mit dem Publikum selbstverständlich. Ekstatische Rhythmen für die geneigten Tanzbeine. Überschwappende Emotionen. Riesenfreude, was da abging. So dermaßen sympathisch, so dermaßen freudvoll. Und dann auch noch diese Bläsersätze! Ein Yelloversum an Ideen, ein Klangkonglomerat an Spielwitz, eine Abfolge von altbekannten Yello-Meilensteinen und neuesten Spielereien. Letztere aus dem Yello Album "Toy" (Polydor/Universal, 2016) fügten sich nahtlos ins Gesamtbild ein ohne abzufallen. Lieder wie "Limbo" oder der Electronic-Country "30’000 Days" (Leonard Cohen lässt grüßen!) legen Zeugnis davon ab, interessanterweise live sogar noch mehr als auf dem Studio-Album. "Bostich", "Vicious Games", "The Race", "The Rhythm Divine" (die grandiose Malia sang die Bassey) und natürlich "Oh Yeah". Dieter Meier erklärte, wie es zu diesem minimalistischen Songtext kam: "Mir ist dazu kein Text eingefallen. Und dann sagt Blank: 'Hör mal zu, hör dir mal die Musik an. Das ist doch wie wenn du am Strand sitzt, die Sonne geht unter, du trinkst einen Cocktail und schaust auf den Horizont hinaus. Was würdest du denn da sagen?‘ Hab' ich gesagt: 'Oh Yeah!'" Ein Konzert-Highlight von 2017. Definitiv. //

Text: Manfred Horak
Foto: Simon Maurer