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hillefeld_kleinAm 4. Juli 1999 wurde in Deutschland eine eigenartige Bronzescheibe ausgegraben, danach unter mehr oder weniger mysteriösen Umständen gehandelt und verkauft, ehe der Staat sie unter seine Fittiche nahm. Seither wird die Scheibe wissenschaftlich untersucht. Die "Himmelsscheibe von Nebra" gilt als eine der bedeutendsten Entdeckungen in der Geschichte der Archäologie und ist bereits wenige Jahre nach ihrem Fund mit Mythen der sonderbarsten Art aufgeladen bis zum durchlöcherten Rand. Was es mit der Scheibe auf sich haben könnte beschreibt Marc Hillefeld in seinem Archäo-Fantasy-Roman "Herrscher der Zeit", und wie es mit der Wahrheit aussehen könnte untersuchen populärwissenschaftliche Hefte wie National Geographic und GEO.

Marc Hillefeld, studierter Ethnologe und Autor von Romanen, Sachbüchern und TV-Drehbüchern - von ihm stammt auch das Begleitbuch "Ein Code wird geknackt" zu Dan Browns Bestseller "Sakrileg" - erkor sich die Himmelsscheibe zu seinem Objekt der Fantasie und schrieb eine Geschichte wie es hätte sein können, damals, vor mehr als 3700 Jahren in Deutschland.
Es war in der Bronzezeit, als die Hauptperson des Romans, Brint, das Licht der Welt erblickte. Seine Mutter starb bei seiner Geburt und Brint erlebt eine traurige Jugend als Minenarbeiter in seinem Dorf. In der Dorfgemeinschaft ist Brint ein Ausgeschlossener, der Dorfvorsteher, im Roman als Firstmann bezeichnet, begegnet ihm auf Grund einer Prophezeiung mit Misstrauen und Angst. So wird Print immer mehr zum Einzelgänger, der nur einen Wunsch hat: Er will ein "Herrscher der Zeit" werden. Die "Herrscher der Zeit" sind eine Art Priester, die über das Wohlergehen der Dörfer wachen und Dank ihres Wissens die wahre Macht ausüben. Aber auch unter den "Herrschern der Zeit" gärt es; Machthungrige Mitglieder der Priesterkaste, die auf die Unwissenheit der Menschen setzen, kämpfen gegen jene, die ihr Wissen gerne weitergeben möchten und die weniger die Macht im Auge haben, sondern den Menschen dienen und helfen wollen.

Der Abschied


Nach einem Unfall (Mord? Selbstverteidigung?) muss Brint das Dorf bei Nacht und Nebel verlassen und er findet einen vazierenden Gaukler und Schwindler, dem er sich als Schüler anschließt. Gemeinsam erleben sie die seltsamsten Abenteuer, treffen auf Menschenfresser, betrügen einfältige Dörfler und schaffen es doch immer irgendwie zu überleben. In einem der Dörfer, die ihnen Aufenthalt gewähren, hat Brint sein erstes Treffen mit dem anderen Geschlecht und zeugt dabei eine Tochter (die angeblich noch großartiges vollbringen wird, aber im weiteren Verlauf der Geschichte nicht mehr erwähnt wird. Fortsetzung a la "Brints Tochter" droht!).

Verlassen

Schmählich lässt der Meister seinen Adepten im Stich und Brint schlägt sich, unter anderem als Bärenmensch, ab nun allein durch. Die bösen "Herrscher der Zeit" planen - richtig! - Böses, Brint hingegen ist ein durch und durch guter Mensch. Er kommt in ein Dorf, wird aufgenommen und in einem heroischen Akt rettet er das Dorf und damit die ganze Gesellschaft der Bronzezeit, in dem er allen die Himmelsscheibe von Nebra zur Verfügung stellt. Ab sofort können die Dörfler selbst die Zeit der Aussaat und der Ernte festlegen und sind nicht mehr auf die "Herrscher der Zeit" angewiesen.
Das Buch wäre eine gute Sommerlektüre gewesen (was halt fehlte waren Sommertage), ist aber auch für den Winter bestens geeignet, da es sich bei "Herrscher der Zeit" um leichte, anspruchslose Lesekost handelt, die für Kurzweil sorgt.

Die Fakten

Wer an der Wahrheit interessiert ist sollte sich den sehr genau recherchierten Artikel in der Ausgabe Juni 2005 des Magazins GEO zu Gemüte führen (bzw. versuchen die deutsche Ausgabe Januar 2004 von National Geographic nachträglich zu bekommen). Fantasie ist hier nicht gefragt, hier geht es um Fakten und Zahlen und in dieser "Himmelsscheibe" stecken noch viele Geheimnisse. Gefunden wurde sie von halbkriminellen Hobbygräbern die von Archäologie meilenweit entfernt sind und die bis heute den genauen Fundort und die Umstände ihres Fundes nicht bekannt gegeben haben und mehrere Varianten auftischen.
Auch was das Alter und den Zweck der Scheibe anbelangt sind sich die Wissenschaftler uneins. Die Darstellungen in beiden Fachmagazinen lesen sich wesentlich spannender als der Roman und können dennoch doch auch keine endgültige Erklärung für die Himmelsscheibe herbeiführen. (akro)

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Heyne, 2005
576 Seiten, TB
ISBN 3-453-40041-0

Link-Tipp:
Die Himmelsscheibe von Nebra in Wien

Weitere Literaturtipps zum Thema:


GEO
Das neue Bild der Erde
Ausgabe Juni 2005

Ohne Wertung
190 Seiten, Euro 6,50

National Geographic
Deutsche Ausgabe Januar 2004
Das Geheimnis von Nebra

Euro 4,50