Weihnachtsbaum und Klimabilanz Weihnachtsbaumwald VNWB

Weihnachtsbaumkulturen als wertvoller Lebensraum für Brutvögel und Insekten und wie der Weihnachtsbaum auch nach der Wohnzimmer-Karriere noch Gutes bewirkt.

Weihnachtsbaum und Klimabilanz

Seit um 1830 herum die ersten Christbaumkugeln geblasen und Bücher mit entsprechenden Bastelanleitungen und Dekorationsvorschlägen populär wurden, gibt es Weihnachtsbaumtrends. Diese Trends drehen sich allerdings nicht immer um die Behängung eines Weihnachtsbaums, sondern können neben der Frage nach der Baumart - z.B. Tanne oder Fichte - auch existenzielle Fragen aufwerfen, wie "Lebender Baum, abgesägter Baum oder Plastikbaum". Nicht nur letztgenannte müssen sich dabei die Frage nach der Umweltverträglichkeit stellen.

Weihnachtsbaum und Klimabilanz Abbildung VNWB 2023Eine aktuelle Studie in Deutschland zum Kaufverhalten von Weihnachtsbäumen zeigt, dass vor allem der ältere Teil der Bevölkerung häufiger einen Plastikbaum wählt - mutmaßlich aus Gründen der Bequemlichkeit. Gerade im Billigsegment gehören die unechten Bäume zu den Wegwerfprodukten mit kurzer Nutzungsdauer von wenigen Jahren. Das wirft eine Reihe von Problemen auf, Stichwort recyclingfähiger Plastikmüll. Weihnachtsbäume aus Plastik bestehen aus Verbundstoffen, die sich nicht wirtschaftlich in ihre Komponenten trennen lassen. Naturbäume können hingegen problemlos kompostiert, energetisch verwendet oder zum Heimwerken und Basteln genutzt werden. Auch hinsichtlich des Klimas sind echte Weihnachtsbäume klar im Vorteil, da sie CO2-neutral wachsen.

Der Plastikbaum: Lange Transportwege ...

Bei künstlich erzeugten Bäumen wird bei der Produktion, dem weiten Transport aus fernen Ländern und der Verbrennung, CO2 ausgestoßen. Während die Transportwege im steirischen Schnitt zwischen Christbaumkultur und Wohnzimmer bei sehr kurzen 6,5 Kilometer liegen, ist das überm großen Teich anders. In den USA legt ein Weihnachtsbaum vom Anbaugebiet bis zum Eigenheim rund 200 Meilen zurück. Das entspricht rund 320 Kilometern, also in etwa der Strecke Wien-Klagenfurt. Und dennoch ein Klacks im Vergleich zu Plastikbäumen aus Asien. Diese legen die 40-fache Strecke zurück, weshalb die Emissionen für den Transport ebenfalls um ein Vielfaches höher ausfallen.

... und besorgniserregende Stoffe

Was allerdings noch viel schwerwiegender ist: Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat 2019 bei verschiedenen österreichischen und deutschen Händlern stichprobenartig künstliche Weihnachtsbäume untersucht. Das Ergebnis: In über der Hälfte der Bäume wurden "besonders besorgniserregende Stoffe" nachgewiesen. Sie können krebserregend, fortpflanzungsschädigend, erbgutverändernd, hormonell wirksam sein oder sich langfristig im Gewebe ansammeln, bis sie eine giftige Dosis erreichen. Zudem stellen Mikro- und Nanoplastik eine tickende Zeitbombe dar. Studien belegen, dass die Partikel das Herzgewebe und das Gehirn erreichen können. Benedikt Schneebecke, Vorsitzender des "Verbands natürlicher Weihnachtsbaum“, meint: "Würde man den Kunden erst unsere Weihnachtsbaumkultur in der Natur mit all ihren Vögeln und Insekten zeigen und im Anschluss die vom Smog umhüllte Produktionsstätte in China samt des vernachlässigten Umwelt- und Arbeitsschutzes, würde vermutlich niemand mehr zum Plastikbaum greifen.“

Biodiversitätsstrategie 2030

Der echte Weihnachtsbaum, also der aus Holz und Nadeln, ist im Gegensatz zum Plastikbaum ein wertvolles Naturprodukt und vielseitig verwertbar. Zehn bis 14 Jahre Pflegearbeit verlangt ein Weihnachtsbaum, bis er vom kleinen Pflänzchen zum stattlichen Zwei-Meter-Baum heranwachsen kann. Während seines Wachstums in der Natur bietet er laut einer Analyse der Universität Osnabrück einen Rückzugsort für teils selten gewordene Vogelarten wie Rebhuhn, Heidelerche, Baumpieper oder Goldammer sowie Bienen, Hummeln, Schmetterlings- und Käferarten sowie andere Insekten, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Damit unterstützen die vielen regionalen Familienbetriebe zusätzlich die Bemühungen der EU, die mit der Biodiversitätsstrategie 2030 mehr Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen lassen will. Durch professionelle Korrekturschnitte werden sie zudem in eine schöne, regelmäßige Form gebracht. Geerntet werden die ausgewählten Bäume schließlich in der richtigen Mondphase, sodass die Nadeln duftend frisch und lange haltbar bleiben. Diese Methode des Hegen und Pflegen führt in der Steiermark dazu, dass "knapp 60 Prozent der Steirerinnen ihren Christbaum direkt beim Bauern am Christbaumstand oder am Bauernhof kaufen", wie Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher kürzlich stolz verkünden konnte. "Ein Hektar Christbaumkultur", so Titschenbacher weiter, "nimmt während des zehnjährigen Heranwachsens 143 Tonnen klimaschädliches C02 auf, was den C02-Ausstoß von 100.000 gefahrenen Autokilometern entspricht."

Frisch duftende Eleganz, ein Weihnachtsbaum mit Glanz

Weihnachtsbaum und Klimabilanz Foto: VNWBVon der Landwirtschaftskammer Steiermark wurde übrigens auch der Trendbaum 2023 beschrieben: Ein Baum von eleganter Schönheit mit satt-grünen, frisch duftenden Nadeln. Kleinere und schlankere Bäume sind also im Trend und das liest sich jetzt schon fast wie ein Trend, wie Models zu sein haben: Schlank. Im Gegensatz zu manch Menschen bleibt der trendige Weihnachtsbaum auch nach seiner Wohnzimmerkarriere schlank und ist zudem bereit für eine nachhaltige Nutzung, denn ist die Weihnachtszeit vorbei, stellt sich unweigerlich die Frage nach einer sinnvollen Verwertung des Weihnachtsbaums. In einer Großstadt wie Wien ist die naheliegende Form der Verwertung natürlich die von der MA 48 bereit gestellten Sammelstellen für Christbäume in ganz Wien. Auf diesem Weg finden die Bäume einen zweiten Verwendungszweck, sei es als Strom und Wärme oder als Festmahl für Ziegen. Überhaupt sind die Bäume für manche Tiere wegen des süßen Harzes ein echter Leckerbissen. Nicht nur Ziegen, sondern auch Schafe und sogar Elefanten knabbern gerne an den Bäumen herum.

Weihnachtsbaum nach dem Fest

Sorgfältig von Baumschmuck befreit, eignen sich ehemalige Weihnachtsbäume also als Snack für so manchen Vierbeiner, und auch manche Angelvereine verwenden die umgekehrten Bäume kreativ als Brutstätte für Fische. Personen, die einen Garten ihr eigen nennen können, lassen durch eine anschließende Kompostierung der Bäume neue, fruchtbare Erde entstehen oder sie mulchen mit den geschredderten Ästen des ehemaligen Christbaums wiederum die Erde unter Hecken und nutzen den entasteten Stamm im Frühjahr als Rank- und Kletterhilfe. Nicht zuletzt sind dem kreativen Upcycling so gut wie keine Grenzen gesetzt. Wer handwerklich begabt ist, kann den Stamm zum Heimwerken und Basteln nutzen, um daraus einen Küchenquirl, Kleiderhaken oder Schmuckständer herzustellen. Was auch immer also mit dem Weihnachtsbaum nach dem Fest passiert, als ökologischer Roh-, Werk- und Brennstoff bleibt der Baum weiterhin nützlich. 

Text: Manfred Horak
Fotos und Abbildungen: VNWB / Verband natürlicher Weihnachtsbaum

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