Hochalpine Steinzeitrekonstruktion fürs Popcorn-Kino. Jürgen Vogel mimt den Ötzi, die älteste, bekannteste und möglicherweise auch beliebteste Gletschermumie der Welt.

Die Kamera schwenkt langsam über die saftig grünen Baumwipfel der Südtiroler Wälder. Ein idyllisches Dorf aus einfachen Holzhütten liegt im Schutz des Berges. Ihre Bewohner sprechen eine frühe rätische Sprache, die bewusst - so lautet es im Vorspann - vom Zuschauer nicht verstanden wird. Die Hauptfigur Kelab, gespielt von Jürgen Vogel, lebt hier mit Frau und Sohn, bevor der brutale Angriff drei fremder Männer, seine Familie auslöscht. Kelab begibt sich auf der Suche nach Rache, auf eine lange Reise, die ihn nur in den Tod führen kann.

Die letzten Tage des Ötzi

Wer schon mal Ferien im schönen Bozen (Südtirol) gemacht hat, kam nicht an einem Besuch im Südtiroler Archäologiemuseum vorbei. Die älteste Gletschermumie, der "Mann vom Tisenjoch", getauft auf den Namen Ötzi, wurde am 23.9.1991 in den Ötztaler Alpen geborgen und liegt seit März 1998 im erwähnten Museum, von den Massen bestaunt. Ebenfalls für Massenansturm sorgen soll der Kinofilm “Der Mann aus dem Eis“, der ab 7. Dezember 2017 in den österreichischen Kinos zu sehen ist. Felix Randau zeigt die letzten Tage jenes Mannes, der vor ca. 5250 Jahren sein Leben in den Ötztaler Alpen ließ - zumindest so, wie es sich der Regisseur und Drehbuchautor vorstellt.

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Atemberaubende Bilder aber nicht viel dahinter

Kameramann Jakub Bejnarowicz zeigt majestätische Luftaufnahmen des rauen Gebirges, die nur zu gut erahnen lassen, wie hart und beschwerlich das Leben vor Beginn der Zivilisation in diesen Höhen gewesen sein muss. Der zu Zeiten der Jungsteinzeit spielende Film begleitet den von Hass getriebenen Kelab, auf einer nicht enden wollenden Suche nach Vergeltung - die leider außer ihren atemberaubenden Landschaftsaufnahmen nicht viel bietet.

Eine Reise ohne Ziel

Randaus Film setzt auf Stille, große Bilder, eine Menge Kunstblut und Gewalt. Fans der Erfolgsserie „Game Of Thrones“ werden sich an ihre Heldenfiguren aus dem Norden erinnert fühlen, wenn Randaus Darsteller sich auf Tierfellen lieben und dem Feind die Augäpfel zerquetscht werden. Die Rolle des Kaleb, der seine Liebsten rächen will, um seinen inneren Frieden zu finden und dabei minutenlang durch Schnee und felsiges Gebirge wandert, ähnelt sehr dem Schicksal der Hauptfigur in dem Historien-Western “The Revenant“. Auch Leonardo DiCaprio, der für die schweigsame Hauptrolle den Oscar gewann, muss zum Ende des Films feststellen, dass Rache die Toten nicht zurückbringen wird.

Wenig Worte zum guten Spiel

Auch wenn die Handlung von “Der Mann aus dem Eis“ keine großen Überraschungen birgt und die Geschichte von Ötzi weder zu Tränen rührt noch Herzen schmelzen lässt, sorgt der sonst so laute Komiker Jürgen Vogel für Unerwartetes: Er spielt die Rolle des nachdenklichen Reisenden nicht nur sehr überzeugend - er schweigt dabei auch noch fast so schön wie Leo. //

Text: Kim Höbel
Fotos: © Port au Prince Pictures, Martin Rattini

Der Mann aus dem Eis

Bewertung: @@
Kinostart: 7.12.2017
Abenteuerfilm, 96min (Deutschland, Italien, Österreich 2017)

Verleih: Filmladen Filmverleih
Regie & Drehbuch: Felix Randau

Kamera: Jakub Bejnarowicz

Musik: Beat Solèr
Ton: Marc Parisotto

Szenenbild:  Juliane Friedrich
Kostüm: Cinzia Cioffi

Darsteller: Jürgen Vogel, Susanne Wuest, André M. Hennicke, Violetta Schurawlow, Axel Stein, Sabin Tambrea, Martin Augustin Schneider