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Wenn Bäche der Liebe fließen, oder: Was aus Joseph Conrads „Die Rückkehr“ wurde. Von Anna Gromova.
 

„Wenn Bäche der Liebe fließen“ wird am letzten Abend gesungen. Auf russisch. Ohne Übersetzung. In einem französischen Salon des 19. Jahrhunderts.
Der Film beginnt mit einer Schwarzweisseinstellung. Man wird von dem Gefühl ergriffen, einen alten Film zu sehen. Ein Meer schwarzer Hüte am Bahnhof, dunkle Mäntel, edle Gesichter. Eine Männerstimme, die uns eine Geschichte erzählt.

Im letzen Jahrhundert

gabrielle_plakatJean Hervey, dargestellt von Pascal Greggory, ist ein wohlhabender Mann. Er lebt in jener Welt, wo er jeden Donnerstag die Gesellschaft zu sich einlädt – egal, ob ihm diese Menschen gefallen oder nicht – und wo er selbst mit seiner Frau von zahlreichen Freunden ständig eingeladen wird.
Die Geschichte hat vor fast hundert Jahren stattgefunden. Sie gewährt Einsicht in ein paar Tage des Alltagslebens eines reichen Ehepaares. Die Bildsprache und die Lebensart, die dem Zuschauer gezeigt werden, verblüffen manchmal in ihrem Anachronismus, und manchmal gelingt es dem Regisseur Ebenen der Gefühlswelt zu zeichnen, die in einem Film, mit zeitgenössischer Handlung, nicht möglich wären.

10 Jahre versus 3,5 Stunden

Sie verfasst einen Brief und verlässt das Haus – für immer vielleicht. Warum? Wofür? Für eine Leidenschaft? Oder aus Liebe? Er liest den Brief. Sie kommt zurück. Sie war nur für kurze Zeit weg. Er verzeiht ihr. Sie will nicht, dass ihr verziehen wird. Zehn Jahre gemeinsames Lebens haben sie hinter sich. Viel Wärme ist in der Beziehung nicht übriggeblieben, obwohl das Verlangen von beiden Seiten enorm ist.
gabrielle1Double Switch

Patrice Chéreau, der als Schauspieler im vorletzten Film von Michael Haneke “Le Temps du loup“(Wolfzeit) aus dem Jahr 2003 agierte, würde gerne den ganzen Film Schwarz-Weiß drehen. Zu sehen ist der Übergang von Grautönen zu Farbe, wodurch das Handeln der Akteure unterschiedlich akzentuiert wird. Zuerst wird das Geschehen aus der Sicht des Mannes, dann aus der Sicht der Frau – Isabelle Huppert, die die verstörte Gabrielle Hervey gibt, erzählt.

Die Rückkehr

gabrielle2Der Film, der auf der Kurzgeschichte „Die Rückkehr“ von Joseph Conrad basiert, wird von zwei Ausnahmeschauspielern getragen, dessen Können dem Regisseur bewusst war, denn er hat mit ihnen schon früher gearbeitet. Sein Ziel war es, neue Facetten dieser so bekannten Künstler zu entdecken und im Film festzuhalten.
Normalerweise sagt man, die Filmmusik sei gut, wenn man sie nicht hört – wenn sie im Hintergrund bleibt. Die Musik von Fabio Vacchi ist schneidend wie ein Messer und spiegelt damit am Besten die Stimmung, die sich momentan auf der Leinwand abspielt. (Anna Gromova)

(Im Verleih von Concorde Film.)