partyparty-2010Das 3raum-Anatomietheater drohte aus allen Nähten zu platzen. Leider nur drei Abende lang war dort "Party Party!" zu sehen, ein Projekt, das Regisseur, Schauspieler und Musiker Hakon Hirzenberger mit dem zweiten Jahrgang der Schauspielschule Elfriede Ott durch Interviews und Improvisationen erarbeitete und zu einem Theaterstück verarbeitete.

Geschickt präsentiert er in der ersten Szene, einer Art Castingshow, die sechzehn Charaktere die sich selbst spielen. Rasant geht es weiter zu einer exzessiven (Drogen-)Party an deren Ende Florian Drexler (der noch dazu virtuos Saxophon spielt) am Konsum des "Manitu", mit dem er von Johannes Huber versorgt wird, stirbt. Diese Szene wiederholt sich an diesem Abend mehrmals und wird zum Ausgang von Rückblenden. Ereignissen aus dem Leben der jungen Menschen, die alle den Traum, Schauspieler zu werden, realisieren wollen (oft ganz schön selbstironisch) und sich durch Erfahrungen selbst kennen lernen.

Schrille Massenszenen und stille Momente

Durch einen stringenten, aber niemals aufdringlichen Sound- und Liederteppich (sogar Schuberts Kuppelwieser Walzer, die Kennmelodie des Stegreifspiels "Die Liebe Familie", in der die Größen der "Josefstadt" zu sehen waren), den Hirzenberger selbst am DJ-Pult kredenzt, werden die Szenen verbunden, in denen die jungen Akteure auch noch Monologe aus Stücken von Goldoni bis Marivaux zum Besten geben. Hirzenberger beweist einmal mehr sein Gespür für den richtigen Rhythmus. Für schrille, ideenreiche Massenszenen ist ebenso Platz, wie für stille Momente. Aufgesetzt wirkt das in keiner Sekunde, vielmehr sind die Figuren gerade durch die Monologe (sogar Kierkegaard) gekonnt charakterisiert. Ob nun Helene Sust, die als Freundin Florians um ihn trauert oder ihre Freundin Nina Neumann, die einen One-Night-Stand mit Florian aus Rücksicht zu ihrer Freundin verschweigt. Auch sexuell probieren sich die jungen angehenden Schauspieler aus. Manuel Bräuer gibt sich als Casanova, der nichts anbrennen lässt, im gleichgeschlechtlichen Beziehungsgeflecht wird Sabrina Happel von Petra Böhm (die auch famos singt) und Isabella Lukas hintergangen. Alexander Bräuer nimmt es mit Treue ebenfalls nicht so genau, seine Irene (Höllwerth) wartet vergebens auf ihn, während er mit Teresa Kuna "an einer Szene arbeitet".

Denn das Schiff sinkt ja sowieso

Die gesamte Inszenierung lotet die Grenzen zwischen Gruppenzwang und Individualität virtuos aus. Gerade, alles was nicht gesagt wird, regt zum Denken an. Ein scheinbarer Klassenclown (Paul Hötzendorfer) lässt uns ebenso an seinem Inneren teilhaben, wie Camilla Schwab, die via Internet auf der Suche nach einem Partner ist. Tabulos und offen auch eine Szene, in der sich die Akteurinnen über sexuelle Spielarten austauschen. Warum auch nicht? Die Titanic sinkt sowieso und in diesem Wissen gibt es auch nichts mehr zurückzuhalten. Ein gelungener und spannender Abend, für den Hirzenberger und sein überzeugend agierendes Team verantwortlich zeichnen. Ein Wermutstropfen: leider war es nur dreimal zu sehen. Im Programmheft heißt es, does anybody want this glorious shit? Ja, bitte! (Text: Marius Schiener; Foto: NINC)

Kurz-Infos:
Party Party! Der Traum vom Glück oder Hüte dich vor Manitu
Bewertung: @@@@@
Regie: Hakon Hirzenberger
Projekt mit Studenten des Elfriede-Ott-Studios
Die Kritik zur Aufführung am 14. Mai 2010 im 3raum-Anatomietheater