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lbl-logo-2013"Freiheit ist ein Paradies" heißt die CD des Monats und kommt von der wunderbar couragierten und musikalisch exzellenten Band Strom & Wasser feat. The Refugees rund um Mastermind Heinz Ratz. In der Liederwertung selbst hat sich nicht allzu viel getan, mit Axel Prahl & Das Inselorchester (Prahl kennt man ja auch als Tatort-Kommissar), sowie mit Dota (die Kleingeldprinzessin) gibt es gerade mal zwei Neueinstiege.

Die Top 10 November 2013

1. (3.)       Maike Rosa Vogel: So Leute wie ich                 
                 aus: Fünf Minuten (Label: Our Choice)

2. (3.)      Johan Meijer: Sterben für Ideen
                aus: Zeitenwechsel (Label: Nederossi)

2. (5.)       Ringsgwandl: Mehr Glanz!                                 
                 aus: Mehr Glanz! (Label: Blankomusik)
                 Konzertkritik

4. (8.)      Dave de Bourg: Die Hymne des Unperfektseins
                aus: Wo du mich findest (Label: Mottow Soundz)

5. (NEU)   Axel Prahl & Das Inselorchester: Zu alt
                aus: Axel Prahl & Das Inselorchester Live (Label: Buschfunk)

6. (2.)       Barth/Roemer: Mit im Tritt                                  
                aus: Groove Chanson (Label: Hey!Blau Records)

7. (4.)       Reinhard Mey: Dann mach's gut
                 aus: Dann mach's gut (Label: Odeon)

8. (6.)       Tempi Passati: Politiker Polka
                 aus: Ein Sommer geht langsam vorüber (Label: Tury Records)

9. (10.)     Christof Weiherer: Andersrum
                 aus: A Liad, a Freiheit und a Watschn (Label: BSC Music)

10. (NEU)  Dota: Stadt am Meer
                 aus: Wo soll ich suchen (Label: Kleingeldprinzessin Records)

Die CD des Monats November 2013

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Strom & Wasser feat. The Refugees: Freiheit ist ein Paradies
Label: Traumton

Heinz Ratz von Strom & Wasser über das neue Album: "Was Kunst politisch bewirken kann - das haben wir mit diesem Projekt erreicht. Wir haben vor weit über hunderttausend Zuschauer auf den Konzerten gespielt, wir konnten Millionen über Rundfunk und Fernsehen auf die verzweifelte Situation von Flüchtlingen in Deutschland und Europa aufmerksam machen. Wir haben Menschen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben, eine Bühne gegeben. Eine Pflanze, die im trostlosen Abseits wurzelte, die kaum Wachstumschancen hatte - hat es zu einer schönen, farbenprächtigen Blüte geschafft. Mehr ist nicht möglich. Jede Steigerung ist nur in kommerziellen Bahnen denkbar. [...] Aber Strom & Wasser ist nicht auf den Karrierestraßen unterwegs, sondern dort zu Hause, wo man die Menschen und Missstände vergisst. Und das ist nicht nur in Flüchtlingslagern der Fall."
GANZER TEXT

Die persönliche Lied-Empfehlung

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Axel Prahl & das Inselorchester: Zu alt
aus: Axel Prahl & das Inselorchester Live
Label: Buschfunk
Empfohlen von: Steffen Kolodziej, Saarbrücken

[...] Das Lied ist ein Klagegesang von einem, der sich zu alt fühlt fürs Showgeschäft, fürs große Geld, für Sex vor der Kamera im Keller; zu alt, neu anzufangen und auch zu alt, um noch erwachsen zu werden. Zu alt eigentlich für alles, was diese moderne Welt ausmacht, außer vielleicht dafür, dass man ihm über die Straße hilft. Das gibt ein Lebensgefühl wieder, das jeden treffen kann – unabhängig von der Zahl der Lebensjahre. Das Gefühl, nicht mehr mithalten zu können oder zu wollen in diesem Rattenrennen, das uns täglich umgibt und das ganz besonders in der Show-, Musik- und Medienszene immer absurdere Umdrehungszahlen erreicht. [...]
GESAMTER TEXT

Die persönliche CD-Empfehlung

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Roger Stein: Lieder ohne mich
Label: Sturm & Klang
Empfohlen von: Hans Jacobshagen, Köln

[...] Modern ist, dass sich Stein verschiedener verfügbarer Formen bedient, sowohl textlich als auch musikalisch, und insofern die Pfade des klassischen Chansons verlässt. Mit den swingenden Beats in "Klassentreffen" verabschiedet er sich von einer Person, die mal eine Wahnsinnsbraut war und durch Kompromisse und Verzicht, die das Leben gefordert hat, sich auf für den Betrachter tragische Weise verändert hat. "Heimweh nach woanders" ist ein sehnsuchtsvolles Poem über die rastlose Suche nach dem irgendwas und irgendwo, getragen von leiser Melancholie. Roger Steins Dichtung beschreibt das Suchen des Menschen nach Sinn und Inhalt. Aus diesem Gedanken erschließt sich auch das Kernstück des Albums - ich empfinde es jedenfalls als ein solches: Es ist die Biografie eines erwachsenen Mannes - nennen wir in Roger - der in der Geschichte seiner Ahnen seinen Platz in der Welt zu bestimmen sucht, der in der systemischen Wahrnehmung der Vergangenheit und seiner Vorfahren sein eigenes Sein erkennt. Musikalisch werden alpine Klänge angedeutet, der Text darüber ist eine Art Rap, ein verdichteter Sprechgesang, in dem die Familiengeschichte über mehrere Generationen beschrieben wird. Der Bub, der am Ende der Geschichte steht, ist sehr alleingelassen mit seinem Leben und wird sich auf die Suche begeben müssen. Roger Stein schreibt über die Liebe: "du bist der Grund für meinen Realitätsverlust". Über Alfred, der einen Mann lieben lernt, aber es nicht schafft, für diese Liebe seine Familie zu verlassen. Oder über "Liebesbriefe ohne Namen", "denn ich weiß ja nicht einmal, ob es dich gibt". Oder über die Peinlichkeit, Sehnsucht zu äußern. Und so ziehen sich tief empfundene Zweifel durch alle Lieder. Wie ist das Mensch-Sein lebenswert?: "Seien wir mal einfach ehrlich/wozu sich auch genieren?/Und solang das Glas nicht leer ist/gibt's kein'n Grund zu rebellieren!/Seien wir einfach einmal ehrlich/ganz aufrichtig und wahr/Ich verlieb mich und vermehr mich/und zeug ein neues Mängelexemplar." Und so geht das Leben weiter... "Lieder ohne mich" sind Lieder voller Melancholie und Hoffnung - mit Roger Stein. GANZER TEXT