mit den Schlagworten:

vocelka_karl_oesterreichische_geschichte„Lernen S' a bisserl Geschichte, Herr Redakteur!“, dröhnte dereinst Dr. Bruno Kreisky (*), und für all jene, die eben gerne über die Geschichte Österreichs etwas dazulernen wollen, empfehle ich das Büchlein aus der C.H.Beck „Wissen“-Serie.

Der Autor, Karl Vocelka, begibt sich dabei auf die gründliche, wenn auch stark komprimierte, Spurensuche vom Frühmittelalter bis zu aktuellen Entwicklungen der Gegenwart Österreich betreffend. Aufstieg, Glanz und Untergang des Habsburgerreichs werden ebenso beschrieben wie die Rolle Österreichs während des Nationalsozialismus und die Geschichte des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. Dass er dabei mit 124 Seiten im Kleinstformat auskommt ist bewundernswert, umso mehr weil dem Autor in dieser Kurzfassung mehr Information und Inhalt reinpacken konnte wie so manch einer, der dazu mehrere Bände an Seitenmaterial benötigte über die Geschichte Österreichs zu schreiben. Hervorzuheben sind speziell die Kapitel „Die Kräfte des Zerfalls“ (1848 bis 1918) und die darauf folgenden Kapitel „Erste Republik“, „Nationalsozialismus“ und „Die Zweite Republik“.

So schreibt Vocelka z.B. über Karl Lueger, den Wiener Bürgermeister der Jahrhundertwende, und dessen „Lösung für soziale Probleme“, die Einfallstore für antisemitische Propaganda weit aufstießen: „Die in Österreich häufig vertretene These, dieser christlichsoziale Antisemitismus sei harmlos, muss entschieden zurückgewiesen werden. Erstens gibt es keinen „guten“ Antisemitismus, und zweitens ist die Trennung zwischen dem christlichsozialen, religiös motivierten und dem deutschnationalen, rassistischen Antisemitismus bei genauem Hinsehen nicht aufrechtzuerhalten, da sich die beiden Formen stets mischen.“

Der Professor für Österreichische Geschichte an der Universität Wien erinnert in dem Geschichtsüberblick an die Meilensteine, an die Irrwege, an das Dunkle und an das Würdigungswerte und zeigt anschaulich und kritisch den bisher begangenen Weg „einer der“, wie es im Klappentext heißt, „ältesten und bedeutendsten Kulturnationen Mitteleuropas“. (Manfred Horak)

(*) Mit der Aufforderung "Lernen S' a bisserl Geschichte, Herr Redakteur!" maßregelte Bruno Kreisky den ORF-Journalisten Ulrich Brunner am 24.2.1981 vor laufender Kamera. Das Pressefoyer nach dem wöchentlichen Ministerrat zum Thema AKH-Untersuchungsausschuss wurde am selben Abend in den Abendnachrichten "Zeit im Bild" gesendet. 

@@@@@@
Beck'sche Reihe Wissen
128 Seiten
Paperback
ISBN 3-406-50869-3