Mit Moskauer Hunde gastierte Max Uthoff im Stadtsaal Wien. Er warnte, es werde kein schöner Abend und bescherte genau einen solchen für Herz, Hirn und Rückgrat.

Max Uthoff, auch bekannt aus der ZDF Sendung Die Anstalt, denkt in großen Zusammenhängen. Der erste Zusammenhang, ist der zwischen dem Spielort Wien und der. Bundesregierung. Bei aller Tragik erntete Uthoff schallendes Gelächter, als er meinte, vor ca. 20 Jahren wären Figuren wie Gudenus oder Strache bloß mit protziger Uhr im Sportwagen oder als schleimiger Verkäufer des Sportwagens durchgegangen. Lächerlich und absolut undenkbar, dass solche Subjekte wo anders als in der Unterwelt Karriere machen könnten...

Supermarktregale voll von Katzenfutter und Margaret Thatcher.
Bissige Hunde und die Allmacht des unendlichen Wirtschaftswachstums.
Weltverbesser/innen und die Einzementierung von untragbaren Zuständen.
Nein, Hunger ist kein Schicksal und das ist alles kein Zufall.

Mit denktechnisch chirurgischer Präzision entlarvt Uthoff auf brillante Weise die ungeheuerlichen Masken der heutigen Welt und Weltpolitik und zeigt klar, dass der schöne Schein nur schön scheint. Konsum als einzig heilbringende Beschäftigung, Reflexion als verstaubter Reflex von altmodischen Fossilien und die Perfidie der Argumente gegen ausgegrenzte Menschen. Ist das wirklich unsere Welt? Ja, aber der großartige Kabarettist und Satiriker Max Uthoff, zeigt eine andere Welt. Die Welt, die nicht nur möglich, sondern auch nötig ist. Die titelgebenden Moskauer Straßenhunde, die sich in der Moskauer Metro selbstorganisiert fortbewegen, selbst wissen, wann sie wo aussteigen müssen, um zu Futter zu gelangen und friedlichen Widerstand leisten, haben schon sehr viel verstanden. Sie haben einfach aufgehört, wenn der Mensch kommt, mit dem Schwanz zu wedeln. Leere Worte gibt es bei ihm nicht, weder auf, noch abseits der Bühne. So wird unter dem Titel Uthoff für alle allen, die sich die Karten nicht leisten können, aber z.B. einen Teil ohne Probleme bezahlen könnten, die Differenz des Betrags überwiesen. Vom Reden ins Tun kommen. Diesen Wunsch verspürt man sofort, wenn man den Saal verlässt. Ein Abend der Mut macht, der Realität optimistisch ins Auge zu sehen und totalitärer humanistisch zu sein. //

Text: Nadia Baha
Fotos: Michel Neumeister

Kritik zur Wien-Premiere am 1.2.2019 im
Stadtsaal Wien