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dudesii-02Die lähmende Mittelmäßigkeit der bei den Wiener Festwochen 2010 gezeigten Produktionen stimmt nachdenklich. Höchste Zeit über eine in jeder Hinsicht beglückende Performance zu berichten, die nachhaltig in Erinnerung geblieben ist: "Dudes II - Dudes go camping" von und mit Luke Baio und Dominik Grünbühel, gesehen im WUK.




The Dudes sind zwei äußerst sympathische Kerle. Immer locker in der Hüfte, tragen sie Brillen, Hüte und Masken, die Schaufensterpuppen ähneln. Schaufensterpuppen, denen ein Aggregat in den Bauch eingebaut wurde, das Stromstöße in ihre Extremitäten sendet. Aus der Abteilung für dudesii-01Hawaiihemden sind sie jetzt ausgebrochen und haben sich ein entspanntes Wochenende in der Natur gegönnt, so genannte outdoor recreational activity. Über einen verschlungen ausgelegten roten Teppich schritt man zum gemeinsamen Ferienfilm-Schauen.

Surround View an der Bar

Man lehnt gemütlich an der Bar, wo mitten im Vorführraum nicht nur geraucht werden darf, sondern sogar geraucht werden sollte! Dazu tönt entspannte Gute-Laune-Musik aus den Boxen bis Luke Baio und Dominik Grünbühel aka "the Dudes" von drei riesigen Bodyguards - den "Three Germans" - begleitet den Saal betreten. Sie bahnen sich ihren Weg durch die Menge, stellen eine Leinwand auf. Das Bild bewegt sich, das Auto darin auch und die Leinwand wird hinterhergetragen. Surround View an der WUK Bar. Wie im Heimatfilm kurven die Dudes durchs Land. Das 1 ½ Mann-Zelt haben sie schon aufgestellt auf dem Autodach dabei. Ein Halt, der Motor raucht, in die Luft fliegt zum Glück nichts. Während sich die beiden vor Angst in den Boden drücken, dudesii-04taucht der Ötzi auf und mopst sich ein Bier. Weiterfahrt ist nicht möglich, weiterschieben - wozu? Ein kleiner Schubs mit den Krücken genügt und das Gepäck lädt sich von selbst ab. Ist doch schön da, wo sie gerade sind und mit einem großen Lehnsessel ist es auch bequem. Die Gitarre wird als Lagerfeuer verheizt, die Ukulelen gezupft. Gute Kumpels, die sie nun einmal sind, teilen sie sich eine Tasse und machen in den zwei Scherben Tee. Am nächsten Morgen, machen sie sich auf, die Gegend zu erkunden und verlaufen sich prompt.

Irgendwann fügt sich alles ganz selbstverständlich in ein Happy End

Die Filmszenen werden live nach Kräften unterstützt. Dazu kidnappen die "Three Germans" einen Schlagzeuger (feinfühlig: Mathias Koch), der fortan das Tempo geben muss. Immer eiliger bewegen sich die Dudes in ihrem eigenwilligen, schlacksigen und zugleich elektrischen Stil durch die Szenerie. Dazu lässt der portugiesische Ninja (Raul Maja) die Puppen tanzen. Luke Baio steigert sich in eine wilde Stepnummer hinein und wird dabei von einer ganzen Puppengruppe unterstützt. Dominik Grünbühel schwingt sich auf Krücken, die dudesii-05nach einer Fersenverletzung als Accessoire  geblieben sind, dahin. Während der Ötzi suchend durch den Wald hirscht, tanzen die Dudes über die rundum aufgestellten Bühnen und Laufbänder. Irgendwann fügt sich alles ganz selbstverständlich in ein Happy End. Gleichermaßen Tänzer wie Musiker, greifen Luke Baio zu E-Gitarre, Dominik Grünbühel zu E-Bass, Raul Maia zum Mikrofon und bilden mit Mathias Koch eine Band, ohne dabei aus ihren Rollen zu fallen. Frei nach "Rawhide" von Frankie Lane ergänzen die "Three Germans" das große Finale mit einer Blues-Brothers-mäßigen Choreografie. Nach dem Debüt der Dudes beim Festival Crossbreeds 2009 ist Luke Baio und Dominik Grühnbühel mit "Dudes go camping" eine rundum erfreuliche zweite Folge gelungen. Sie präsentieren ihre Mischung von Musik, Visuals, Action, Show mit einer Leichtigkeit, als hätten Sie nie etwas anderes gemacht. Dafür gab es verdienten, großen Applaus. Let's do the Dudes-Walk again! (Text: Christine Koblitz; Fotos: Jasmin Kohlhauser)


Kurz-Infos:

Dudes II - Dudes go camping

von Luke Baio und Dominik Grünbühel
Bewertung: @@@@@@
Aufführungsort: WUK
Kritik zur Aufführung am 23.2.2010

Dudes: Luke Baio, Dominik Grünbühel
Musik: Mathias Koch
Mit: Friedrich Brühl, Markus Simon, Christian Achazi, Charlotta Ruth, Alexander Gottfarb, Raul Maia und Herbie Kopitar.
Eine Pufferfish Kunstverein Produktion