Musik: @@@@@@
Klang: @@@
Label/Vertrieb:
Blue Label/SPV (2007)
Mit wem er denn noch gerne zusammen spielen möchte, wurde Hans Theessink
im Interview für Kulturwoche.at gefragt: „Nun, bei vielen geht es sich leider
nicht mehr aus“, meinte der Bluesgitarrist darauf lapidar – einer, der
sicherlich auf der Liste stünde, wenn dieser verdammte Konjunktiv nicht im Weg
wäre, ist Big Bill Broonzy, einer, wie ich meine, allerbesten Musiker, die es
jemals gab und der ein zwar kaum in der breiten Masse bekanntes Material
hinterließ (Lieder wie „C.C.Rider“, „Key to the Highway“ und „John Henry“ mal
ausgenommen) aber ein dafür umso beeindruckendes. Für Legionen von Musikern stand
Broonzy Pate – sei es was seinen Gitarrenstil betrifft, sei es als genialer Liedermacher
(genial: ein Begriff, der bei Broonzy tatsächlich angebracht ist). 1958 an
Lungenkrebs gestorben prägte der 1893 in Scotts (Mississippi) geborene William
Lee Conley Broonzy den Folk Blues wie kaum ein anderer. „Wenn ihr über mich
schreibt, sagt nicht“, sagte Broonzy in einem raren Interview, „ich sei ein
Jazzmusiker gewesen. Sagt einfach, Big Bill war ein bekannter Bluessänger und –spieler,
der zwischen 1925 und 1952 mehr als 260 Songs aufgenommen hat.“ Ein Bruchteil
dessen kommt nun auf den zwei Einzelalben „Volume 1“ und „Volume 2“ aus der
Serie „The Essential Blue Archive“ zu Gehör. Getrennt nach „The Pre-War Years“
in Volume 1 und Liedern aus den „Post-War Years“ in Volume 2 wurden jeweils 20
Lieder ausgesucht. Broonzy gehört nicht zu jener Vielzahl an Blues-Musikern,
die verarmt und vergessen starben, sondern bereits Zeit seines Lebens sowohl
vor wie auch nach dem Zweiten Weltkrieg ein international anerkannter Musiker
war. In den 1930er Jahren zählte er bereits zu den führenden Bluesmusikern, und
spielte sogar in der Carnegie Hall. Nach dem Krieg kam er sogar nach Europa,
spielte gemeinsam mit Mahalia Jackson, schrieb eine Autobiografie die
erfolgreich verfilmt wurde und bei den Berliner Festwochen 1957 präsentiert
wurde. Ja, und sogar ein Lokalbesitzer war er, nämlich in Chicago. Die Lieder
auf diesen beiden Kompilationen stehen freilich längst für sich und haben heute
noch allesamt Gültigkeit, für langjährige Blues-Fans sind die beiden CDs
allerdings weniger interessant, weil sie vermutlich den Gros der 40 Lieder
bereits auf anderen Broonzy-Alben haben, essenziell hingegen für Neueinsteiger,
die immer schon den guten, alten Blues in all seiner Wahrheit und
schöpferischen Kraft kennen lernen wollten. (Manfred Horak)
Link-Tipps:
The Essential Blue Archive (Teil 1)
www.blues.at/vbs
Interview mit Hans Theessink
Martin Scorsese präsentiert The Blues (7 DVDs)
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