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Ein Hermaphrodit der Ästhetik singt mit
derart viel Soul, dass einem unbenommen wohlig schaudert. Androgyn und
sperrig, abgehoben und abgefahren wie nur was, dabei heillos
melancholisch, romantisch und traurig. Ein Meisterwerk mit Geschichten
wie "My Lady Story", "For Today I am a Boy" und "You are my Sister" und
vertonten (anonymen) Gedichten wie "Free at last". Neben Antony, der
mit dunklen Tönen keineswegs spart, verblassen sogar seine prominenten
Gastsänger wie Lou Reed, Boy George und Rufus Wainwright, die nur das
I-Tüpfelchen auf diesem zeitlosen Werk sind. "I am a bird Now"
beinhaltet zehn Lieder, das von Gefühlen, Ahnungen, Schmerz und selten
nur von Hoffnung bestimmt ist.So richtig zu fassen bekommt man das
Album nicht, zumindest nicht, wenn man diese gehaltvolle, intelligente
Ästhetik und überschäumende Schönheit von Musik nebenher, also
unkonzentriert, hört. Nein, das Album muss man bewusst wahrnehmen, es
verdient sich nichts Anderes. Irgendwie zieht sich eine unheilvolle
Dramatik durch das gesamte Album, gleichzeitig sind die Lieder beinahe
schon maßlos friedlich und der singende Pianospieler bzw. der sich am
Piano begleitende Sänger ohne Nachname, Antony, verzaubert vom ersten
Ton an, man ist gefangen von der Wucht der Bilder die sich bei seinem
Gesang, von seiner Musik entfalten, man ist berührt von der Opulenz der
Arrangements, von der Gewalt seiner Stimme, die so engelsgleich
daherkommt, so unfassbar schön ist. Man hört ihn auf der Suche nach
sich. Intensiv. Intim. Ein Jahrhundertwerk. (Manfred Horak)
CD-Tipp:
Antony and the Johnsons - I am a bird Now

Musik: @@@@@@
Klang: @@@@@@
Label: Secretly Canadian; 2005
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