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Beklemmender Geschichtsunterricht aus einer fremden Welt
wird in der Theaterperformance "El rumor del incendio", einem mexikanischen Gastspiel
im Rahmen der Wiener Festwochen, gezeigt.
Eine Performance aus México Ciudad zeigt eindringlich und
verstörend, wie diese theatrale Form nicht nur in Trash und Belanglosigkeit
münden kann. Schon die Gestaltung der Bühneneinrichtung im Künstlerhaus
hebt sich wohltuend von den ach so aktuellen "je grindiger, desto theatraler"
Installationsformen ab, die so gerne wie häufig die Landschaften des
deutschsprachigen Regietheaters zieren. Es gibt auch hier "Trash", aber einen, der das Publikum in
die Geschichte hineinzieht und neugierig macht. México als Spielzimmer,
durchaus sinnlich angesiedelt zwischen Regenwald, Vogelstimmen und
Spielsoldatenarmeen. Eine Wohnzimmerecke und eine Efeuwand, als Spielfläche knallgrüner
Kunstrasen. Sogar die Spielzeugeisenbahn dampft vor sich hin und umkreist
beharrlich die Nationalflagge.
Ist der Stoff des
Dramas gut, ist viel gewonnen. Die mexikanische Guerilla.
Erzählt (im wahrsten Sinne des Wortes) wird die persönliche
Geschichte von Revolutionären im México der 1960er bis zu den 1990er Jahren.
Getrieben von den unfassbar elenden Zuständen bei Campesinos und einfachen
ArbeiterInnen finden einige nur noch den Ausweg in der revolutionären Tat.
Überfälle, Entführungen, Morde - Terrorismus eben. Aber der Staat lässt sich auch nicht lumpen und antwortet unfassbar grausam mit
Massakern durch das Militär und paramilitärische Gruppen, Folterungen,
Entführungen, "Verschwinden-Lassen", Vergewaltigungen, Säuberungsaktionen.
Die Vielfalt der
Darstellung
Hier finden sich die stärksten Momente des Abends. Sehr
eindrucksvoll, oft dokumentarisch erzählt, mit Videos, Liedern und Bildern
unterstützt, taucht das Publikum in eine für uns nachgeborere
MitteleuropäerInnen unvorstellbare Welt von Ungerechtigkeit und staatlichen
Gewaltexzessen. Die drei SchauspielerInnen (Francisco Barreiro, Luisa Pardo,
Gabino Rodríguez) agieren kraftvoll, wandlungsfähig, spielfreudig und präzis.
Manchmal (Wasserfolter, beliebt auch heute noch bei einigen "westlichen
Demokratien") hart an der Grenze des Erträglichen. Obwohl es "nur" Theater ist.
Sehr geschickt auch der Einsatz von mobilen Kameras, vor deren Augen mit
Spielfiguren und vor Modelleisenbahnkulisse hochdramatische Szenen
(Hinterhalte, Entführungen, Gefechte) auf Mikroebene von den AkteurInnen
nachgespielt werden. Diese ständig wechselnden Aktionsformen lassen die
Geschichte der Guerilla und ihrer brutalen staatlichen Bekämpfung eindrucksvoll
direkt vor den Augen der Zusehenden entstehen.
Die menschliche Suche nach der Gerechtigkeit
Natürlich ist es nicht sehr einfach, bei einer auch so
sprachlastigen Erzählform, dem Spiel der SchauspielerInnen und dem spanischen
Text immer mit gebührender Hingabe zu folgen. Außer für muttersprachliche
Hispanohablantes müssen wohl alle im Publikum immer wieder Hilfe bei den
deutschsprachigen Übertiteln nehmen, was wiederum der an sich guten Aufführung
etwas an Wucht und Sprachkraft nimmt. Für einen Blick in eine fremde, sehr
erfreulich lebendige und spielfreudige Theaterwelt ist das eine wunderbare
Methode. Für das Eindringen in die Feinheiten der schauspielerischen Arbeit und
der tiefen Bedeutung der Texte ist das wohl nicht zu leisten. Trotzdem ein
guter Theaterabend, ein Einblick in gewalttätige Abgründe und in die
menschliche Suche nach der Gerechtigkeit. (Text: Tristan Jorde; Fotos: Andrea
López)
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Kurz-Infos:
El rumor del incendio
Bewertung: @@@@
Nachtkritik von Tristan Jorde zur Aufführung am 25.5.2012 im
brut Künstlerhaus im Rahmen der Wiener Festwochen 2012
Koordination und Text: Luisa Pardo,
Gabino Rodríguez
GASTSPIEL KOPRODUKTION: Lagartijas tiradas al sol, Mexico
City, Teatro de la Universidad Nacional Autónoma de México
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