"Wenn die Zeitungen Müll sind und die Menschen vergessen,
was gestern passiert ist, dann ist die Kunst das Einzige, was bleibt". Eine Werkschau des
kolumbianischen Malers Fernando Botero ist bis 15. Jänner 2012 im Bank Austria Kunstforum in
Wien zu sehen. Ein Gespräch über seinen
Werdegang und über die Wurzeln in der Kunst.
Botero kam im Sommer 1952 zum ersten Mal nach Europa und
sieht in Spanien, Italien und Frankreich die Werke der Alten Meister, die für
ihn fortan zu einer Quelle der künstlerischen Orientierung und Inspiration
werden. Weltweite Bekanntheit erlangte Botero für die dickleibigen Gestalten
mit den unproportionierten Köpfen in seinem Werk und übte damit an den politischen
Verhältnissen und dem Klerikalismus in Südamerika Kritik. Die Botero Werkschau
im Bank Austria Kunstforum zeigt aber nicht nur seine skurril-witzigen
Bildfiguren, sondern auch der apokalyptisch düsterer Zyklus zu Abu Ghraib, Boteros Aufschrei mit dem
Pinsel, ein Gegenschlag zu den via Medien verbreiteten Horrorfotos. Der Abu-Ghraib-Folterskandal
war eine Folteraffäre während der Besetzung des Irak durch die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten, die weltweit Aufsehen erregte. Dabei wurden irakische
Insassen im Gefängnis vom Wachpersonal gefoltert. Aufgedeckt wurde der Skandal
durch die Veröffentlichung von Beweisfotos und Videos. Botero hat sich dabei
als erster Künstler von Weltrang kritisch an den Folterskandal von Abu Ghraib
gewagt. Was medial ging, nämlich Fotos und Videos zu zeigen, war im Kunstbereich
nicht möglich: Museen in den USA weigern sich, die Werke zu zeigen. Als
Schenkung hingegen befindet sich der Zyklus heute fast vollständig in der
Sammlung der Universität Berkeley in Kalifornien. Unbedingt anschauen! (Text und Interview: Manfred Horak; Fotos/Abbildungen: Fernando Botero)