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Yet Another Movie: Pink Floyd Remastered - Teil 1 PDF Drucken E-Mail

pink-floyd-14Alle 14 Studio-Alben von Pink Floyd plus aufwendig gestaltete Immersion-Boxen - zunächst einmal vom Meisterwerk "The Dark Side Of The Moon" - wurden Ende September 2011 wieder veröffentlicht. Grund genug eine bombastisch angelegte Artikel-Reihe über Pink Floyd zu starten. Am Anfang steht die relative Gegenwart von Pink Floyd: "A Momentary Lapse Of Reason" und "The Division Bell", verrissen von Manfred Horak.





Theoretisch könnte noch ein weiteres Studio-Album nachkommen, weil offiziell aufgelöst hat sich die Band ja bis heute nicht. Möge es ein theoretischer Gedanke bleiben, umso mehr, wenn man sich die musikalische Entwicklung der Band genauer anschaut, die mit "The Wall" (1979) das letzte Album in der Besetzung Roger Waters (Bass, Gesang), David Gilmour (Gitarre, Gesang), Richard Wright (Tasteninstrumente), Nick Mason (Schlagwerk) vorlegte. Das Requiem "The Final Cut" von Roger Waters "performed by Pink Floyd" (jedoch ohne Wright) im Jahr 1983 sollte gleichzeitig auch die Auflösung der Band bedeuten - was allerdings danach kam, war eines dieser Treppenwitze in der Musikgeschichte. David Gilmour und Nick Mason konnten sich gegenüber dem Hauptsongwriter von Pink Floyd, Roger Waters, durchsetzen und durften somit als Pink Floyd weiter agieren, was letzten Endes in einen musikalischen Stillstand mündete, dafür zu einem mehr als profitablen Markennamen, mit David Gilmour als Wahrer dieses erfolgreichen Unternehmens, umfunktioniert wurde.

Wie in einem falschen Film

Die Konzerte von Pink Floyd zwischen 1987 und 1989 erzielten erstaunliche Besucherrekorde, so pilgerten z.B. 200.000 Leute zum Konzert nach Venedig. "A Momentary Lapse Of Reason" (1987) hieß das dazugehörende Studio-Album. Die 11 Lieder stammen von David Gilmour "with a little help from his friends" wie u.a. Phil Manzanera (Roxy Music). Das dargebotene wabert selbstzufrieden vor sich hin und zelebriert den Pseudo-Intellektualismus. Gilmour besingt "The Dogs of War" und "A New Machine" und irgendwie fühlt man sich nicht nur in "Yet Another Movie", sondern eigentlich überhaupt gänzlich in einem falschen Film. "A Momentary Lapse Of Reason" ist eine aufgeblasene Demontage einer Band, die irgendwann einmal Pink Floyd war, nicht mehr jedoch zu diesem Zeitpunkt. Das Soundkonzept erinnert auf eine fatale Weise an die Entwicklung von Genesis unter der Fuchtel von Phil Collins. Manchmal glaubt man sich sogar, z.B. im Song "On The Turning Away", Passagenweise in einem Soundgeflecht eines Chris de Burgh auf Abwegen. Und so schrieb auch die Wochenzeitung "Die Zeit" folgerichtig über dieses Album: "Die Vernunft ist mit Pink Floyd auf Dauer ausgefallen. Der Schaden, den die Propheten der selbstzufriedenen Nichtigkeit in der Musik und in den Köpfen ihrer Hörer über die Jahre angerichtet haben, ist vermutlich nicht wiedergutzumachen." An den drei Unternehmern David Gilmour (Gitarre, Gesang), Nick Mason (Schlagzeug) und Richard Wright (Tasteninstrumente) prallten diese und alle anderen herben Kritiken ab, ein Millionenpublikum kann sich schließlich nicht irren, oder?

48 Sattelschlepper, 700 Tonnen Stahl, 300 Lautsprecherboxen

Und tatsächlich gab es ein zweites Studio-Album ohne Roger Waters, ein in kommerzieller Hinsicht enorm erfolgreiches noch dazu. 1994 katapultierte sich "The Division Bell" sofort auf Platz 1 der US-Charts. In einer höflich formulierten CD-Rezension hieß es: "Stilistisch hätte dieses Album auch schon vor 15 Jahren aufgenommen sein können, was die Würde dieser Musik allerdings in keiner Weise mindert. Man kann der Band nicht vorwerfen, sie sei retro. Pink Floyd haben diesen Stil ja schließlich erfunden." Für das Wochenmagazin "Der Spiegel" büßte Pink Floyd mit diesem Album hingegen den letzten kreativen Impuls ein. Aber egal, wer was darüber schrieb: Mehr als drei Millionen Amerikaner besuchten die 59 Konzerte und für die Europatournee schloss das Unternehmen einen lukrativen Sponsoringvertrag mit VW ab, was seitens des VW-Konzerns als „interaktive Methode der Kommunikation mit den Kunden“ bejubelt wurde. Pink Floyd gab es somit auch erstmals als Auto, nämlich in der Sonderauflage des Modells Golf als Limousine und Cabrio. 48 Sattelschlepper transportierten nicht nur VW-Transparente durch ganz Europa, sondern auch 700 Tonnen Stahl für die Bühnenkonstruktion plus 300 Lautsprecherboxen plus eine Unmenge an Licht- und Laser-Maschinerien.

Eine grauenvolle Platte forever and ever

Auf der Bühne standen dann 8 Musiker, die mit immensem High-Tech-Aufwand nette Harm- und Belanglosigkeiten von sich gaben. "Ein wenig verärgert", dass sie es schafften mit dieser Nummer durchzukommen war auch Roger Waters, wie er 2004 in einem Interview erklärte: "Ich war verwirrt und ein wenig enttäuscht, dass der große Haufen ungewaschener Typen nicht den verdammten Unterschied bemerkte. Nun, in Wirklichkeit tun sie's doch. Ich bin da vielleicht etwas ungerecht. Es gibt sehr viele Leute, die den Unterschied bemerken, aber es gab auch eine ganze Menge, die das nicht konnte." Und über "The Division Bell" motzte Waters: "Texte von der neuen Gemahlin. [Gemeint ist Gilmours Frau Polly Samson, eine englische Journalistin und Autorin; Anm.] Nicht zu fassen, aber wahr! [...] Und was für eine Chuzpe, das auch noch Pink Floyd zu nennen. Das war eine grauenvolle Platte." Dieser Aussage kann man leider nicht widersprechen. Egal, ob das 1995 mit einem Grammy als beste Rock-Instrumentalaufnahme ausgezeichnete "Marooned", Peinlichkeiten wie "Wearing The Inside Out" oder vermeintliche Höhepunkte wie "High Hopes": Die 11 Lieder des Albums sind ziemlich übel und verdammt weit weg von einem guten Durchschnitt. Pink Floyd steht zwar am Cover drauf und auch die Cover-Gestaltung wirkt von der Ästhetik her sehr vertraut, was man auf "The Division Bell" allerdings zu hören bekommt ist eine schlechte Parodie von Pink Floyd. Ungefährliche Lieder, die niemanden wehtun (wollen), zugepflastert von bombastischen und gleichermaßen beliebigen Sounds. Eine klangästhetische Wolke für Gelangweilte. Glatt polierte Gebrauchsmusik wie sie zahnloser und von allen Ecken und Kanten befreiter nicht sein kann. Kurzum: Ein aufgeblasenes Stück Musik ohne Inhalt mit der finalen Textzeile "Forever and ever". Roger Waters, der in diesem Zeitraum neben dem Soundtrack "When the Wind blows" (1986) und dem Live-Album "The Wall - Live 1990 in Berlin" (1990), in gewohnt hoher Qualität die drei Studioalben "The Pros and Cons of Hitch Hiking" (1984), "Radio K.A.O.S." (1987) und "Amused to Death" (1992) veröffentlichte, erhielt hingegen unverdientermaßen weniger Aufmerksamkeit. Nun, wie auch immer: Das letzte Konzert der "Division Bell"-Tour fand am 29. Oktober 1994 in der Earl's Court Arena in London statt.

I never had the nerve to make the final cut

11 Jahre später gab es überraschenderweise eine Zugabe - mit Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright - im Londoner Hyde Park auf Zuruf von Sir Bob Geldof [der Hauptdarsteller von Pink in der Alan Parker Verfilmung von "The Wall"; Anm.] und dessen Organisation des Live8-Konzerts zur Bekämpfung der Armut. Wiederholung in dieser Besetzung ausgeschlossen, denn Richard Wright starb im Jahr 2006. Im Mai 2011 gab es ein erneutes kurzfristiges Reunion auf der Bühne der Herren Waters, Gilmour, Mason, und Ende September 2011 erfolgte schließlich die Wiederveröffentlichung sämtlicher Studio-Alben von Pink Floyd, neu digitally remastered von James Guthrie und Joel Plante. Was uns die Zukunft hinsichtlich Pink Floyd bringen wird? Nun, zunächst einmal neben der erwähnten Neuauflage der regulären Studio-Alben aufwendige Immersion-Boxen von "The Dark Side Of The Moon" (09/2011), "Wish You Were Here" (11/2011) und "The Wall" (02/2012). Eine erneute Wiedervereinigung von Pink Floyd schließt Roger Waters derzeit (Stand: Oktober 2011) weiterhin aus. Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5. (Manfred Horak)

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Link-Tipps:
Why Pink Floyd?
Webseite von Pink Floyd

Roger Waters


   

 
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