Die Berliner Jungs von K.I.Z. sind zur Zeit ganz groß am
Start. Alle feiern sie. Die Fachpresse, ihr Plattenlabel und nicht zuletzt die
zahlreichen Fans. Ich persönlich hab den vier Musikern nie etwas abgewinnen
können, aber lasse mich ja gern eines besseren belehren. Vielleicht reißt ja
das aktuelle Album "Urlaub fürs Gehirn" das Ruder noch rum.
Um das, was die neue K.I.Z-Platte "Urlaub fürs Gehirn" in
mir ausgelöst hat, in Worte zu fassen, muss ich mich erst einmal, wenn auch
leicht abgewandelt, den großartigen Worten von Moritz Rinke bedienen, die er in
seinem Zeitungsartikel über Lesungen im Kaffee Burger in Berlin schrieb: "Ich
kapier's einfach nicht! Die rappen die letzte Scheiße und ich steh da und kapier's
einfach nicht!" So ungefähr ging es mir beim Hören. "Urlaub fürs Gehirn" ist
der Titel und auf so einen Urlaub sollte man sein Gehirn auch definitiv schicken,
ansonsten gibt's nämlich angesichts der hohlen Phrasen rund ums Ficken,
Scheißen etc. einen Systemabsturz.
Zwar wird K.I.Z. von mehreren Seiten ein tieferer Sinn ihrer
Texte bescheinigt, nur leider erschließt sich mir dieser nicht, und selbst wenn ich
irgendwann mal hinter das Geheimnis kommen sollte, ist dann immer noch nicht
klar, warum man kritische Aussagen in eklige Songtexte verpacken muss, bei dem
man sich jedes Mal wieder entscheiden muss, ob man den Track jetzt zu Ende hört
und einem dann schlecht ist oder ob man gleich abschaltet.
Nachdem ich mich dann tapfer durch 15 Juwelen des Unsinns
gehört habe, begegnet mir dann natürlich der obligatorische Kiffersong. War ja
klar, dass das wieder sein musste. Ist ja auch total innovativ als Rapkünstler
was über Marihuana zu machen. Schnarch.
Und dann ganz zum Schluss bei der Nummer 16, als ich schon
überzeugt davon war, dass ich rein gar nichts verpasse, wenn ich nie wieder
einen Song von K.I.Z. höre, hauen die Burschen dann doch noch eines der besten
Liedgüter raus! Als einziger wirklich guter Song entpuppt sich "Biergarten
Eden", der dämlichem Patriotismus so herrlich und formvollendet den Garaus macht.
Das fängt bei dem 'Die Flippers'-mäßigen Schlagerbeat mit
Alleinunterhalterkeyboardeinschlägen an und führt weiter über die wohl
genialste Hook, die für solch einen Song je geschrieben wurde: "Wir reiten auf
den Schäferhunden Richtung Horizont"!
Dieser subtil kritische Song gibt einem zum Finale des
Albums dann doch wieder Hoffnung, dass K.I.Z. nicht nur unverständlichen Mist
verzapfen, sondern, dass hinter all dem Gelaber über Klos, Ficken und sämtliche
Körpersäfte doch noch etwas Größeres steckt. (Katja Kramp)