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Diversity, Behindertensport, Migration und Integration in Österreich
sind ihre Spezialthemen. In der aktuellen Ausstellung "Absichtlich und Zufällig"
in Hustopece zeigt Nadja Meister was Pressefotografie als Beruf bedeuten kann.
Pressefotografie ist dank eines guten 'Zufalls' bekannte Persönlichkeiten vor
das Objektiv zu bringen und 'zufällig' begegnet man Menschen, deren Handlung
gerade so interessant erscheint, sodass sie fotografiert werden muss. Und jedes
Mal ist auch ein wenig 'Absichtlich' mit dabei, wenn Nadja Meister diese Situationen fotografiert. Ernsthaft 'absichtlich' hat sie
vor einem Jahr angefangen Künstler aus Österreich und Tschechien zu
fotografieren. Zu beiden Seiten der österreichisch-tschechischen Grenze gibt es
sehr viele interessante Persönlichkeiten, die vor allem im Kulturbereich
arbeiten, jedoch kaum bis gar nicht jeweils auf der anderen Seite bekannt sind.
Warum dies so ist, harrt noch einer Beantwortung - besser jedoch Aufhebung des
Gegensatzes. Nadja Meisters Fotos sind daher ein Beitrag zu einer
grenzüberschreitenden Begegnung - über den Weg der Betrachter in die Köpfe der
Menschen.
Kulturwoche.at: Ihre Ausstellung trägt den
Titel "Absichtlich und Zufällig", ein Titel, der viel verrät, aber auch
neugierig macht. Fotografieren Sie lieber 'absichtlich' oder 'zufällig', oder
ergibt das Eine das Andere?
Nadja Meister: Die Situation erlaubt zumeist das Eine wie
das Andere - ich überlasse es den Betrachter/innen zu entscheiden, was dominierender
empfunden wird.
Wie ist denn die Auswahl der Fotografien für die Ausstellung
entstanden? Wie viele Fotografien aus welchem Zeitraum werden zu sehen sein?
Der verfügbare Raum der Galerie in Hustopece hat die Wahl
der Fotos bestimmt - ich will nicht übertrieben erscheinen, aber wenn Sie von
einer Person viele Aufnahmen haben, wobei jede einzelne einen anderen Aspekt
der Person erkennen lässt, dann fällt mir die Auswahl nicht wirklich leicht - das
ist wohl einer der zeitintensivsten Arbeiten vor der Erstellung einer
Ausstellung.
Sie sind freiberufliche Pressefotografin, ein Berufsfeld,
das sehr stark im Wandel begriffen war und vielleicht noch weiterhin ist. War
das immer schon ein Beruf, der Sie fasziniert hat, den Sie ausüben wollten? Mit
welcher Kamera (welchen Kameras) arbeiten Sie? Wie stehen Sie zur digitalen
Fotografie, wie zur analogen?
Mein ursprüngliches Standbein war die Geographie, doch nach
der Übersiedlung nach Österreich und zwei Kindern, war es dann leicht und
schwer zugleich, dass ich mich für die Fotografie entschieden habe.
Fotografiert habe ich schon als junges Mädchen. Vorbilder bietet die große - in
Österreich nahezu unbekannte - Schule bedeutender tschechischer Fotografen en
masse: Drntikol, Sudek, Tmej, Hochova, Kudelka, Streit, Sobek, etc. die sind
allesamt eine Vorgabe, auch eine Hürde mit hohem Respektzoll für mich. Ich habe
länger gebraucht, mich für die Digitalfotografie zu entscheiden, es braucht ja
nicht nur eine gute Kamera, sondern auch allerhand an Computerperipherie. Canon
5D Mark II ist die aktuell präferierte Kamera.
Welche Qualitätskriterien muss für Sie eine Fotografie
haben? Gibt es für Sie zumindest die Vorstellung von einem perfekten Foto?
Sagen wir es mit einem Zitat: Ein gutes Foto erkennt man,
wenn es länger als ein paar Sekunden angesehen wird. Das Foto muss etwas
auslösen, Assoziationen bewirken, Nachfragen provozieren, Gefühle evozieren. Das
gilt vor allem für die Betrachter. Für mich hat jedes Foto eine zusätzliche
Dimension - es erinnert mich auch an die Situation, zu welcher ich es gemacht habe.
Gut sind jene Aufnahmen, die es mir erlauben mich an die Momente vor und nach
dem Drücken des Auslösers zu erinnern.
Einer meiner Lieblingsfotografen ist Robert Doisneau. Bei
ihm wirkten viele Fotos wie Schnappschüsse, tatsächlich waren sie aber oft
aufwändige Inszenierungen. Haben Sie auch Lieblingsfotografen und was schätzen
Sie an diesen?
Eine Aufnahme von Doisneu erinnert mich sehr an eine ganze
Serie von Büchern von Dagmar Hochova. Spielende Kinder - Motive, die es heutzutage
nicht mehr zu geben scheint. Da wird alles was es gibt - das einfachste und
banalste zum Spielzeug. Heute würde man darunter Armut vermeinen, doch das was
dabei eher sichtbar wird, ist die angewandte Phantasie. Jindrich Streit, der
auch einige seiner Arbeiten in den Randzonen Österreichs gemacht hat, ist eine
noch zu entdeckende fotografische Größe. Der Begriff 'inszenierter Schnappschuss'
passt zu vielen seiner Fotoserien. Von Evzen Sobek habe ich anlässlich eines
Workshops viel gelernt. Einige der gezeigten Fotos entstanden aus dieser
Zusammenarbeit.
Sie sind in Südmähren geboren und leben seit zwanzig Jahren
in Österreich. Südmähren zählt so wie Teile von Österreich (Wien, NÖ und
Burgenland) zur Centrope-Region. Welche Bedeutung hat für Sie Centrope,
beruflich wie privat?
Sprachlich fällt es mir leichter mich im Raum
Tschechien-Slowakei-Österreich zu bewegen. Ungarisch habe ich leider nicht
gelernt. Auch 20 Jahre nach dem Fall des Vorhangs, ist es noch nicht
Normalität, unvoreingenommen aufeinander zuzugehen. Da liegt noch eine lange
Wegstrecke vor uns und unseren Kindern bis ein gemeinsames Raumgefühl gelebt
werden wird können. Beruflich habe ich meinen Schwerpunkt eher im
österreichischen Raum. Das muss nicht so bleiben - für berufliche
Horizonterweiterungen bin ich sicher noch zu haben.
Die Fragen stellte Manfred Horak. Fotos: Nadja Meister.
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