Mongolische Hausmusik und westafrikanischer Neo-Folk: Sedaa und Stranded Horse
Mit "Letter from Mongolia" von Sedaa und "Humbling Tides" von
Yann Tambour alias Stranded Horse liegen zwei World Beat Alben vor, die in kongenialer
Weise traditionelle Elemente mit der Musikgegenwart in Einklang bringt.
Letter from Mongolia
Das persische Wort für 'Stimme' haben Sedaa als Bandname
gewählt. Perfekt, steht die Stimme doch im Zentrum des Geschehens. Wie der
CD-Titel nahe legt wird zudem die traditionelle mongolische Hausmusik gepflegt,
dies in Verbindung mit der orientalischen Musik. Wer nun an fade Folklorik
denkt, liegt vollkommen falsch, denn Sedaa begeistert mit orchestralen
mongolischen Untertongesängen und mit dem Kehlgesang "Hömii". Mit ihren uralten
Instrumenten der Nomaden plus Gitarre und pulsierenden Rhythmusgeflechten
klingt das auf wundersame Weise nicht alt, sondern innovativ.
Humbling Tides
Die westafrikanische Mandinka-Tradition und zeitgenössischer
Neo-Folk wiederum findet Eingang bei Yann Tambour alias Stranded Horse. Die
fragilen Songs, gespielt auf Kora bzw. Gitarre, fließen sanft dahin und
entladen ihren Zauber indem Tambour auf Entschleunigung setzt. Gleich der
Eingangssong "And The Shoreline It Withdrew With Anger" gibt die Richtung vor - exzeptioneller Mystik-Folk mit schön verwobenen Melodien, einem Nick Drake
bisweilen näher als Paul Simon, mit dem der Brite verglichen wird. (Manfred
Horak)