Am 22. Februar 2011 soll im Ministerrat die Novelle zum
Asyl-, Fremdenpolizei- und Niederlassungsgesetz verabschiedet und im März im
Parlament beschlossen werden.
Unter anderem treten dann ab 1. Juli folgende Verschärfungen
für AsylwerberInnen, Fremde und jahrelang in Österreich niedergelassene
Menschen mit ihren Familien in Kraft:
- Die
Schubhaft wird von 10 Monaten auf 18 Monate ausgedehnt
- Menschen, die jahrelang auf den Ausgang ihres Asylverfahrens gewartet haben,
können zwar einen Antrag auf Niederlassungsbewilligung ("Bleiberecht") stellen,
aber: um ein aktuelles Verfassungsgerichtshofurteil und eine eingeleitete
Gesetzesprüfung zu umgehen, welches besagt, dass die Abschiebung bis zur
Antragsentscheidung auf Verfassungsmäßigkeit geprüft werden muss, wird der
Passus eingeführt, dass nach Rücksprache mit der Sicherheitsdirektion, der
Oberbehörde der Fremdenpolizei, trotzdem sofort - auch noch vor
Antragsentscheidung abgeschoben werden darf
- Menschen, die bereits seit Jahren eine Niederlassung haben oder sie - wie
Familie Komani - gerade erst bekommen haben, müssen sich ab Juli auch fürchten:
steigt ihr Einkommen bis einige Wochen nach Geburt des Kindes nicht
proportional nach einem Schlüssel des Innenministeriums nach Anzahl der Kinder
binnen dieser Zeit an, dann muss eine Meldung an die Fremdenpolizei erfolgen
und kann die Familie binnen 7 (!) Tagen abgeschoben werden.
- Wenn ein
Familienmitglied mehr als 3 Monate arbeitslos gemeldet ist (Bauarbeiter,
Tourismuskräfte) muss das Arbeitsamt eine Meldung an die
Fremdenpolizei schicken, diese leitet wieder
ein Aberkennungsverfahren der Niederlassung ein und kann
wieder binnen 7 (!) Tagen abgeschoben werden.
- Die zynischste aller Änderungen ist aber, dass nach dem Fall Komani, nach
der Übergabe von zig tausend Unterschriften im Parlament [derzeit sind es exakt 116.164 Personen/Stand: 21.2.2011; Anm.] zum Thema "Kinder
gehören nicht ins Gefängnis" dieses Problem im Gesetz nun so gelöst werden
soll: Wenn eine Familie abgeschoben wird, haben die Eltern die Wahl: sie können
einwilligen, die Kinder mit ins Gefängnis zu nehmen oder aber sie übergeben die
Kinder bis zur Abschiebung dem Jugendamt. Auch wenn das Jugendamt in Wien sich weigert, diese Funktion
zu übernehmen, ist für uns auch aus noch zig anderen Neuregelungen in diesem
Gesetz eines klar:
Diese Novellierung ist mit Sicherheit der Gipfel der Schande
von allen, die dafür auch nur im weitesten Sinne Verantwortung mittragen. Alle,
die hier zu- und wegschauen, stimmen für einen Weg dieses Landes, für das
Österreich mit Sicherheit nicht stehen will.
Abgesehen von der Unmenschlichkeit und Grausamkeit gegenüber
allen Fremden und Zugewanderten überfährt dieses Gesetz auch tausende von
ÖsterreicherInnen, die sich nach dem Fall Komani gegen den aktuellen
Umgang mit diesen Menschen und ihren Kindern ausgesprochen haben und zwingt es
Bürgerinnen, die beispielsweise in Einrichtungen wie im AMS arbeiten, zu
Anzeigen und Bespitzelung unserer Mitmenschen.
Es ist genug.
Es ist nichtmehr die Zeit, um über die Sinnhaftigkeit der
einen oder anderen Passage in dieser Novellierung zu diskutieren. Allein, dass
sie auf dem Tisch liegt, muss ein Warnsignal für uns alle sein.
Dass man sich tatsächlich traut, diesen Vorschlag im
Vertrauen darauf zu fassen, dass diesen keiner versteht, ist unglaublich.
Kommenden Dienstag [22.2.2011; Anm.] wird eine der menschenverachtendsten
Gesetzesnovellierungen in der Geschichte der Republik Österreich im Ministerrat
verabschiedet, die die Grenzen der Menschwürde klar überschreitet. Wir dürfen
das nicht zulassen. Eine Diskussion über diese Novellierung ist zu wenig. Ein
STOP! ist das mindeste, das wir gemeinsam erreichen müssen. (Text: Purple Sheep)
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Weitere Infos zu diesem Thema:
Purple Sheep
Kinder gehören nicht ins Gefängnis
Kurz-Infos Spot:
Darsteller: Josef Hader, Robert Palfrader,
Lukas Resetarits,
Gregor Seberg, Anastasia (5 Jahre, in Österreich geboren),
David (2 Jahre, in Österreich geboren), Ewa (6 Jahre, in Österreich geboren), Iliriana (16 Jahre, seit 8 Jahren in Österreich), Ina (7 Jahre, in Österreich geboren), Magomed (13 Jahre, seit 5 Jahren in Österreich)
Regie: Kurosch Allahyari
Drehbuch: Kurosch Allahyari/Karin Klaric
Kamera: Peter Roehsler
Casting: Karin Klaric
Aufnahmeleitung: Peter Blau
Schnitt: Susanne Eppensteiner
Ton: August Komani
Musik: Fresco Titel: "Leben Stranden"
Assistenz: Ambrol Stoika
Nanook Film
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