Party Party! Der Traum vom Glück oder Hüte dich vor Manitu - die Kritik
Das 3raum-Anatomietheater drohte aus allen Nähten zu platzen. Leider nur drei Abende
lang war dort "Party Party!" zu sehen, ein Projekt, das Regisseur, Schauspieler
und Musiker Hakon Hirzenberger mit dem zweiten Jahrgang der Schauspielschule
Elfriede Ott durch Interviews und Improvisationen erarbeitete und zu einem Theaterstück
verarbeitete.
Geschickt
präsentiert er in der ersten Szene, einer Art Castingshow, die sechzehn
Charaktere die sich selbst spielen. Rasant geht es weiter zu einer exzessiven
(Drogen-)Party an deren Ende Florian Drexler (der noch dazu virtuos Saxophon
spielt) am Konsum des "Manitu", mit dem er von Johannes Huber versorgt wird, stirbt.
Diese Szene wiederholt sich an diesem Abend mehrmals und wird zum Ausgang von
Rückblenden. Ereignissen aus dem Leben der jungen Menschen, die alle den Traum,
Schauspieler zu werden, realisieren wollen (oft ganz schön selbstironisch) und
sich durch Erfahrungen selbst kennen lernen.
Schrille
Massenszenen und stille Momente
Durch einen
stringenten, aber niemals aufdringlichen Sound- und Liederteppich (sogar
Schuberts Kuppelwieser Walzer, die Kennmelodie des Stegreifspiels "Die Liebe
Familie", in der die Größen der "Josefstadt" zu sehen waren), den Hirzenberger
selbst am DJ-Pult kredenzt, werden die Szenen verbunden, in denen die jungen
Akteure auch noch Monologe aus Stücken von Goldoni bis Marivaux zum Besten
geben. Hirzenberger beweist einmal mehr sein Gespür für den richtigen Rhythmus.
Für schrille, ideenreiche Massenszenen ist ebenso Platz, wie für stille
Momente. Aufgesetzt wirkt das in keiner Sekunde, vielmehr sind die Figuren
gerade durch die Monologe (sogar Kierkegaard) gekonnt charakterisiert. Ob nun
Helene Sust, die als Freundin Florians um ihn trauert oder ihre Freundin Nina
Neumann, die einen One-Night-Stand mit Florian aus Rücksicht zu ihrer Freundin
verschweigt. Auch sexuell probieren sich die jungen angehenden Schauspieler
aus. Manuel Bräuer gibt sich als Casanova, der nichts anbrennen lässt, im
gleichgeschlechtlichen Beziehungsgeflecht wird Sabrina Happel von Petra Böhm
(die auch famos singt) und Isabella Lukas hintergangen. Alexander Bräuer nimmt
es mit Treue ebenfalls nicht so genau, seine Irene (Höllwerth) wartet vergebens
auf ihn, während er mit Teresa Kuna "an einer Szene arbeitet".
Denn das
Schiff sinkt ja sowieso
Die gesamte
Inszenierung lotet die Grenzen zwischen Gruppenzwang und Individualität virtuos
aus. Gerade, alles was nicht gesagt wird, regt zum Denken an. Ein scheinbarer
Klassenclown (Paul Hötzendorfer) lässt uns ebenso an seinem Inneren teilhaben,
wie Camilla Schwab, die via Internet auf der Suche nach einem Partner ist. Tabulos
und offen auch eine Szene, in der sich die Akteurinnen über sexuelle Spielarten
austauschen. Warum auch nicht? Die Titanic sinkt sowieso und in diesem Wissen
gibt es auch nichts mehr zurückzuhalten. Ein gelungener und spannender Abend,
für den Hirzenberger und sein überzeugend agierendes Team verantwortlich
zeichnen. Ein Wermutstropfen: leider war es nur dreimal zu sehen. Im Programmheft heißt es, does
anybody want this glorious shit? Ja, bitte! (Text: Marius Schiener; Foto: NINC)
Kurz-Infos:
Party
Party! Der Traum vom Glück
oder Hüte dich vor Manitu
Bewertung: @@@@@
Regie: Hakon
Hirzenberger
Projekt mit Studenten des
Elfriede-Ott-Studios