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Dead & Gone: Kate McGarrigle (6.2.1946 - 18.1.2010) |
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Die kanadischen Geschwister Kate & Anna McGarrigle
hinterfragten den Mythos Americana in Form sehr familiär-persönlicher Texte.
Ihr Output bleibt mit gerade mal 10 Alben leider sehr bescheiden, die Qualität
der Songs ist hingegen enorm hoch. Am 18. Jänner 2010 starb die 64-jährige Kate
McGarrigle an Krebs.
Auf "Matapedia", dem 7. und möglicherweise besten Album der McGarrigle Sisters,
werfen die Schwestern die Frage auf warum wir sterben müssen. "We are meat, we are spirit / We have blood and
we have grace / We have a will and we have muscle / A soul and a face / Why
must we die", singen sie in ihrer für sie typischen Mixtur aus Chanson, Folk,
Country und Pop, die Geschichte und die Musik unweigerlich vorantreibend bis
zur sinnlichen Auflösung im märchenhaften Gestern, "We are men of constant
sorrow / We'll have trouble all our days / We never found our Eldorado / Where
we were born." Ein lyrischer wie musikalischer Trick, den die Schwestern
von ihrem ersten (titellosen) Album anwandten. Nur selten blieben sie in der
Gegenwart, und wenn, dann verlangten sie mitunter nach körperlicher Liebe, z.B. wenn sie
sangen, "we can talk about it when the morning comes / It'll come / It always
does / […] / It's night: lets make love / Not Conversation!" - Auch dieses Lied
findet man übrigens auf Matapedia, dem nach 6-jähriger Pause sensationellen
"Comeback"-Album aus dem Jahr 1996, das man getrost zu den
bedeutendsten und besten Folk-Pop-Alben (oder wie immer man die Musik der
McGarrigles definieren mag) des 20. Jahrhunderts zählen kann. Bevor ihre
offizielle Karriere mit der Veröffentlichung des Debüt-Albums im Jahr 1975
begann, wuchsen die Mitte der 1940er Jahre im kanadischen Montreal geborenen
Schwestern im Bergdorf Saint-Sauveur-des-Monts auf und erhielten dort von
Nonnen Musikunterricht. In den 60er Jahren tauchten sie in die Folkclubszene
ein, lernten den Produzenten Joe Boyd und die Sängerin Maria Muldaur kennen,
ja, und so ging es halt irgendwie los. Das erste Album, wie erwähnt 1975
veröffentlicht, wurde von den Kritikern heftig umjubelt und - obwohl es auch
das Jahr von Bob Dylans "Blood on the Tracks" war - unisono von Melody Maker,
Stereo Review und New York Times zum "Album des Jahres" ausgerufen.
Der kommerzielle Durchbruch wollte dennoch nicht so richtig gelingen, ihre
Lieder sahen die Charts nur dann von innen wenn andere Sängerinnen wie z.B.
Emmylou Harris und Linda Ronstadt sich ihrer annahmen. Dennoch: Ihre Alben
haben es in sich, sei es das zweite, sehr Molllastige Album Dancer with Bruised
Knees (1977; mit Liedern in englischer und in französischer Sprache) - als
Gastmusiker war übrigens u. a. John Cale zu hören - oder das dritte bis heute
nicht auf CD veröffentlichte Album Pronto Monto (1978) oder deren herausragende
French Record (in französischer Sprache) aus dem Jahr 1980. Alben, wie auch die
späteren, die sich stets immer auch auf die Musikhistorie bezogen. Wirklich
humorvoll war das alles inhaltlich nicht wirklich, auch wenn die Ironie (bzw.
die Selbstironie, wenn man die Rückseite des Covers von "Pronto Monto"
betrachtet) immer wieder ihren Platz fand. 1983 veröffentlichten Kate &
Anna McGarrigle das herrliche Album Love Over and Over. Darauf sind neben Mark
Knopfler an der Gitarre auch erstmals die mittlerweile sehr erfolgreichen
Singer-Songwriter Martha und Rufus Wainwright - Tochter und Sohn von Kate
McGarrigle und Loudon Wainwright III - zu hören, die zu diesem Zeitpunkt gerade
einmal sieben bzw. zehn Jahre alt waren. Danach gab es eine 7-jährige
Abstinenz, die erst wieder mit dem genialen Album Heartbeats Accelerating
(1990) gebrochen wurde. Auf diesem Album befindet sich neben dem Herz
zerreißenden "I Eat Dinner" von Kate ein ganzer Bulk von ganz großen Songs,
interpretiert mit dem speziellen McGarrigle Pathos, der beim ersten Mal hören
sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig ist (was auch der Grund des ausbleibenden
kommerziellen Erfolgs in der breiten Masse ist), aber mit jedem neuen Hörgang
ungeahnte Sensibilitäten und Flächen, Klangwelten und Stimmungsuniversen offenlegt.
Lange sechs Jahre musste man schließlich auf das bereits beschriebene "Matapedia"
warten, ehe 1998 das nicht minder fulminante Album The McGarrigle Hour
erschien. Die darauf enthaltenen 21 Lieder markieren eine Art Erinnerungsalbum als Rückblick auf
ihre wichtigsten musikalischen Einflüsse und eine quasi Vorwegnahme der "Theme Time Radio Hour" von Bob Dylan, nur dass halt in deren "Radio"-Sendung die McGarrigles selbst spielen und singen. Zu diesem Zwecke lud man die Familie und engsten Weggefährten ein - so z.B. von Kates Seite Loudon
Wainwright III, Martha und Rufus Wainwright bzw. Annas Tochter Lily Lanken, aber auch beider Schwester Jane McGarrigle, sowie Freunde wie Emmylou Harris,
Linda Ronstadt und Chaim Tannenbaum. Heraus kam wiederum Soulful-Music vom Feinsten mit Traditionals wie "Green Green Rocky Road", "Allez-Vous-En" von Cole Porter, bis hin zu eigenen Liedern wie "NaCl (Sodium Chloride)" und "Talk to me of Mendocino" von Kate,
"Heartburn" von Rufus, "Schooldays" von Loudon, "Cool River" und "Forever and the Same" von Anna, "Year of the Dragon" von Martha. Die große Familienfeier endet spät nachts mit
einem berührenden "Goodnight Sweetheart" - und danach war erneut
Sendepause. Im Jahr 2003 erschien mit La vache qui pleure ("Die Kuh, die weint")
nochmals ein Album in französischer Sprache und erneut ein harmonisches
Familienalbum, auf dem die leisen Töne regieren. 2005 erschien schließlich das letzte Album mit Kate McGarrigle, das Weihnachtsalbum The
McGarrigle Christmas Hour. Kate McGarrigle starb am 18.
Jänner 2010 an Krebs. Was bleibt ist eine unverwechselbare Stimme und
berührende Lieder für die Ewigkeit. (Text: Manfred Horak; Foto: McGarrigles)
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(JFlex Images v1.0 ©Ute Jacobi) |
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