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Lehar selber sah der Uraufführung nach der
rekordverdächtigen Fertigstellung seiner Operette anscheinend mit gemischten
Gefühlen entgegen, als er, so überliefert es zumindest die Legende, gesagt
haben soll: "Der Schmarrn ist fertig und wenn es keinen Erfolg haben wird, habt
ihr es euch selbst zuzuschreiben." Zur Handlung: Ein russischer
Handelsdelegierter hat, obwohl verheiratet, ein Auge auf die Sängerin Angéle
Didier geworfen. Um diese Affäre standesgemäß zu machen, muss Angéle eine
Scheinehe mit dem vermeintlichen Grafen René von Luxemburg eingehen, der jedoch
mehr Bohémien als Graf ist. Obwohl der Konsul alles daran setzt, dass die
Brautleute einander nicht zu Gesicht bekommen, verlieben sich Angéle und René
auf der Stelle, wohl wissend wie unmöglich ihre Liebe sein wird. Eine mehr oder
weniger zufällige Begegnung nach einer von Angéles Theatervorstellungen bringt
ans Tageslicht was beide fühlen. Sie lieben einander und sind auch noch dazu
bereits miteinander verheiratet. Eine Scheidung, wie sie der Konsul fordert,
kommt nun nicht mehr in Frage. Das Paar
bekennt sich öffentlich zu seiner Liebe, der Konsul wird von seiner Vergangenheit
in Person seiner resoluten und leidenschaftlichen Ehefrau eingeholt und muss
erkennen, dass man Liebe nicht erkaufen oder gar erschwindeln kann.
Michael Schottenberg versetzt die Handlung in die Wiener
Nachkriegszeit, das Libretto wurde dem entsprechend bearbeitet, aktualisiert,
und dennoch hat "Der Graf von Luxemburg" nichts von seinem Charme, der Leichtigkeit des Seins,
eingebüßt. Das Bühnenbild von Hans Kudlich
ist ansprechend, unspektakulär und doch mit einigen technischen Raffinessen ausgestattet, jenes unterstreicht die Inszenierung von
Schottenberg, der sehr darauf Bedacht nimmt dem Stück nichts von seiner Leichtigkeit,
dem Savoir Vivre zu nehmen, indem er die Dialoge zu sehr aus dem Zusammenhang
herausreißt. Auch im Wien der Nachkriegszeit wollte man sich neu ordnen, das
Leben in vollen Zügen genießen, es war die Zeit, in der der Hunger nach Leben
Bohémiens und Lebenskünstler hervorbrachte.
Akiko Nakajima als Angéle zeigt sich stimmlich dem
restlichen Ensemble überlegen. Ihre Stimme
ist opernhaft lyrisch, in der Höhe verliert sie leider an Spannung, die
Stimme beginnt dann zu flattern, dennoch - so ist die Sängerin eine gute
Besetzung der Angéle. Mehrzad Montazeri gibt einen spielfreudigen, gut aussehenden
Grafen René, seine Stimme ist nicht die größte, müht sich daher mit der nicht
ganz einfachen Partie etwas ab, die Übergänge lassen technisch zu wünschen
übrig, da fehlt einfach die Verbindung von der Mittellage zur Höhe. Der Zuhörer
sollte ja nicht schon vorher hören, wann ein hoher Ton kommt. Wunderschön,
gefühlvoll von Beiden interpretiert die Ohrwürmer "Lieber Freund, man greift
nicht nach den Sternen", sowie "Bist du's lachendes Glück". Martina Dorak und Thomas Sigwald als Buffopaar
Julie und Manfred liefern eine solide Leistung ab,
besonders Martina Dorak spielt und singt hervorragend. Witzig, pointiert, der
Konsul von Wolfgang Gratschmaier, auch für jene, die sich noch an Rudolf
Wasserlof in dieser Rolle erinnern können. Sehr gut auch der Rest des
Ensembles, dem die Freude an Lehars Werk ins Gesicht geschrieben stand.
Man sollte vielleicht nicht den "ehemaligen" Grafen von
Adolf Dallapozza, eine Mirjana Irosch als Angéle aus einer älteren Inszenierung
in den 1980er Jahren erwähnen, dennoch drängt sich die Frage auf, haben wir
heute im Genre Operette zu wenige Sänger zur Auswahl, um die doch
anspruchsvollen Rollen stimmlich perfekt zu besetzen? Aber das ist eine ganz
andere Geschichte. - "Wir bummeln durchs Leben, was schert uns das Ziel…" Mit viel
Schwung und noch mehr verdientem Applaus endete dieser kurzweilige, unterhaltsame
und somit empfehlenswerte Abend am Gürtel. (Text: Karin C. Ruprecht; Fotos:
Dimo Dimov)
Kurz-Infos:
Der Graf von Luxemburg von Franz Lehar
Inszenierung: Michael Schottenberg
Bewertung: @@@@
Volksoper Wien (Dezember 2009)
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