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So (scheinbar) einfach und so (außergewöhnlich) gut kann Theater
sein. Wozu große Bühnenbilder und überhebliche Produktionen, die zwar viel Geld
zur Verfügung haben, aber leider nur wenig brauchbare Ideen? "Peace Please!" kommt
mit sehr wenig aus, ist aber dennoch ganz großes Theater und bietet einen
Triumph der Gefühle, dank Kraft der klugen Zitatauswahl aus dem reichhaltigen
Textfundus von Bertha von Suttner, und dank der großartigen Schauspielerleistung
von Anita Zieher, die es weder an Glaubwürdigkeit noch an Prägnanz fehlte - mit ihr schließlich steht und fällt das Stück, und am 25. 9. 2009 hätte es nicht besser sein können. Die
Idee zum Stück ist simpel wie effektvoll. In der Inszenierung von Brigitte
Pointner spricht Bertha von Suttner in einem fiktiven
Radio-Interview mit dem Ö1-Journalisten Udo Bachmair über ihr Engagement für
den Frieden und gegen den Antisemitismus, über die Stellung der Frau in der
Gesellschaft sowie über gegenwärtige Friedensarbeit. Um das quasi nicht
vorhandene Bühnenbild zu kaschieren werden zwischendurch Filmaufnahmen gezeigt.
Einerseits historisches Filmmaterial, nämlich Originalszenen aus der dänischen
Verfilmung ihres Romans "Lay down your arms" ("Die Waffen nieder!"; 1914) - übrigens dem einzigen Filmdokument von Bertha von Suttner. Andererseits Filmszenen,
in denen Bertha von Suttner, eben in der Person von Anita Zieher, in die
Gegenwart transformiert wurde, und z.B. bei der Friedensbrücke (Natürlich! Wo sonst?)
in die U4 einsteigt.
Darum aber ist eine Idee noch lange keine Utopie
Filmsequenzen
wie diese machen durchaus Sinn, denn aktuell sind die Texte und Reden von der politisch
engagierten Aktivistin heute noch. Bertha von Suttner prangerte zeitlebens antisemitische
bzw. fremdenfeindliche Aussagen von Politikern an, wie sie heute noch in der bisweilen knietiefen Innenpolitik und in widerlichen
Polit-Slogans wie "Abendland in Christenhand" vorkommen. Ja, Bertha von Suttner
war freilich auch eine Visionärin mit ausgereiften Ideen, Stichwort EU und UNO - folgerichtig sagte sie daher auch einmal, "Darum aber ist eine Idee
noch lange keine Utopie". Kein Wunder also, dass ihr zu Ehren sogar ein Asteroid
im Asteroidengürtel nach ihr benannt wurde - "12799 von Suttner". Sie
unterstützte im Jahr 1899 auch vehement die Errichtung des Haager Tribunals und
sie war Gründerin der Österreichischen Friedensgesellschaft, aber sie wusste
auch von den nachfolgenden düsteren Jahren Bescheid, die sie nicht mehr
erleben sollte, als sie sagte: "Der nächste Krieg wird von einer Furchtbarkeit
sein wie noch keiner seiner Vorgänger." Und tatsächlich, am 21. Juni 1914
stirbt die 1843 geborene Pazifistin in Wien an einem Krebsleiden - das Erleben
des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs blieb ihr erspart. In "Peace Please! Ein
Bertha von Suttner-Journal" wird über all dies im Frage-Antwort-Spiel gesprochen - in unkonventioneller wie Herz erwärmender, leidenschaftlicher Manier und mit einer in ihrer Rolle aufgehenden Anita Zieher, die mit Sprache und Mimik einfach großartiges leistet. Was das Publikum übrigens noch
erfahren durfte war, dass in Wien eine Sackgasse nach ihr benannt ist. Irgendwie
typisch für Wien. Eine Sackgasse für Frieden und Toleranz, im Gegensatz dazu ein Teil des Wiener
Rings für den antisemitischen Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger (1844 - 1910) zu dessen Bewunderern Adolf Hitler zählte, der Lueger als "den gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten" bezeichnete [nachzulesen in der Hitler-Biografie von Ian Kershaw; Anm.].
Nun ja - was jedenfalls bleibt ist die Erinnerung an einen besonders wertvollen Theaterabend im Theater Drachengasse. (Text: Manfred Horak; Fotos: Armin Bardel)
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Kurz-Infos:
PEACE PLEASE! Ein Bertha von Suttner Journal
Bewertung: @@@@@@
Produktion: portraittheater
Regie: Brigitte Pointner
Schauspielerin: Anita Zieher
Radiosprecher: Udo Bachmair, Ö1
Texte: Originalzitate von Bertha von Suttner, sowie Texte
von Brigitte Pointner und Anita Zieher
Video: Lisa Kortschak
Visuals: Claudia Auer
Musik: Elisabeth Lohninger
Weitere Termine:
26. September 2009 (20 Uhr), Theater Drachengasse
15. Oktober 2009, AKKU Kulturzentrum, Steyr
24. Oktober 2009 Stadttheater Bruck an der Leitha
30. Oktober 2009, Optimum Matzen
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