 |
|
 |
|
|
From Me To You
Diese Kulturbrief-Ausgabe steht in erster Linie im Zeichen von
Veranstaltungshinweisen. Veranstaltungen, die bisweilen die kulturindustriell
gefilterte Wahrnehmung und Verwertung der Welt reflektieren, wie z.B. die
Buch-Präsentation von "Trommeln vom anderen Ufer des großen Flusses"
des Autors Richard Schuberth im Porgy & Bess. Jede Menge Reflexionen wird
es auch in der neuen Veranstaltungsreihe "DiensTalk 20:13" geben, die
erstmals am 9.4. im Wiener Brut über die Bühne geht. Thema des ersten Abends
sind The Beatles, die vor ziemlich genau 50 Jahren ihr erstes Album
veröffentlichten. Das war bekanntermaßen denn auch der Startschuss für eine in
jede Hinsicht außergewöhnliche Karriere. Die illustren DiensTalk-Gäste sind
Georg Breinschmid, Laura Rafetseder und Irmie Vesselsky, sowie
Musikwissenschaftlerin Elisabeth Vock. Dazu gibt es Live-Musik von SaBine
Brezina und Nadja Milfait von der Band The Fools on the Hill. Ebenfalls eine
noch recht junge Veranstaltungsreihe geht am 5.4. in der Arena Bar über die
Bühne, nämlich "Frauen:Musik". Hier werden an einem Konzertabend je
zwei unterschiedliche Musikerinnen aus der aktuellen heimischen Musikszene
präsentiert. Diesmal zu Gast: Nana D. und Agnés Milewski, die mit "Almost
Spring" soeben ein Album von berührender Qualität veröffentlichte. Und
somit wünscht die Redaktion eine frühlingsgefühlte Kulturwoche. (Manfred Horak; 4.4.2013)
|
|
|
Nun ist es amtlich. Die Festplattenabgabe kommt nicht. "Wir dürfen uns", so Peter Paul Skrepek (Musikergilde), "bei SPÖ-Kultursprecherin Ablinger und
ihrer Koalition aus Netzpolitik, Elektrohandel samt IG-Kultur und dem dafür
ebenfalls sehr nützlichen Kulturrat sowie einigen unsolidarischen
Filmschaffenden bedanken. Auch die Grünen haben sich öffentlich gegen diese
Vergütung ausgesprochen." Wir waren quasi Undercover beim Wirten ums Eck, wo Sonja Ablinger und ihre Freunde diese Verhinderung gefeiert haben...
|
|
|
Wünsch Dir was
Wie jedes Jahr im Dezember gibt es auch heuer wieder unseren Adventkalender mit
täglichem Gewinnspiel. Zu gewinnen gibt es jede Menge CDs, DVDs,
Eintrittskarten, Weihnachtsbäckereien, Weine. Erstmals kann man übrigens auch
über unser E-Zine mitmachen, das soeben erschienen ist. Wünsch Dir was lautet passenderweise das Motto der E-Zine-Ausgabe No 3. Erwartungen und
Hoffnungen, Erinnerungen und Wünsche ans Christkind und an die Regierung stehen
dabei im Zentrum unseres Frage-Katalogs an insgesamt 13 Künstler, Kulturschaffende
& Kreative, die uns aus unterschiedlichen Gründen am Herzen liegen. Beim
heiteren Frage-Antwort-Spiel dabei sind Georg Breinschmid, Meena Cryle, Corinne
Eckenstein, Verena Göltl, Anna Maria Krassnigg (Salon 5), Katrin Navessi,
Stephan Rabl (Dschungel Wien), Laura Rafetseder, Karl Ritter, Gerhard Ruiss,
Richard Schuberth, Kristine Tornquist (sirene Operntheater) und Bäckermeister
Clemens Waldherr. Da kamen einige erstaunliche und wunderbare Antworten ans
Tageslicht, die wir natürlich nicht vorenthalten möchten.
In dieser Kulturbrief-Ausgabe wiederum gibt es ebenfalls einige Interviews,
nämlich mit Nana D., Hannes Löschel, sowie mit Michaela Rabitsch und Robert
Pawlik. Abgerundet wird das Ganze mit einer Rezension zum neuen Album von
Harlequin's Glance und einer Buchkritik zur Mick Jagger Biografie. Somit
wünscht die Redaktion eine lesefreudige Kulturwoche! (Manfred Horak; 3.12.2012)
|
|
|
Internationaler Tag der Kinderrechte
Das Kinderfilmfestival Wien erlebte am Samstag, 17.11.2012
seine viel umjubelte Eröffnung mit dem holländischen Kinofilm Bennie
Stout und tags darauf ging es gleich weiter mit der Uraufführung der
wunderbaren österreichischen Produktion Das Pferd auf dem Balkon.
Geht
es in den zwei genannten Filmen um die Kernfrage, ob es denn überhaupt schlimme
Kinder gibt bzw. ums "Anderssein" und der Frage "aber ist nicht
jeder Mensch anders als alle anderen?", so behandelt z.B. der Film Im Namen der Tochter die Erlebnisse eines Sommers in Ecuador in den
1970er Jahren. Gezeigt wird diese Produktion übrigens im Rahmen des
Internationalen Tags der Kinderrechte. Ein ganz besonders sehenswerter Film ist
auch die finnisch-schwedische Produktion Iris über eine schwierige
Tochter-Mutter-Beziehung. Ein großartiger, kluger Film mit starken
psychologischen Elementen und viel Charme, der sich gekonnt mit einer
scheinbaren Bullerbü-Idylle und den Schwierigkeiten der Frauenemanzipation im
ausgehenden 19. Jahrhundert auseinandersetzt. Beim Kinderfilmfestival ist aber
auch mit Coole Kids weinen nicht ein feinfühliges Kino um die
Diagnose Leukämie bei der 13-jährigen Akki zu sehen. Keine leichte Kost, aber
dennoch lebensbejahend und berührend. Eine Übersicht zu allen Filmen gibt es in
der E-Zine-Ausgabe No 2 nachzulesen. Abseits von Filmen finden sich diesmal
erneut einige Interviews. So traf sich Robert Fischer mit dem Bassisten Oliver
Steger, um über dessen Projekt S.O.D.A. und der dazugehörenden CD "Love
Call" zu sprechen. Nadia Baha wiederum traf sich (virtuell) mit Bernhard
Eder, der Fragen zum neuen Album "Post Breakup Coffee" beantwortete.
Und schließlich sei noch auf das nächste Festival hingewiesen, das in Wien
stattfinden wird. Das Blue Bird Festival geht wie jedes Jahr im Porgy &
Bess über die Bühne. Für Samstag, 24.11., gibt es auf Kulturwoche.at
Eintrittskarten zu gewinnen und somit wünscht das Redaktionsteam eine
gewinnorientierte Kulturwoche. (Manfred Horak; 20.11.2012)
|
|
|
Es gilt die Unschuldsvermutung
Diese sattsam bekannte Phrase dient dem
Fotografen Niki Witoszynskyj seiner zur Schau gestellten Werke im Rahmen des
Festivals Eyes On: Monat der Fotografie Wien. Im Interview erzählt
der Sparten übergreifende Künstler unter anderem wie es zu diesem Titel kam und
wie es sich bei ihm bei den Schnittstellen zwischen digitaler und analoger
Fotografie verhält. Schnittstellen dominieren im Übrigen diese Ausgabe, fest
gemacht anhand einiger Interviews. Da wäre zunächst einmal Terry Evans als
Schnittstelle zwischen Ry Cooder und Hans Theessink. Letzterer stand uns ebenso
für ein Interview zur Verfügung wie auch die in der Türkei geborene Özlem
Sulak, in deren Werk (zu sehen im Tresor von BA Kunstforum Wien) sich
Erfahrungen von Heimat und Fremde, von kultureller Identität und Migration, von
Sprache und Fremd-Sprache wieder finden. Weitere spannende Schnittstellen
finden sich in den Interviews mit der Pianistin und Sängerin Olivia Trummer
wieder, sowie im Interview mit der Autorin Claudia Tondl. Die heimische Szene
der audio-visuellen Künstler unter die Lupe nahm hingegen Anne Jan, umso mehr,
weil Wien als Hochburg der Visual Jockey Szene gilt. Und schließlich sei im
Besonderen noch auf zwei Festivals hingewiesen: Das 24. Internationale
Kinderfilmfestival findet vom 17. bis 25.11.2012 in den drei Festivalkinos Cine
Center, Cinemagic und Votiv Kino statt. Davor feiert das brut im Künstlerhaus
und Konzerthaus ein kleines Jubiläum. Vom 9. bis 17. November kommt das
Freischwimmer Festival der wichtigsten Koproduktionshäuser im deutschsprachigen
Raum ins brut. Bei der Eröffnung am 9. November feiert das brut gleichzeitig
seinen 5. Geburtstag. In eigener Sache sei dann auch noch auf unsere zweite
E-Zine-Ausgabe hingewiesen und somit wünscht das Redaktionsteam eine
erfreuliche Kulturwoche. (Manfred Horak; 6.11.2012)
|
|
|
"Musik", so der Kabarettist und Experte für eh alles, Gunkl,
"ist ja eine überaus feine Sache; in den allermeisten Fällen ist Musik
schön und soll auch nichts anderes sein." Dieser Aussage schließen wir uns
vorbehaltlos an und legen, natürlich ganz zufällig, den Schwerpunkt dieser
Ausgabe auf eben jene feine, schöne Musik, und innerhalb dessen wiederum auf
Musik aus Österreich, denn da gibt es einige hörenswerte neue Scheiben: Birgit
Denk & die Novaks z.B., die sich Kabarettlieder aus den 50er Jahren vornehmen.
Ex-Mainstreet Sängerin Anita Horn, die so frei ist, endlich ihr erstes
Solo-Album zu veröffentlichen. Und nicht zuletzt das große Comeback der
Hallucination Company, die nach fast 20 Jahren Tonträgerpause in den
"Circus der Hallucinationen" einladen. Neue Interviews gibt es
ebenfalls einige neue zu lesen. Vors Mikro baten wir diesmal Maria Bill, Ripoff
Raskolnikov und Otmar Binder. Weitere ausführliche CD-Besprechungen: Van
Morrison "Born to Sing: No Plan B", Diana Krall "Glad Rag Doll"
bis hin zu "Radio Music Society" von Esperanza Spalding und Al
Jarreaus aktuellem Live-Album, der am 29.10. im Wiener Konzerthaus gastiert.
Abseits des musikalischen Geschehens haben wir durch die 3D-Brille geschaut, um
zu sehen, ob diese erweiterte Wahrnehmung, der Blick durchs Fenster, der
Verfilmung von Die Vermessung der Welt tatsächlich dienlich ist.
Und schließlich haben wir uns nicht nur ins Kino, sondern auch ins Theater
gesetzt: Lest dazu unsere Theaterkritiken zu den Stücken Katja und Kotja
und über das mysteriös-psychologisch-düstere Musiktheater Der Rorschach
Text. Ein spezieller Live-Tipp sei an dieser Stelle noch erwähnt, um den
Kreis des eingangs zitierten zu schließen, und zwar das abendfüllende Programm
des Upper Austrian Jazz Orchestra, das sich gemeinsam mit dem Kabarettisten
Gunkl auf die Bühne (26. bis 29.10. in Klagenfurt, Steyr, Ried und Wels)
begibt. Das UAJO und Gunkl werden dabei einige wesentliche Aspekte von Musik
spielerisch und sprachlich, gedanklich, sowie - latürnich! - musikalisch anhörlich
machen. Somit wünscht die Redaktion ganz einfach eine schöne Kulturwoche. (mh; 22.10.2012)
|
|
|
Spagat-Leben
In dieser Ausgabe erfahren wir einiges über Spagat, ein
Begriff, der eigentlich aus dem italienischen kommt (spaccata Grätsche bzw. spaccare spalten) und vornehmlich im
Fitnessbereich angewendet wird. Im Wesentlichen gibt es drei Formen des
Spagats: den Quer- oder Längsspagat (bildhaft gesprochen zeigt man hier mit dem
linken oder rechten Bein nach vorn und dem jeweils anderen nach hinten); Dann
gibt es noch den Seit- oder Herrenspagat, bei dem beide Beine seitlich vom
Körper abgespreizt werden, und schließlich der Überspagat, das ist jener Spagat
von mehr als 180 Grad. Aber es gibt auch die Metapher dazu. Hier wird der
Begriff häufig im übertragenen Sinne benutzt, um auszudrücken, dass jemand zwei
(meist argumentativ, aber auch räumlich) gegensätzliche Positionen zu
überbrücken versucht. Im Kunst- und Kulturbereich ist man längst schon im
Spagat-Leben angekommen. Künstlerisch umgesetzt bedeutet das zum Beispiel, dass
unterschiedliche Genres auf der Bühne zusammenfinden. Was das sein kann und wie
und ob das funktioniert könnt ihr im Interview mit Klaus Wienerroither und
Thomas Mauerhofer nachlesen, die mit zwei japanischen Tänzerinnen das Projekt
"Short Stories" in Form von musikalischen Kurzgeschichten zwischen
Weltmusik, Jazz und Tanz aufführen. Andere Spagate zum Nachlesen: Ein
Nachbericht zum Szene Bunte Wähne Theaterfestival mit neuer Leitung, die Dexys
mit ihrem ersten Album seit 1985 (das ist sozusagen die Spagat-Sonderleistung),
Bob Dylan, der mittlerweile den Spagat schaffte seit 5 Dekaden künstlerisch
tätig zu sein, sowie Martin Pyrker, der auch schon 40 Jahren on Stage ist. Dazu
gibt es natürlich auch wieder einige Interviews: Z.B. jenes mit Tanita Tikaram,
mit Boz Boorer, mit Jeremy Schonfeld und mit der Wiener Band Er ist tot, Jim.
Und auch unsere Video Podcast Reihe Berufsfeld Architektur in
Kooperation mit dem Institut für Architekturwissenschaften erhielt neue
Nahrung. Zudem gibt es unter anderem noch einen Rückblick auf das
Zukunftsfestival Ars Electronica und eine Vorschau auf das Ende der Welt. Somit
wünscht die Redaktion eine fitnessreiche Kulturwoche. (mh; 27.9.2012)
|
|
|
|
Die (aktuell) vermutlich beste Rock-Band Österreichs gastierte kürzlich im Wiener Jazz
and Music Club Porgy & Bess: Meena Cryle and Chris Fillmore Band. Die Idee
zu dieser Superlative kam mir während des Konzerts, war nämlich bereits die
Performance im ORF Radiokulturhaus herausragend, so
zeigte die Band bei ungleich besseren klangtechnischen Bedingungen vollends ihr
Können auf. Hut ab, und somit sei nochmals eindringlich das Album "Feel
Me" (Ruf Rec./Lotus) empfohlen - und natürlich das Interview mit Meena. Am gleichen Ort präsentierte Christian
Ludwig Attersee mit seinen Freunden Hermann Nitsch, Gerhard Rühm, Ingrid und
Oswald Wiener, sowie Bernd Jeschek (mit Texten von Günter Brus) die bei
Paladino Music veröffentlichte Multimedia-Box "Attersee und seine
Freunde". Zu hören gab es ein Klaviertreiben an 2 Klavieren, ein
Ein-Ton-Orgelmysterium von Nitsch, Moritaten vom erstaunlich jung gebliebenen
Gerhard Rühm und - als Höhepunkt - ein atterseeisiertes Textklangbild mit dem
Titel "Fleisch und Blut". Das war schon sehr meisterhaft. Attersee
stand übrigens zu einem ausführlichen Interview zur
Verfügung, Motto: Rücksichtslose Unterhaltung. Weitere Interviews, die in
dieser Kulturbrief-Ausgabe präsentiert werden: Der zweite Teil des Gesprächs
mit Violetta Parisini, zwei Episoden aus der TU Wien-Kulturwoche.at-Produktion
"Berufsfeld Architektur" - eines mit Caramel Architekten Alexander
Diem, das andere mit der freien Architektin Rita Reisinger-Schöbel aus Wien.
Ganz nah an Wien dran ist auch unsere junge Podcast-Reihe Weana
Wörter. Teil 2 beschäftigt sich mit den Ein-Laut-Wörtern. Szenenwechsel:
In der Bauernhof-Idylle Jazz eingeatmet hat Kulturwoche.at-Redakteurin Denise
Riedlinger, die beim Jazz-am-Bauernhof-Festival INNtöne die kalifornische
Sängerin Carmen Bradford - die letzte Sängerin der legendären Count Basie Band
- vors Mikrofon bekam. Und schließlich haben wir auch noch ein Interview mit
dem Star-Pianisten Christopher Hinterhuber, der aktuell auch Teil des Altenberg
Trio ist, anzubieten. Somit kommen wir noch kurz zu den Wiener Festwochen, da
hat sich mittlerweile auch einiges an Kritiken angesammelt, sei es zum Stück Made In Austria, sei es zur halbmodernen Regieneurose Makulatur von Paulus Hochgatterer, um an dieser Stelle nur zwei zu
erwähnen. Last but not least berichtet Tristan Jorde über die Uraufführung Gemmadann von Camerata Wien und dem Chor Gegenstimmen im
Konzerthaus Wien. Thema des Stücks: Die Arbeiter von Wien. (Manfred Horak; 15.6.2012)
|
|
|
11 Interviews und die neue Podcast Reihe "Weana Wörter" über das
Wienerische im Alltag...
. ..stehen im Mittelpunkt dieser Kulturbrief-Ausgabe. In der
ersten Episode von Weana Wörter dreht sich alles um selbiges, also
von "drahn" und all den damit verbundenen Redewendungen und Nuancen
im wienerischen. Neben der Video Podcast Reihe Berufsfeld
Architektur als Koproduktion von TU Wien und Kulturwoche.at ist dies nun
eine weitere Koproduktion, und zwar von Rudi Gratzl von der Band wienerglühn,
Tommy Tatzber von der Band BLAU AG und Kulturwoche.at. Wie gewohnt kann auch
diese Podcast-Reihe denkbar einfach abonniert werden, z.B. auf iTunes. Anlass
für die Podcast-Reihe ist übrigens die Veranstaltungsreihe Weana Wötn
von Gratzl und Tatzber in der Arena Bar. Die nächste Veranstaltung findet am
16.5. um 20 Uhr statt. In der Arena Bar wird es übrigens auch wieder einen
Gesprächsabend (mit Live-Musik und Lesung) über Leben und Werk von Bob Dylan
geben, und zwar am 25.5. um 20 Uhr. Als Gesprächsgast mit dabei ist u.a. Meena
Cryle, mit der es in dieser Ausgabe auch ein Interview über ihr neues
fantastisches Album "Feel Me" im Rahmen der Podcast-Reihe Kulturviertelstunde nachzuhören gibt.
Ja, und Festwochen-Zeit ist auch wieder, die erste Premierenkritik zum Stück Melancholie und Protest ist bereits Online. Lola Arias' Erkundungen
der möglichen Dimension(en) des Politischen geht dabei der Frage nach, wie
politisch die Krankheit ist und wie privat der Protest.
Somit wünscht die Redaktion eine gesunde Kulturwoche. (Manfred Horak; 15.5.2012)
|
|
|
Große Gefühle...
...in großer Besetzung erlebte das Publikum mit Meena Cryle und
Chris Fillmore Band im ORF Radiokulturhaus. Die Band präsentierte das neue
Album "Feel Me" - dem würdigen Nachfolger von "Try Me" -
und beweisen damit erneut, dass ihre Musik nicht nur international
ausgerichtet, sondern auch international konkurrenzfähig ist. Mit Giantree
stellen wir in dieser Ausgabe eine weitere Band aus Wien vor, die mit "We
All Yell" Pop vom Feinsten veröffentlicht. Lambchop legte ja
bekanntermaßen auch wieder einmal ein Album vor. Titel: "Mr. M". Die
Konzertkritik zum Auftritt im Wiener Konzerhaus hatten wir ja bereits, nun
folgt die CD-Kritik. Zwei Artikel-Reihen werden ebenfalls fortgeführt, nämlich
Teil 5 von Pink Floyd Remastered, sowie der zweite (und letzte) Teil über Duane
Eddy. Sehr empfehlenswert sind übrigens auch die aus dem Archiv geholten
Aufnahmen für die Kompilation Lovers Rock & Rare Groove in the
UK, jener Stilrichtung des Reggae, die von Mitte der 1970er Jahre bis in
die frühen 1990er Jahre ziemlich beliebt war. Womit wir bei den dieswöchigen
Interviews angelangt sind. Zwei neue Episoden aus der Vodcast-Reihe "Berufsfeld Architektur" mit Franz Sam und Kristina Schinegger warten ebenso gehört und gesehen zu werden
wie das Podcast Interview mit The Little Band From Gingerland alias Angela
Tröndle und Sophie Abraham. Zwei junge österreichische Musikerinnen mit viel
Mut und noch mehr Ideen. In Wien lebt auch die im Iran geborene Musikerin Hoda
Mohajerani, die vor kurzem ihre famose Debüt-EP "Arrivals"
veröffentlichte und in einem Kaffeehaus zu einem Interview bereit war. Ein
ausführliches Gespräch zu lesen gibt es schließlich auch über den Gitarristen
Jimi Dolezal, der zuletzt mit der Mary Broadcast Band tourte und auch beim Festival Vienna Blues Spring live zu hören sein wird.
Somit wünscht die Redaktion eine kulturreiche Osterwoche. (Manfred Horak; 31.3.2012)
|
|
|
Zwei bemerkenswerte Alben aus Österreich
stehen in dieser Ausgabe im Fokus,
nämlich "The Beantown Experience" von Alex Pinter Quintet und
"Fire" von Georg Breinschmid. Letzterer ist für sein Vorgänger-Album
"Brein's World" in der Kategorie Jazz/World/Blues des Amadeus Award
nominiert. Die Stimmabgabe ist noch bis inklusive 01.04.2012 möglich; jeder
Nutzer mit gültiger E-Mailadresse kann ein Mal pro Woche seine Stimme abgeben.
Spannend gestalten sich auch die Fragen über Sinn und Unsinn am Kunstbetrieb
Theater, zu sehen im Schauspielhaus Wien und nachbetrachtet von Kathrin
Blasbichler. Der Sonne entgegen ging Franziska Eibenberger und begab sich auf
den Muckenkogel und in die Stockerhütte. Wohin querdenken und hinterfragen
führt, um einen unkonventionellen und konzeptiven Zugang zu finden, erzählt
hingegen Gerd Erhartt von Querkraft Architekten in unserer Vodcast-Reihe Berufsfeld Architektur und der in Wien lebende Musiker Mike Scharf
sprach mit Denise Riedlinger über seine transzendente Musik mit Intellekt.
Weitergeführt wird auch wieder unsere Artikelreihe Pink Floyd
Remastered, das es in Kürze auch als eigene Podcast-Reihe geben wird. (Manfred Horak; 16.3.2012)
|
|
|
Am 1. Mai 2012 wird im Wiener Volkstheater Österreichs begehrtester Musikpreis
verliehen, der Amadeus Austrian Music Award. Nachdem die Juroren (u. a. Robert
Fischer und Manfred Horak von Kulturwoche.at) ihre Stimmen abgegeben haben,
stehen nun die Nominierungen fest - erfreulicherweise sind auch einige
darunter, die wir besonders schätzen, z.B. Georg Breinschmid, Harri Stojka, Attwenger,
Violetta Parisini, Hubert von Goisern, Otto Lechner und Klaus Trabitsch, sowie
Ja, Panik. Jetzt seid ihr dran, um für eure Favoriten die Stimme abzugeben. Das
Verfahren ist simpel. Das Voting-Tool steht auf www.amadeusawards.at/voting zur
Verfügung. Die Stimmabgabe ist bis inklusive 01.04.2012 möglich;
jeder Nutzer mit gültiger E-Mailadresse kann ein Mal pro Woche seine Stimme
abgeben.
Ansonsten geben wir in dieser Kulturbrief-Ausgabe wieder jede Menge Live-Tipps
ab und berichten wie gewohnt von vergangenen Performances. Quasi in eigener
Sache wollen wir an dieser Stelle auch gleich an den Gedenkabend an Ludwig
Hirsch hinweisen, der am 3.3. in der Arena Bar (1050 Wien) über die Bühne gehen
wird (Ludwig Hirsch wäre ja am 28. Februar 66 Jahre alt geworden). Eine
Spurensuche mit den Gesprächsgästen Johann 'Johnny' M. Bertl, Gerhard Ruiss,
Peter Schleicher, Maria Seifert und Toni Stricker und mit Live-Musik von Markus
Hackl und The Wichita. (Manfred Horak; 23.2.2012)
|
|
Kunst hat Recht

Ende Jänner 2012 wird die Initiative "Kunst hat Recht" der
Öffentlichkeit vorgestellt. "Kunst hat Recht" ist eine Aktion
österreichischer Kunstschaffender zur Stärkung der Urheber- und
Nutzungsrechte der Künstler/innen. Die dazu verfasste Deklaration soll
möglichst viele Unterzeichner/innen (Einzelpersonen als auch
Einrichtungen) finden. Zum gesamten Text der Deklaration und zur Unterzeichnungsmöglichkeit geht es HIER.
Ansonsten führt der Weg diesmal vom hochkarätigen Dokumentationsfilm
"Living in the Material World" von Martin Scorsese über das Leben und
Werk von George Harrison bis hin zu den Premierenkritiken "Iba de gaunz
oamen Leit" von Christine Nöstlinger (im Rabenhof) und
"Samurai/Futuresong" von Dea Loher (im Theater Drachengasse).
Und was nicht im Theater gesehen werden kann, sollte auf Tonträger
gehört werden, z.B. "Pictures at an Exhibition", neu arrangiert von Flip
Philipp für das Vienna Symphony Jazz Project. Ein echtes
Gesamtkunstwerk, wird doch der Mussorgsky-Jazz von Evelyn Grills
beeindruckenden Bildern ergänzt. Ein erstaunliches (Jazz-)Album legt
auch Olivia Trummer auf "Poesiealbum" vor, deren Texte (in deutscher
Sprache) zielsicher den Nerv der Gegenwart einfangen.
Zu hören (und sehen) gibt es aber auch wieder einige Interviews, wie
z.B. aus der Video-Podcast-Reihe "Berufsfeld Architektur" ein Gespräch
mit dem japanisch-österreichischen Architektenteam Misa Shibukawa und
Raphael Eder, sowie ein Künstlergespräch in der Podcast-Reihe "Paladino
News" mit Martin Rummel und Norman Shetler zu deren Aufnahme der
Schubert'schen "Winterreise". Augenfällig übrigens die Cover-Gestaltung,
die vom Cartoonisten Rudi Klein stammt.
Weiterhin bristant und aktuell das Thema 'Literaturförderung in Wien'.
In unserer jüngsten Podcast-Reihe "Kunst.Kultur.Diskurs" kann nun die
zweitägige Literaturförderungsenquete zur Gänze nachgehört werden. (Manfred Horak; 19.1.2012)
|
|
|
Top Kunst-Podcasts
Vier von mir produzierte Podcast
Reihen befinden sich derzeit in der iTunes Wertung "Top Kunst-Podcasts", nämlich
die Kulturviertelstunde und Filmkultur aus dem Hause Kulturwoche.at, sowie
die Podcast-Reihe für das Bank Austria Kunstforum Wien und sogar die
mittlerweile - als Folge von Subventionskürzungen auf Initiative der Grünen und
der Wurschtigkeit der SPÖ - eingestellte Podcast-Reihe für K2 in Centrope.
Sage und schreibe 26 Podcast Episoden von den Podcast-Reihen
'Kulturviertelstunde' und 'Filmkultur' befinden sich dabei in den Top 200.
Anders formuliert: Fast jede 7. aufgelistete Podcast Episode in der Kategorie
"[Darstellende] Kunst" wurde von Kulturwoche.at produziert. Erstaunlich, wenn
man bedenkt, das täglich tausende an Podcast-Episoden alleine im
deutschsprachigen Raum freigegeben werden.
Die mit Abstand meist gehörte
Episode ist zurzeit jenes Interview mit Ludwig Hirsch, selig, anlässlich seines
30-jährigen Bühnenjubiläums aus dem Jahr 2008. Das zweit meistgehörte ist die
Podcast-Episode Zimt & Zucker: Interview mit der Band Herztöne.
In die
Liste "Neu und beachtenswert" wurde von iTunes prompt die neue Podcast-Reihe Kunst.Kultur.Diskurs aufgenommen und an prominenter Stelle platziert. Ebenfalls erstaunlich, weil täglich alleine im deutschsprachigen Raum mehrere
hundert neue Podcast-Reihen eingereicht werden, als "Neu und beachtenswert"
hingegen werden gerade mal 20 ausgesucht. Die Reihe ist in iTunes in der
Kategorie "Kunst/Literatur" zu finden (oder einfach im Suchfeld Stichwort
'Horak' bzw. 'Kulturwoche' eingeben). Die ersten Episoden sind freilich bereits
nachzuhören, das Thema - dem programmatischen Titel entsprechend - ist ein
strikt kulturpolitisches, und diese Reihe stellt auch den Anspruch
kulturpolitische Themen zu behandeln.
Die ersten sechs Episoden (drei sind
bereits Online bzw. auf iTunes abrufbar) stellen sich der Frage: Wie sollte
eine Literaturpolitik der Stadt Wien aussehen? Zu hören sind im Rahmen der
Literaturförderungsenquete Marianne Gruber (Österreichische Gesellschaft für
Literatur), Erich Klein (Kulturzeitschrift Wespennest), Eva Brenner (Theater
Fleischerei_mobil) und Stephan Teichgräber (IG Kultur Wien). Moderation: Gerhard
Ruiss (IG Autorinnen Autoren). Die IG Autorinnen Autoren haben diese sechs
Episoden dankenswerterweise auch finanziell unterstützt.
Die nächste
Podcast-Reihe steht bereits quasi vor der Tür, konkret handelt es sich dabei um
die Video-Podcast-Reihe Berufsfeld Architektur in Kooperation von TU Wien und
Kulturwoche.at. Die offizielle und öffentliche Präsentation findet am 12.12.2011
in den Räumlichkeiten der IG Architektur (Gumpendorferstr. 63B, 1060 Wien)
statt.
Davor gibt es noch zwei weitere Termine in eigener Sache: Am 9. und
10. Dezember moderiere ich im Theaterhaus Garage X (Petersplatz 1, 1010 Wien)
nach der Aufführung vom Theaterstück Working Class Zero die Gespräche mit
Robert Misik (der Polit-Autor und Blogger) und Friedrich Hinterberger (SERI), sowie
mit Heide Kouba, die Drehbuchautorin von "Einstweilen wird es Mittag", der Film
über die Arbeitslosen von Marienthal von Karin Brandauer. Auch hier - im
Theaterstück und in den nachfolgenden Gesprächen - ist das Thema ein generell
kultur- und gesellschaftspolitisches. "Working-Class-Zero" (Inszenierung: Fanny
Brunner; Dramaturgie: Hans-Jürgen Hauptmann) nimmt dabei die Zukunft von Arbeit
und die Entwicklung ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen unter die Lupe.
Und
auch Kulturwoche.at-Redakteur Robert Fischer wird wieder moderieren, und zwar am
16.12.2011 in der Arena Bar (Margaretenstr. 117, 1050 Wien) die vierte Auflage
der Gesprächsreihe in Gedenken an Günter Brödl. Diesmal zu Gast ist der
ausgewiesene Kurtologe Heinz Plehn und der Filmregisseur Thomas Roth.
Musikalisch untermauert wird der Abend von den Wienerlied-Erneuerern Wiener
Glüh'n.Ja, und wenn man danach achtmal die Nacht durchtaucht steht auch
schon das Christkind vor der Tür. :-))
Apropos Tür: Bis dahin gibt es
natürlich - wie jedes Jahr - unseren Adventskalender mit täglichem Gewinnspiel,
das bereits in einigen Gewinnspiel-Blogs zu den "Besten Gewinnspiel-Adressen aus
Österreich" aufgenommen wurde.
Und somit wünscht die Redaktion eine möglichst
stressfreie Kulturwoche. (Manfred Horak; 6.12.2011)
|
|
Komm großer schwarzer Vogel gemma
Tauben vergiften im Park weil da singt heit ana auf da Gassn [...]
R.I.P.
Ludwig Hirsch.
R.I.P. Georg Kreisler.
R.I.P. Reinhard Liebe.
Nicht
(mehr) vorhanden:
Literaturpolitik in Wien.
Interview. Interview.
Georg
Altziebler. Ineke Houtman.
Interview. Interview.
Alexandros Karozas.
Anoushka Shankar.
NEU ab 12.12.2011:
Video-Podcast-Reihe Berufsfeld
Architektur (via iTunesU in Kooperation mit der TU Wien).
Musik aus
Österreich. Buchrezensionen. Filmkritiken. Theaterberichte.
Jedes Lied
erzählt eine andere Geschichte über das Wagnis des völlig freien Lebens auf der
Suche nach Identität. Immer mit dabei: Die Verarbeitung der eigenen Geschichte.
Kurzum: Menschen. Motive. Meinungen.
"Und wenn ich einmal genug hab' und mir
die / Zähnd mit einer Black und Decker putz' / und mir Piranhas in's Fußbad
einehau, / merkt's Euch, liebe Leut', ich kann gehen, wann / und wie ich will,
das geht Euch überhaupt nix an." (Ludwig Hirsch, 1979).
Somit wünscht die
Redaktion eine überlebenswillige Kulturwoche.
(Manfred Horak; 25.11.2011))
|
|
Der Baum, der den einen zu
Freudentränen rührt, ist in den Augen des anderen nur ein grünes Ding, das im
Weg steht...
...schrieb William Blake vor gut zweihundert Jahren, und: "Manchem
erscheint die Natur ganz lächerlich und verbildet [...] und mancher sieht
überhaupt kaum die Natur. Aber den Augen eines mit Fantasie begabten Menschen
ist die Natur selbst Fantasie. Wie ein Mensch ist, so sieht er." In "Haben
oder Sein" schrieb der Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Erich Fromm
wiederum: "Wir waren im Begriff, Götter zu werden, mächtige Wesen, die eine
zweite Welt erschaffen konnten, wobei uns die Natur nur die Bausteine für unsere
neue Schöpfung zu liefern brauchte." Aus dem ursprünglichen Vorhaben jedenfalls,
Wissen als Macht einzusetzen und sich der Natur zu unterwerfen, um diese nutzen
zu können, passierte das genaue Gegenteil, ein Fatalismus: Aus den von uns
geschaffenen wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten wurden wir so gierig die
Natur zu unterwerfen, um sie auszubeuten.
"Unser Wegwerfen von Lebensmitteln
führt indirekt zum Hunger in der Welt", erklärt denn auch Prof. Joachim von
Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn im besonders wertvollen
Dokumentarfilm Taste the Waste von Valentin Thurn, der ab sofort im Kino zu
sehen ist. Gesellschaftskritik wird auch in so manchen Kinofilmen geübt,
die beim Kinderfilmfestival 2011 gezeigt werden, sei es in Mein Großvater der
Bankräuber, sei es im südkoreanischen Film Jiburo, sei es in "Hände weg von
Mississippi" von Detlev Buck oder in der Verfilmung von Christina Herrströms
Roman Tausend mal stärker, der ordentlich am Klassensystem rüttelt. Insgesamt
werden beim Kinderfilmfestival Wien zwischen 12. und 20. November 14 Filme
gezeigt, und bei einem Film, nämlich bei der herausragenden norwegischen
Produktion "Anne liebt Philipp", bietet die Festivalleitung in Kooperation mit
Dschungel Wien dem jungen Publikum und Schulklassen einen Workshop an, um so ihr
Filmerlebnis in spielerisch-kreativer Form aufzuarbeiten - hört dazu das
Interview mit der Theaterpädagogin Simone Weis.
Das sind noch lange
nicht alle Themen, die neu auf Kulturwoche.at nachzulesen bzw. nachzuhören sind.
Fortgesetzt wurde z.B. auch die Artikel-Reihe zum Thema Georg Danzer. Im vierten
Teil erzählt sein langjähriger Manager Franz Christian Schwarz alias Blacky über
das große musikalische Vermächtnis von Georg Danzer, mit Fernando Botero
wiederum - dessen Werke im Bank Austria Kunstforum zu sehen sind - sprachen wir
über den künstlerischen Werdegang von Botero und über die Wurzeln in der Kunst,
und wir führten Interviews mit Ildiko Raimondi, die soeben ein Album mit Goethe
Lieder veröffentlichte, sowie mit der estnisch-schweizerischen Sängerin Ingrid
Lukas ("Silver Secrets") und mit dem Folk-Duo Papermoon sprachen wir über
Hippies, Wallstreet-Haien und anderen Lebensgefühlen. Ja, und wir warfen einen
Blick in die Systematik des Lebens in der voluminösen Bild-Enzyklopädie Die
Urzeit. Somit wünscht die Redaktion eine zukunftsträchtige Kulturwoche. (Manfred Horak; 10.11.2011)
|
|
Kinder ohne Zukunft
führen Krieg mit der Gegenwart
Dies sang einmal Georg Danzer, dessen Lebenswerk (27
Studio-Alben! Wobei: es gäbe noch mehr, aber einige mussten außen vor bleiben)
nun in einer Remastered-Serie, teilweise erstmals auf CD, vorliegt. Remastered
(hier muss man eigentlich sagen: erneut remastered) wurden auch die 14
Studio-Alben von Pink Floyd. Beiden widmen wir eine groß angelegte
Artikel-Reihe, die jeweils ersten drei Teile sind bereits Online.
Und auch
sonst gibt es allerhand Lese- und Hörstoff, z.B. ein Interview mit dem
oberösterreichischen Komponisten Helmut Rogl, dessen gesamtes Cello-Werk nun
veröffentlicht wurde bis hin zum mehrteiligen Podcast Interview mit Georg
Ringsgwandl, der zwischen 19. und 22.10. im Stadtsaal über "Das Leben und
Schlimmeres" berichtet.
Bereits in Wien gastierte Max Raabe und das Palast
Orchester und wir bitten gnädigst, uns die Möglichkeit einzuräumen die Kritik
zum Konzert an dieser Stelle nachzureichen. Ja, und natürlich waren wir auch
wieder im Theater. Im Visier stehen Nachberichte zum OdeonTanz 3 und Szene
Bunte Wähne bis hin zum ersten Theaterstück von Daniel Kehlmann, der
wahrscheinlich auch noch im Alter von 50 Jahren als "Österreichs literarisches
Wunderkind" bezeichnet werden wird, sowie, als "funkelndes Beispiel der
weiblichen Emanzipation", das Aufeinandertreffen von George Sand und Frédéric
Chopin. Und das ist noch nicht alles: Über "die politische Unfähigkeit der
herrschenden Machteliten" empört sich Stephane Hessel, schreibt Tristan Jorde,
und zuguterletzt hörten wir freilich auch neue CDs: den klassen Zweitling von
Ingrid Lukas, das Debüt vom Frauen-Duo Boy und die "Groove Generation" von Rens
Newland.Somit wünscht die Redaktion eine lesefreudige Kulturwoche. (Manfred Horak; 19.10.2011)
|
|
"Ihr Podcast ist einer der
wichtigsten in Österreich." Danke. Auch so kann ein E-Mail beginnen. Und so weiß
ich auch, dass erstmals ein Podcast Barcamp Vienna stattfinden wird, das ich
somit gleich mal mit Freude ankündige. Das "Podcast Barcamp" geht am 15. und 16.
Oktober 2011 in Wien im sektor5 coworking spaces über die Bühne. Eruiert
werden soll dabei unter anderem, wie es eigentlich um die Podcast-Szene in Wien
bzw. Österreich steht. "Wir wollen daher", so die Erst-Info, "alle
PodcasterInnen, angehende PodcasterInnen, PodcasthörerInnen und alle
Interessierten zusammenbringen und über alle Themen diskutieren, die wichtig
sind, um einen Podcast zu produzieren und zu hören." Klingt gut und direkt groß.
Mehr darüber demnächst an dieser Stelle.
Apropos: Neu zu hören ist das Podcast
Interview mit dem Regisseur Kornel Mundruczo über den Kinofilm "Tender Son - Das
Frankenstein Projekt", das uns inhaltlich auch zum Thema "Minderheiten" führte.
Eine Minderheit in Österreich ist inzwischen auch der Mittelstand. Nackte Zahlen
dazu liefert als Gastkommentar Leo Lukas und Simon Pichler. Ein großes
Dankeschön an dieser Stelle. Neu eingerichtet, quasi als Expositur von
Kulturwoche.at, wurde kürzlich ein Blog mit dem Titel Kulturkanal und dem
Untertitel "One more Blog of Tipps" (bei Dylan hieß es noch "One more cup of
coffee"; so ändern sich halt die Zeiten), und überhaupt gibt es einmal mehr
ordentlich viel zu entdecken.
Somit wünscht die Redaktion eine leistbare
Kulturwoche. (Manfred Horak; 21.9.2011)
|
|
Unzählige Male wurde Mary Shelleys
Frankenstein bereits nachgeahmt und - besonders im Film - trivialisiert. Der
ungarische Regisseur Kornél Mundruczó ließ sich von diesem literarischen Stoff
ebenfalls inspirieren, zeigte es zunächst als Bühnenfassung bei den Wiener
Festwochen 2009 und bringt nun die Kinofilmfassung nach Wien, und zwar ab 23.9.
exklusiv ins Wiener Metro Kino. Titel: Tender Son - Das Frankenstein Projekt
(Filmverleih: POOOL). Mundruczó verlegte die Geschichte in die ungarische
Gegenwart, der Film spielt hauptsächlich in einem zerfallenden, von Gerüsten
gestützten Wohngebäude in Budapest. "Das Gebäude kurz vor der Renovierung", so
Mundruczó, "repräsentiert sowohl ein Bild der Zerstörung als auch einer
bevorstehenden Wiedergeburt." Dem Regisseur gelang mit Tender Son ein
verstörender Film, in dem das Monster unsere eigene Schöpfung ist.
In dieser
Ausgabe beschäftigen wir uns zunächst noch einmal mit dem Klassiker von Shelley,
das vor einiger Zeit in einer Neuauflage im Aufbau Verlag erschien, nächste
Woche folgt dann die Filmkritik und ein Interview mit dem Regisseur. Quasi als
Überbrückung dient unser Gewinnspiel, bei dem Premierenkarten zu gewinnen sind,
wie immer natürlich mit einer urschweren Frage. :-))
Apropos urschwer: Da
die Zeiten für den Mittelstand (oder das, was davon übrig blieb) schwer sind,
vertieften sich Leo Lukas und Simon Pichler in die Materie Nackte Zahlen. Zu
sehen ab sofort im Kabarett Niedermair. Passend zum Thema Mittelstand, aber
auch passend, was die Geschichte eines Literaturklassikers, verlegt in die
Gegenwart, betrifft, das besonders sehenswerte Theaterstück Villa Dolorosa:
Drei missratene Geburtstage (KosmosTheater) über eine Erbengeneration 'On the
Highway to Mittelmaß'. Eine böse Komödie frei nach Tschechows "Drei Schwestern"
von Rebekka Kricheldorf unter Regisseurin Katrin Schurich, mit der wir übrigens
ein ausführliches Podcast Interview führten.
Somit wünscht die Redaktion eine
verdienstvolle Kulturwoche. (Manfred Horak; 16.9.2011)
|
|

Als
Literaturwissenschaftlerin ist Hip Hop für mich vor allem eines: Die größte
Kunstform. Jeder MC, der sich nicht für die typischen "Ich bin geil, ihr seid scheiße"-Texte
hergibt ist ein einzigartiger Lyriker. Für das Schreiben von Raptexten braucht
man vor allem Übung und auch eine gehörige Portion Talent für den Umgang mit
Sprache.
Wenn man sich dann auch noch den perfekt passenden DJ angelt oder
die Beats gleich selbst produziert, dann entsteht meist so viel mehr als ein
Musikstück zum Kopfnicken. Die meisten Raptexte beinhalten
gesellschaftskritische Sprengkraft, das Ausloten von Persönlichkeiten oder eine
gute Portion Selbstironie.
Das macht Hip Hop so interessant und spannend. Das
Genre befindet sich ständig auf dem Weg in neue Richtungen und bleibt doch ein
Sprachrohr für Leute, die Missstände anprangern, sowie eine Kultur des
Widerstandes. Rap schafft Identitäten und hat zumindest das Zeug, um etwas zu
bewegen. Nicht zuletzt deshalb hat sich Hip Hop in den vergangenen Jahrzehnten
immer weiter im Musikgeschäft etabliert, ist von seiner Außenseiterrolle zu
einer festen Größe geworden und genau das wurde auf Deutschlands größtem
Festival für Beats und Rhymes - dem Splash - gefeiert.
Kulturwoche.at war
heuer das erste Mal Zeuge des großen Spektakels und liefert hier alle Eindrücke
zum Festivalzirkus. Viel Spaß beim Stöbern in Hip Hop Welten der älteren und
jüngeren Schule! (Katja Kramp; 3.8.2011)
|
|
When a woman gets in
trouble
Everybody throws her down
Lookin' for your good friend
None can
be found
(Robert Johnson; 1936)
A black eyed dog he called at my
door
The black eyed dog he called for more
A black eyed dog he knew my
name
(Nick Drake; 1974)
When you’re standing at the crossroads
That
you cannot comprehend
Just remember that death is not the end...
(Bob
Dylan; 1988)
2 Alben, 1 DVD und eine Handvoll guter Songs von Amy
Winehouse, die am 23.7.2011 im Alter von nur 27 Jahren starb, werden in
Erinnerung bleiben. Auf den ersten Blick nicht viel. Für eine von Mythen
behaftete Legendenbildung wird es dennoch allemal reichen. Wir alle (ahnen es
zu) wissen, warum das so ist. (Manfred Horak; 26.7.2011)
|
|
Ein Stück Arbeit
Jazz und Artverwandtes setzt sich
auch in dieser Ausgabe des Kulturbriefs durch, nicht nur, aber auch. Neben einem
Rückblick auf das Konzert von Ben Sidran im Porgy & Bess gibt es einige
detaillierte Blicke auf die aktuellen Alben u. a. von Marilyn Mazur, Pee Wee
Ellis, Madeleine Peyroux und Cyndi Lauper, deren Konzerte beim Jazzfest Wien ja
allesamt noch anstehen. Des weiteren werfen wir einen Blick auf Nova Rock 2011
zurück und berichten, was kommt, z.B. das SPLASH! Festival in Gräfenhainichen
bei Leipzig und die Uraufführung vom Theaterstück Guter Morgen Marienthal: Ein
Stück Arbeit, inspiriert von der unter Soziologen weltweit bekannten Studie
„Die Arbeitslosen von Marienthal“ wie auch von dem Buch „Vita Activa oder Vom
Tätigen Leben“ der deutsch-amerikanischen Politikwissenschaftlerin des 20.
Jahrhunderts, Hannah Arendt. Als in den dreißiger Jahren des vorigen
Jahrhunderts ein ganzes Dorf mit einem Schlag arbeitslos wurde, folgte nicht
Revolte, sondern Resignation - die Einwohner versanken in tiefer Apathie. Zu
sehen ist das Theaterstück am Ort des damaligen Geschehens, in Gramatneusiedl.
Lesenswert ist auch der Gastkommentar von Monika Herschberger über das kürzliche
zu Ende gegangene Kunst- und Kulturfestival TATORT Hernals. Und noch ein
Rückblick: Katharina Fischer besuchte das Filmfestival Identities und
berichtet über die erinnerungswürdigsten Filme. Apropos Film: Kate Bush
veröffentlichte quasi soeben mit Director's Cut einen weiteren Meilenstein in
ihrer Karriere. Auf ein Album von ihr muss man ja in der Regel einige Jahre
warten, sich also ziemlich gedulden, aber es lohnt sich immer wieder. Anzubieten
haben wir auch zwei Interviews. Jenes mit Heather Nova, das Robert Fischer
führte, sowie das im Spaceroom zwischen Wien und Auckland entstandene Podcast
Interview mit einem der führenden Orgel-Spieler, James Tibbles. Und weil das
Stichwort Podcast gefallen ist: Nicht vorenthalten möchte ich wieder einmal die
Audio-Podcast-Charts bei iTunes. Zurzeit sind wir mit einer Episode aus der
Podcast-Reihe Kulturviertelstunde unter den Top 3, mit zwei Episoden unter den
Top 4, mit sechs Episoden unter den Top 30, mit 10 Episoden unter den Top 100
und mit 23 Episoden unter den Top 200. Ergibt eine ziemlich gute Quote, wenn man
das mal so flapsig formulieren darf. Und auch die Podcast-Reihe als Ganzes ist
weiterhin Top platziert, nämlich auf Rang 5 in der Kategorie "Darstellende
Kunst", bzw. auf Platz 30 in jener Wertung der iTunes-Charts, in der alle
Sparten zusammengefasst sind. Da kann man nur sagen: Danke an die vielen
Hörerinnen und Hörer! Somit wünscht die Redaktion eine apathiefreie Kulturwoche.
(Manfred Horak; 30.6.2011)
|
|
Jazz und Artverwandtes...
...ist in
dieser Ausgabe des Kulturbriefs der Schwerpunkt, und das hat seinen guten Grund,
startet doch bereits am 15.6. das 21. Jazz Fest Wien, und zwar mit Marianne
Faithfull und Matt Dusk. Das Eröffnungskonzert ist gleichzeitig eine Charity
Gala für United Nations Women's Guild, jener Organisation, die sich für weltweit
in Not geratene Kinder und Mütter einsetzt. Das diesjährige Jazzfest bietet ein
super Programm mit erdenklich vielen Höhepunkten, wir haben für Euch eine
(erste) Auswahl an CD-Rezensionen zusammengestellt und hieven noch einmal unser
Interview mit Saxofour an die Oberfläche. Darüber hinaus gibt es auch jede Menge
Eintrittskarten zu diversen Jazzfest-Wien-Konzerten zu gewinnen. Diesmal sind
die Juni-Konzerte an der Reihe, beim nächsten Kulturbrief geht es diesbezüglich
munter weiter. Und noch ein weiteres Festival startet diese Woche, allerdings
zum ersten Mal, nämlich das Kunst- und Kulturfestival TATORT Hernals mit Kunst
aus allen Sparten. In einem Zeitraum von zehn Tagen, zwischen 16. und 26. Juni
2011, werden ausgewählte Orte zwischen Elterleinplatz und Ottakringer Straße zum
Experimentierfeld künstlerischen Handelns und Erlebens. Durch verschiedene
künstlerische Projekte wie Ausstellungen, Performances und Interventionen im
öffentlichen Raum, rückt der Vorstadtbezirk Hernals in den Fokus der
Aufmerksamkeit. Künstler und Künstlerinnen, die in Hernals sowie auch
überregional tätig sind, lassen sich auf die Begegnung mit bekannten und
unbekannten Orten ein. Offiziell eröffnet wird der Veranstaltungsreigen am 18.
Juni 2011 um 16 Uhr im Basislokal in der Geblergasse 47 in 1170 Wien. Diese 'low
budget Festwoche Hernals' verspricht im Übrigen weitaus spannender zu werden als
die 'Big Budget Festwochen', die wir gerade (zum Teil mit Schaudern; Stichwort
Frank Castorf 'Der Spieler') erleben. Zwei Rückblicke (Wastwater und Mission) gibt es bereits zum
Nachlesen, weitere werden folgen. Somit wünscht die Redaktion eine möglichst
erfreuliche Kulturwoche. (Manfred Horak; 14.6.2011)
|
|
Hut ab!
Kürzlich feierte
Wolfgang Niedecken von BAP seinen 60er, und jetzt ist Udo Lindenberg dran. 65
ist er nun, der u. a. den Satz prägte, "Alle Tage sind gleich lang jedoch
verschieden breit". Während Rio Reiser mit Ton Steine Scherben den Schlüssel für
Rock in deutscher Sprache fand, riss Udo Lindenberg mit dem Panik-Orchester und
mit seiner schnoddrigen Alltagssprache die Türen weit auf. Dass er mit seinem
bislang letzten Album Stark wie Zwei ein Udonautisches Album allererster
Güte vorlegte und damit einen Riesenerfolg feiern konnte, haben nicht mehr allzu
viele erwartet, aber für überraschende Lindenwerke war der Panik-Präsident ja
immer wieder gut. Zu seinem 65er jedenfalls gibt es in Neuauflage zwei
Bildbände, und wir zeigen euch, was man darin sehen und lesen kann. Und auch ein
guter Freund von Lindenberg feierte dieser Tage (seinen 70.) Geburtstag: Eric
Burdon. Und weil wir schon bei der Zahl 70 sind: Am 24.5. wird Bob Dylan 70;
rund um seinen Geburtstag sind eine Vielzahl an Festivitäten im Gange, auch in
Wien, z.B. ein mehrtägiges Symposium mit internationalen und hiesigen
Dylanologen (19.-21.5.) im Amerikahaus, bis hin zu einem mehrstündigen
Gesprächsabend am 26.5. in der Arena Bar (1050 Wien) mit Musikern, Literaten,
Schauspielern und sogar einem Zen Meister, Live-Musik inklusive. Mehr über Dylan
gibt es im nächsten Kulturbrief. Für diese Ausgabe sind wir einige Fragen
nachgegangen, z.B. Wie Branka sich nach oben putzte, ob sich Nadine Beiler für
das Song Contest Finale von Mireille Mathieu etwas auslieh, und warum
Prokrastination zum Kurzschluss führt. Darüber hinaus gibt es wie immer einige
Interviews, diesmal mit den MCs Flip, Huckey, Laima und Skero von Texta, sowie
mit Edo Zanki, Julia Neigel und Lizzie Nunnery.
Gibt also wieder viel zu
lesen und somit wünscht die Redaktion gleich mal eine lesefreudige Kulturwoche.
(Manfred Horak; 19.5.2011)
|
|
In dieser Ausgabe beschreiten wir
lange Wege.
Wir berichten über die emotionale Identifikation und dem
Qualitätssiegel der Musik Box Austria, wir befassen uns ausführlich mit Alben
wie "Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit", kurz: DMD KIU LIDT,
wir sprachen mit Sängerin Mary Lamaro von der Mary Broadcast Band, wir
unterhielten uns mit dem Klassikmusiker Firmian Lermer über Mozarts Divertimento
und führten ein Interview mit der Fotografin Nadja Meister über Pressefotografie
als Beruf und Leidenschaft. Und: Wir werfen einen Blick auf Viennafair 2011 und
haben nochmals nachgehört, was ein Solitär wie Bob Dylan auf seinem Debüt-Album
sang (er wird im Mai 70 und - z.B. am 26.5. in der Arena Bar Wien - groß
abgefeiert). Darüber hinaus gibt es jede Menge Rezensionen, sowie
Konzertkritiken - von Pearl Jam, Paul Simon, Bruce Cockburn und Richard Thompson
bis hin zu Texta, Bodo Wartke und In Extremo. Wir hörten vergleichsweise die
neuen Alben von Attwenger und von BAP auf CD und im guten alten Vinyl-Format,
und wir befassten uns mit Begriffen wie "Extremismus" und "totalitär" anhand des
Buchs Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich. Schließlich bieten
wir Euch noch einige Live-Tipps, allen voran das Seewiesenfest im
oberösterreichischen Kleinreiflingen am 28. Mai. Es gibt also wieder jede Menge
zu lesen und zu hören. Die Redaktion wünscht somit eine unterhaltsame
Kulturwoche. (Manfred Horak; 11.5.2011)
Kulturbrief-Abo
Gewinnspiele
|
|
Getting Ready for Christmas Day
heißt
das erste Lied auf dem neuen Paul Simon Album "So Beautiful or So What". Aber
keine Sorge: Das Rennen um das erste Weihnachtsalbum 2011 ist damit nicht
eröffnet, man kann es eher in jene Sorte von Song einordnen, wie wir es bereits
z.B. von Lou Reed ("Xmas in February") oder von Steve Earle ("Christmas in
Washington") kennen. Paul Simon ist nicht der einzige aus der älteren
Musikergeneration (der Mann wird heuer 70), der ein neues gutes (wenn nicht
sogar sehr gutes) Album vorlegt, da wäre z.B. auch Bruce Cockburn mit "Small
Source of Comfort". Und weil jeder vom Paul Simon Album schwärmt (wie erwähnt,
es ist ein gutes) - was Cockburn da vorlegt ist phänomenal, nicht nur, wenn er
im Song "Call me Rose" singt: "My name was Richard Nixon only now I'm a girl /
you wouldn't know it but I used to be the king of the world." Ho! Ho! Ho! Der
66-jährige Kanadier tourte übrigens immer wieder mal mit Richard Thompson, der
wiederum im Vorjahr das Album "Dream Attic" veröffentlichte und heuer zum
Jazzfest Wien und zum Musikfest Waidhofen/Thaya kommt. Nach 26 Jahren
Österreich-Abwesenheit! Das muss groß gefeiert werden, so wie ja auch Bob Dylan
zum 70er in Wien groß abgefeiert wird.
Aber halt, das sind ja eigentlich
alles noch zukünftige Themen, die wir näher beleuchten werden, in dieser Ausgabe
kommen andere zum Zug. Belle & Sebastian z.B., die am 16.4. im Gasometer
aufspielen werden, sowie die junge Punk Band The Dead Class aus Liverpool, zu
hören am 4. und 5. Mai in Wien und in Linz. Des weiteren haben wir ein Interview
mit dem in Wien lebenden Musiker Matthias Jakisic geführt, der gleich 5-mal in
der Kategorie "Hervorragende Musik" für "Stella 11" - den Preis für Darstellende
Kunst für junges Publikum - nominiert wurde, und wir sind sowohl von der
österreichischen Jazzpianistin Julia Siedl begeistert, die mit ihrem Quartett
das hervorragende Debüt-Album "Minisawattack" vorlegt, wie auch von Billisich
& Band und ihrem Album "Lasterlieder". Beide Bands sollte man unbedingt auch
live hören.
Und aus. Die Redaktion wünscht eine erfrischende Kulturwoche.
(Manfred Horak; 8.4.2011)
|
|
Anthropozän
Wir Menschen
sind doch so was von toll, wir schaffen komplexe Vorgänge, können, dem Urknall
auf der Spur, bis weit in die Vergangenheit blicken [und manche sogar in die
Zukunft, Stichwort Zukunftsforscher, wobei ein Zukunftsforscher, Karlheinz
Steinmüller, einmal relativierend meinte: "Prognosen machen wir ganz selten. Wir
haben da eher den Spruch von Mark Twain verinnerlicht: 'Vorhersagen sind
schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.'"; Anm.], kreieren nicht
nur Kunst, sondern auch Kunststoff, quasi einen Plastic Planet; wir verformen
ganze Landstriche und wir sind ein Hort an Experten. Blöd nur, dass wir Experten
an Überheblichkeit leiden und tatsächlich glauben unzerstörbares zum Wohle der
Menschheit schaffen zu können - ob zu Lasten der Natur ist dabei sekundär, wie
uns Tiefseebohrungen oder eben todsichere Atomkraftwerke zeigen. All dies gehört
übrigens genauso ins Zeitalter der Menschen (Anthropozän) wie die Begriffe
"Lebensstandard" und "Technologie". Wenn man diese zwei Faktoren und die
Bevölkerungszahl miteinander multipliziert ergibt sich der Einfluss der
Menschen, also wie der Mensch die Welt verändert (ausführlich nachzulesen in der
März 2011-Ausgabe von National Geographic).
Kunst und Kultur bzw. Künstler an
sich sind dabei oft Reflektoren, Spiegelvorhalter, Warner. Rio Reiser z.B.
schrieb 1987 das Lied "Wann" (zu hören auf seinem Album Blinder Passagier): "Du
sagst, du willst die Welt nicht ändern, und ich frag mich, wie machst Du das
nur? / Du bist doch kein Geist in der Flasche und du bist auch kein Loch in der
Natur. / Denn nach jedem Schritt, den du gehst und nach jedem Wort, das du sagt,
/ Und nach jedem Bissen, den du ißt, ist die Welt anders als sie vorher war. […]
Du sagst, du willst die Welt nicht retten, das ist dir alles ne Nummer zu groß.
/ Und die Weltenretter war'n schon so oft da, nur die meisten verschlimmern's
bloß. / Und doch fragt mich jeder neue Tag, auf welcher Seite ich steh. / Und
ich schaff's einfach nicht, einfach zuzusehen, wie alles den Berg runtergeht.
[…] Du sagst, du willst die Welt nicht ändern, dann tun's eben andere für dich.
/ Und der Wald, in dem du vor Jahren noch gespielt hast, hat plötzlich ein
steinernes Gesicht. / Und die Wiese, auf der du gerade noch liegst, ist morgen
ne Autobahn. / Und wenn du jemals wieder zurückkommst, fängst alles wieder von
vorne an. / Wann, wenn nicht jetzt? / Wo, wenn nicht hier? / Wie, wenn ohne
Liebe? / Wer, wenn nicht wir?"
In diesem Sinne wünscht die Redaktion eine
spannende und möglichst strahlenfreie Kulturwoche. (mh)
Kulturbrief-Abo
Gewinnspiele
|
|
"Na, Kleine(r), willst Du lieber mit
Mama oder Papa ins Gefängnis oder willst Du lieber in ein Heim kommen bevor ihr
abgeschoben werdet?"
Am 22. Februar 2011 soll im Ministerrat die Novelle zum
Asyl-, Fremdenpolizei- und Niederlassungsgesetz verabschiedet und im März im
Parlament beschlossen werden. Das bedeutet eine der menschenverachtendsten
Gesetzesnovellierungen in der Geschichte der Republik Österreich mit einer
klaren Überschreitung der Grenzen der Menschwürde. Es wurde daher getan, was
einfach zu tun war - es wurde ein Zeichen gesetzt. Gedreht wurde ein Spot mit
dem Titel Lass ma's bleiben!, mit dabei u. a. Josef Hader, Lukas Resetarits,
Gregor Seberg und Robert Palfrader. Es ist ja eigentlich schon beschämend, dass
ein derartiger Spot überhaupt gedreht werden musste, und Fragen ergeben sich
natürlich auch zuhauf, z.B.: Was sehen eigentlich all jene, die an dieser
Novelle mitgearbeitet haben, tagtäglich, wenn sie in den Spiegel blicken? In
diesem Sinne wünscht die Redaktion möglichst wenig Einfalt, sowie ein klares
Veto gegen die geplanten gesetzlichen Verschärfungen. (mh)
|
|
|
Die IG Autorinnen Autoren, die
Literar-Mechana und der Verlegerverband erklären das Jahr 2011 zum Jahr der
Urheberrechte, das ist auch bitter notwendig, denn die Position der Urheber ist,
vorsichtig formuliert, diffizil.
|
|

Amoi geht's no!
Noch einmal, bevor das Jahr 2010 zu Ende geht, eine Vielzahl an neuen CD-DVD-Buch-Rezensionen, Filmkritiken und Konzertberichten (siehe Startseite), zugleich auch von unserer Seite die besten
Wünsche für ein gelungenes Weihnachtsfest und ein super tolles neues Jahrzehnt.
(24.12.2010; Manfred Horak)
|
|
Gleich mehrere Schwerpunkte bietet
dieser Kulturbrief.
Der Spannungsbogen reicht von der feministischen Avantgarde
und der großartigen Ausstellung Birgit Jürgenssen Retrospektive im Bank
Austria Kunstforum in Kooperation mit Sammlung Verbund, biegt in die
Adventssinnlichkeit neuer Weihnachtsalben aus Österreich ein (mit dabei: Klaus
Trabitsch und Otto Lechner, MoZuluArt, Mai Cocopelli, herztöne, Karin Bachner
Group) und mündet zu Winterbeginn beim 70. Geburtstag von Frank Zappa. Dem
Gitarristen wird mit "Grand Zappa" ein Buch im Riesenformat gewürdigt, das
perfekt zum Gesamtwerk von Frank Zappa passt: es ist schwer und alles andere als
handlich.
Ach ja, und getanzt wird (bzw. wurde) auch, gegensätzlicher könnte es
gar nicht sein, Stichwort Morton Feldman (im WUK) und die Muppets (auf DVD).
Vertiefend wird zudem vom Rand der Gesellschaft ins Kaminfeuer in der Wiener
Stadthalle geblickt, danach begeben wir uns von einem anderen Stern ins
Tiroler Landestheater, schauen Amy und die Wildgänse auf Blu-ray zu,
betrachten das House of Leaves als labyrinthisches Hörspiel, gehen der Frage
nach was uns wirklich ernährt, berichten vom neuen Dokumentarfilm des
österreichischen Regisseurs Roland Wehap ("Burma displaced"), stellen in einem
Interview das Debüt-Album "Brand New Recipe" von Susanne Plahl vor, baten Sarah
Bettens von K’s Choice zu einem Gespräch und fragen uns, warum der Kinofilm Morning Glory mit Harrison Ford und Diane Keaton ein derartiger
Hollywoodschmus werden musste. Dafür freuen wir uns umso mehr auf den regulären
Kinostart von Elisabeth Scharangs Kinofilmdebüt Vielleicht in einem anderen
Leben. In diesem Sinne: Nur nicht den Humor verlieren! Wie immer wünscht die
Redaktion eine abschiebefreie Kulturwoche. (Manfred Horak; 16.12.2010)
|
|
Wien ist eine Festivalstadt.
Diese
Aussage kann rot unterstrichen werden (und grün natürlich auch). Wohin die
Festivals führ(t)en kann in diesem Kulturbrief nachgelesen werden - ob
Clowninfestival oder Internationales Filmfestival der Menschenrechte, ob
Kinderfilmfestival oder Wien Modern, ob Tanzwut oder Blue Bird, man kann es nur
wiederholen: Wien ist eine Festivalstadt. Da braucht es freilich schon jede
Menge Kunst- und Kulturaffine Kondition, aber auch ein Durchhaltemantra, wie
z.B. gemäß dem Motto des weltweit größten Stressfestivals: Lasst uns froh und
munter sein... [Dazu mehr im nächsten Kulturbrief.]
Garniert wird diese
Ausgabe mit Interviews; wie z.B. jenes mit Joanna Wozny, das Wolfgang Rauscher
führte. Die Überschrift zum Interview, "Kompositionsauftrag meets
Schinkenfleckerl", ist freilich rein zufällig (es gilt die
Unschuldsvermutung). Noch mehr Interviews: William Orbit, der nach 10 Jahren
den zweiten Teil seiner "Pieces in a Modern Style" vorlegt und der bereits Alben
von Madonna, Blur, Beth Orton, Pink, Katie Melua und U2 produzierte, also weit
herum kam. Für ein Interview stand mit Hannes Löschel ein weiterer
reisefreudiger Musiker zur Verfügung. Sein aktuelles Album heißt "Songs of
Innocence" und ist eine Hommage an William Blake; Mr. Blake kennt man vor allem
dann, wenn man intensiv Van Morrison hört oder sich ganz profan für englische
Literatur interessiert.
Apropos Literatur: Neben einigen Buchkritiken finden
sich auch zwei Filmkritiken zum Thema Literatur (Der Geschichtenerzähler, Haus der magischen Geschichten) im Kulturbrief, wie natürlich auch die
Filmkritik zum ersten Teil des Grande Finale der Literaturverfilmung von Harry
Potter. Literatur findet bekanntlich nicht nur zwischen Buchseiten und auf
Kinoleinwänden statt, sondern freilich auch im Theater. Wir waren bei einigen
Aufführungen im Salon5 (Shakespeare), Dschungel Wien (Christiane F.), Theater
Spielraum (Döblin), Theater zum Fürchten im Stadttheater Mödling (John Ford). Zu
sehen gab es rockig düstere Theaterabende, gelungene Inszenierungen,
Annäherungen auf eine ganz eigene und neue Art, Geschichten vom verletzt werden
und der Macht zu verletzen.In diesem Sinne wünscht die Redaktion eine
abschiebefreie Kulturwoche. (Manfred Horak; 25.11.2010)
|
|
In dieser Ausgabe geht es ziemlich
hyperreal zu.
Und damit ist nicht nur die Ausstellung "Hyper Real" im MUMOK
gemeint, sondern auch die assoziativen Musikwanderungen zum Festival Wien
Modern. Das Festival wird von zwei "Wolfgängern" begleitet, die - zwischen
önologischen Studien - über die geballte Ladung Neue Musik auf Kulturwoche.at
berichten.
Und auch sonst gibt es wie gewohnt wieder jede Menge Kritiken,
diesmal liegt der Schwerpunkt im performativen Bereich - Theater (Zwischen neun
und neun im Salon5, Medea im Wiener Klassenzimmertheater), Musiktheater (Till
Eulenspiegel bei Jeunesse Piccolo, Blue Man Group), Musik (Wien Modern,
Gansch'n'Roses).
Ebenso im Fokus diverse Vorschauen, wie z.B. auf "Arts in
Bushwick 2010 BETA spaces" - hier berichtet US-Korrespondentin Denise Riedlinger
über die freie Kunstszene im New Yorker Stadtteil Bushwick im Bezirk Brooklyn. Weitere Vorschauen wie das Kinderfilmfestival und das Clowninfestival runden den
aktuellen Kulturbrief ab. Bonustracks gibt es freilich auch: Z.B. ein (weiteres)
Interview mit Violetta Parisini, eine (weitere) Filmkritik zur Viennale 2010,
und einiges mehr. Entdeckung ist also angesagt.
Zwei spezielle Empfehlungen
noch: Die Wiederaufnahme von Döblins "Berlin.Alexanderplatz" im Theater
Spielraum und die Leseperformance "Krone.Verloren." von und mit Evelyn Blumenau.
In diesem Sinne wünscht die Redaktion erneut eine abschiebefreie Kulturwoche. (Manfred Horak; 11.11.2010)
|
|
Diese Ausgabe huldigt einen ganz
Großen der österreichischen Musiklandschaft: Roland Josef Leopold Neuwirth
feiert am 31.10. seinen 60. Geburtstag, Kulturwoche.at gratuliert herzlich und
freut sich bereits auf die DVD, die im Rahmen seiner beiden Geburtstagskonzerte
im Orpheum Wien am 30.10. (Beginn: 15 Uhr und 20 Uhr) aufgezeichnet
werden.
Des weiteren gibt es auch noch ein sehr gelungenes Debüt-Album des
österreichischen Gitarristen und Sänger Roland Daucher zu vermelden, eine
fantasievolle Jazz-World-Reise durch das deutsche Volkslied von Edgar Knecht,
neues von Bryan Ferry, der erstmals seit 1973 (!) mit Phil Manzanera, Andy
Mackay UND Brian Eno einen Song aufnahm.
Im Fokus steht aber auch wieder
einmal das gute alte Vinyl, das für erstaunliche Umsatzzuwächse sorgt. Wolfgang
Rauscher sprach mit zwei Vinyl-Experten anlässlich der HiFi Messe klangBilder,
Österreichs Messe für gehobene Unterhaltungselektronik, die zwischen 5. und 7.
November 2010 im Hilton Plaza Vienna stattfindet.
Und es gibt natürlich auch
wieder einige Kritiken von Live-Aufführungen, sei es aus dem WUK, sei es aus der
Volksoper Wien, sei es aus dem Theater Spielraum, sowie freilich auch von der
Viennale 2010.
In diesem Sinne wünscht die Redaktion erneut eine
abschiebefreie Kulturwoche. (Manfred Horak; 27.10.2010)
|
|
'Recht muß Recht bleiben' und
'man muss sich an das Gesetz halten'.
"Diese feige Ausrede verwenden gerade die,
die solch unausgereifte und beliebig biegbare Gesetze, die zu so vielen, an den
internationalen Menschenrechten kratzenden Härtefällen führen, beschlossen
haben. Die Kritik an dieser Politik ohne Gewissen muss und wird immer lauter
werden in der Hoffnung, dass die Regierungsparteien sich doch möglichst bald
wieder auf ihren sozialen und christlichen Background besinnen", schrieb uns
der Musiker, Fotograf und Visual-Artist Werner Puntigam, nachdem wir einige
Musiker zur Abschiebung der 8-jährigen Komani-Zwillinge und deren Vater um ein
Statement baten. Was Werner Puntigam sonst noch zum 'Härtefall Fekter' zu sagen
hat, und was die anderen befragten Musiker/innen - Georg Breinschmid, Meena Cryle, Roland
Neuwirth, Violetta Parisini, Walther Soyka und Irmie Vesselsky - zur Deportation
meinen, kann man im Artikel Härtefall Fekter: Über das Unrecht Kinder zu
deportieren nachlesen.
Bleiben wir beim Thema. Der Autor, Musiker und
Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Gerhard Ruiss, verfaßte den folgenden
Text mit der herzlichen Bitte um Unterzeichnung (Name, Berufsangabe, Wohnort;
Retour-Mail an gr[at]literaturhaus.at) und zur
Weiterverbreitung.
AUFRUF
Wir schieben Kinder ab
Die hier
leben,
die hier den Kindergarten besuchen,
die hier in die Schule
gehen,
die mit unseren Kindern in den Kindergärten und auf den
Kinderspielplätzen spielen,
die Mitschüler und Mitschülerinnen unserer Kinder
sind,
die Freundinnen und Freunde unserer Kinder sind,
die hier groß
werden,
die deutsch sprechen und Deutsch zur Muttersprache haben,
die hier
ausgebildet werden,
die Österreich zu ihrer Heimat haben,
die uns zu
Nachbarn haben,
die mit uns leben!
Wir trennen Familien
Wir
schieben ihre alleinerziehenden Mütter ab,
wir schieben ihre
alleinerziehenden Väter ab,
wir schieben ihre Väter und Mütter ab,
wir
schieben Teile von Familien ab und reißen sie auseinander,
wir schieben
unsere Kolleginnen und Kollegen ab,
wir schieben unsere Mitbürger und
Mitbürgerinnen ab,
die uns zu Nachbarn haben,
die uns zu Freunden
haben!
Wir fordern
Die sofortige Einstellung ALLER Abschiebungen bis zu
einer Neuregelung der Aufenthaltsbestimmungen. Wir fordern die umgehende
Umsetzung eines Bleiberechts nach mehrjährigem Aufenthalt mit Rückwirkung für
alle, die bereits abgeschoben wurden, und auf die das gleiche zutrifft. Wir
fordern die uneingeschränkte Einhaltung der Menschenrechte!
Gerhard
Altmann, Autor, Pöttsching/Bgld.
Sabine Gruber, Autorin, Wien
Manfred
Horak, Journalist, Herausgeber Kulturwoche.at, Wien
Alois Hotschnig, Autor,
Innsbruck/Tir.
Robert Huez, Leiter der Dokumentationsstelle für neuere
österreichische Literatur, Wien
Hahnrei Wolf Käfer, Autor, Wien
Johanna
König, Autorin, Klagenfurt/Ktn.
Walter Kohl, Autor, Eidberg bei
Linz/OÖ.
Erika Kronabitter, Autorin, bildende Künstlerin,
Feldkirch/Vbg.
Nils Jensen, Autor, Herausgeber Zeitschrift „Buchkultur“,
Wien
Anna Mitgutsch, Autorin, Vertreterin für Kunst im Publikumsrat des ORF,
Vize-Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Linz/OÖ.
Ursula Prutsch, Autorin,
Historikerin, Universitätsprofessorin, Wien, Pöllau/Stmk., München/D
Werner
Richter, literarischer Übersetzer, Präsident der Übersetzergemeinschaft,
Gerasdorf/NÖ.
Gerhard Ruiss, Autor, Musiker, Geschäftsführer der IG
Autorinnen Autoren, Wien
Hamid Sadr, Autor, Wien
Franz Schuh, Autor,
Wien
Silvia Treudl, Autorin, Leiterin des UNLOE – Unabhängiges Literaturhaus,
Wien-Krems/NÖ.
Heinz R. Unger, Schriftsteller, Wien
Renate Welsh, Autorin,
Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Wien
Klaus Zeyringer,
Literaturwissenschaftler, Universitätsprofessor, Wien,
Pöllau/Stkm.-Angers/F
O.P.Zier, Autor, St. Johann im Pongau/Sbg.
In
diesem Sinne wünscht die Redaktion eine abschiebefreie Kulturwoche. (Manfred Horak; 15.10.2010)
|
|
Die Wahl ist vorbei und da stehen
sie nun mit dem betropezten Lächeln im Gesicht und verkünden ihre Niederlage als
ganz besonders wichtigen Sieg. 
Das Prozedere ist immergleich, neu hingegen ist,
dass die Parteifrauenmänner gemeinsam ihren Wahlsonntag im Lied "Die wahren
Gewinner sind wir" besingen. The Leader of the Pack ist der Vogelvau-Franzi an
der Schrumm-Gitarre, begleitet wird er von den Proporzsängern Die
Steirergoalies. Und los geht's! Woan, Du, Fri, Foa...
Diese Wahl zeigt
uns einwandfrei:
Der Wählertrend geht immer mehr zu unsrer Partei,
Denn
die erdrutschartigen Verluste heute liegen nur
An der ungewöhnlich
sonderbaren Wählerstruktur!
Und in dem, was Sie da eine Wahlschlappe
nennen,
Ist der Aufwärtstrend doch überdeutlich zu erkennen.
Seh'n Sie,
unsere Verluste war'n noch niemals so gut,
Der Kurs stimmt, weiter so, dieses
Ergebnis macht Mut!
Unser Sieg sieht nur beim ersten Blick wie eine
Katastrophe aus,
Vorübergehend sind wir zwar im tiefen Wellental,
Aber
dieser Tiefpunkt ist wie ein Hoffnungssignal!
Man darf die Wechselwähler nur
nicht wegdiskutieren -
Und den Wettereinfluß auf sie aus den Augen
verlieren!
Die Massen wollen uns und das ganz allein zählt,
Und wenn nun
heut nicht grade Sonntag wär',
hätten sie uns gewählt!
Dieser Liedtext
stammt natürlich nicht von hiesigen Politikern, sondern wurde bereits im Jahr
1990 aufgenommen (und beinhaltet zudem noch eine weitere Strophe). Nur: Von wem
ist das Lied? Wer glaubt, die richtige Antwort zu wissen, schicke doch ein
E-Mail mit Name und Postanschrift an mh[at]kulturwoche.at. Zu gewinnen gibt es die
CD Tua weida von Denk. Zu weiteren Gewinnspielen geht es HIER LANG und zum Kulturbrief-Abo bitte schön DIESEN LINK verwenden.
Im Übrigen wünscht die Redaktion wie immer eine
vielfältige Kulturwoche. (Manfred Horak; 28.9.2010)
|
|
Diesmal mit dem Themenschwerpunkt
Musik, und hier wiederum Musik aus Österreich.

Neuerscheinungen wie jene von Georg Breinschmid ("Brein's World"), Herb Berger ("The Bitter End"), Nenad Vasilic ("Just Fly") und "Tua weida" von Denk (sind auch schon wieder
10 Jahre alt - Respekt!) stehen ebenso im Mittelpunkt wie die Bandgeschichte von
Minisex ("Maximum Minisex") und die Kompilationen "WienMusik 2010" und "Migrant Music Vienna".
Darüber hinaus gibt es zwei Interviews (diesmal zu lesen und nicht zu hören) mit
Simone Kopmajer zu ihrem Österreich-Debüt "Didn't You Say" und mit Raphael
Wressnig zu seinem aktuellen Album "Party Factor".
Im Fokus steht aber auch die
Frida Kahlo Retrospektive im Bank Austria Kunstforum Wien, sowie zwei
Nachberichte: die Premierenkritik zu Das Nibelungenlied von und mit Justus
Neumann und die Kritik zum Auftritt von Rickie Lee Jones.
Im Übrigen wünscht die
Redaktion wie immer eine spannende Kulturwoche und eine möglichst kulturelle
Vielfalt. (Manfred Horak; 16.9.2010)
|
|
Eine bunte Mischung verspricht die
Kulturbrief-Ausgabe mit der Triple-Eins.

Einige Rückschauen, wie z.B. die
Gourmetkritik zum Slowfood Abend im Rahmen der Carnuntum Experience 2010 oder
die Premierenkritik zum Theaterstück An der Arche um Acht des
sommer...kinder...theater perchtoldsdorf bis hin zum Festivalrückblick
ImPulsTanz und der Workshop-Reihe [8:tension] spannen den Bogen zu Interviews
und Vorschauen. Da wäre z.B. der große Event für die heimische Musikszene am 16.
September, der Amadeus - Austrian Music Awards. An diesem Abend wird Toni
Stricker den Lebenswerk-Amadeus erhalten, und vielleicht wird auch Violetta
Parisini eine Amadeus-Trophäe in Empfang nehmen, immerhin ist sie in der
Kategorie Pop/Rock nominiert - mit beiden jedenfalls gibt es kurzweilige
Podcast-Interviews. Wie immer haben wir auch Literaturtipps parat. Ulrike Karner
hat sich in Ihrem Erstlingswerk "Allah und der Regenbogen" eines brisanten
Themas angenommen: Homosexualität bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Das bedeutet sehr oft doppelte Stigmatisierung. Im Interview spricht sie
ausführlich darüber, so wie Hans "ich will nicht der Mörtel Lugner der
Festivalbranche sein" Hurch in gewohnter Ausführlichkeit erste Einblicke ins
Viennale Programm gibt. Und auch die Kulturpolitik kommt nicht zu kurz: Lest
doch mal den Offenen Brief von der Musikerin Cordula Bösze an Bundesministerin
Dr. Claudia Schmied.
Im Übrigen wünscht die Redaktion eine spannende Kulturwoche
weit über den Gefrierpunkt. (Manfred Horak; 8.9.2010)
|
|
Die Urlaubsbedingte Kulturbrief-Pause im Juli wird in der zweiten August-Hälfte
fortgesetzt.
So richtig da sind wir wieder in der ersten Septemberwoche. Dennoch
gibt es freilich einige interessante Neuerscheinungen und Tipps. Den Sommer
können wir damit zwar nicht verlängern, aber hoffentlich quasi ein wenig
versüßen. Da wären z.B. die wunderbaren Alben von Simone Kopmajer (Didn't You
Say), Julia A. Noack (69.9), Dr. John and the Lower 911 (Tribal), sowie von Willi Resetarits &
Stubnblues (16 Liada fia olle und 3 Gedichta fia d Moni).
Apropos Lieder: Gute
Bücher seien an dieser Stelle ebenso empfohlen, z.B. "Lied ohne Worte" von
Sofja
Tolstaja, humorvolles von Matthias Keidtel (Geht doch!) bis hin zum poetischen
Jugendbuch "Wie die Wörter tanzen lernten" von Ludwig Harig, einem neuen
Abenteur von Drache Kokosnuss und seinen Freunden für die ganz jungen Leser und
einige mehr.
Ein paar Nachträge sind auch noch nachzuholen, Stichwort
Jazzfest Wien, Stichwort ImPulsTanz 2010, Stichwort Forestglade in Wiesen
(Burgenland). Tja, und schließlich werfen wir noch einen Blick in "Die
vollkommene Fotografie", der
Heinrich Kühn-Ausstellung in der Albertina. Nicht
versäumen sollte man übrigens die Carnuntum Experience 2010 zwischen 13. und
29. August, das bereits zum fünften Mal spannende und entspannende
Programmpunkte für die gesamte Familie bietet. Und eine erste Vorschau auf den
September sei auch gestattet, nämlich auf Machen wir uns stark. 18. September
2010, jene Großkundgebung am Wiener Heldenplatz, die sich für einen Kurswechsel
in der Asyl- und Fremdenpolitik, für eine mutige Bildungspolitik und für eine
gerechtere Verteilung des Wohlstands starkmacht.
Die Redaktion wünscht
sommerliche Kulturwochen. (Manfred Horak; 8.8.2010)
|
|
Nachbesprechung beim Heurigen.
Das sommerliche Treffen soll erneut wichtige Fragen klären, Lösungen finden und
Getanes aufarbeiten. Die Polit- und Wirtschafts-Promillenz ist hoch motiviert,
schick frisiert und überhaupt.
Christoph Leitl (SVA-Obmann und Präsident
der Wirtschaftskammer): Leitln, ich freue mich Euch hier…
Chor der
Freunde der Wirtschaftskammer: Ho ho ho, der Leitl hat Humor, der Leitl ist so
froh…
Leitl (fängt nochmals von vorne an): Leitln, es ist mir eine
Ehre…
Chor: Hut ab vor Leitl, wie der variieren kann - ein echter
Künstler!
Ein Zwischenrufer: Geh, lasst ihn doch ausreden, ihr wisst eh,
wie sensibel Künstler sind!
Leitl (unbeirrt nochmals beginnend): Leitln,
grüß Gott, wir feiern heute unsere großen Erfolge der letzten Tage und Wochen.
Zuerst die Versicherungsgeschichte, die ich gemeinsam mit Ärztekammerpräsident
Walter Dorner und seinem Stellvertreter Günther Wawrowsky nach einigen
G’spritzten lösen konnte. Dank der vielen G’spritzten ist uns dann auch noch
eine Genialität ins Hirn geschossen und so haben wir uns also ein einzigartiges
Malus-System überlegt. Meine lieben Trinkgesellen, das ist aber noch nicht
alles! Weil wir die Arigona jetzt auch endlich los sind, möchte ich gleich
unseren heutigen Ehrengast begrüßen, unsere liebe Bundes-Mitzi!
Maria
Fekter (Ministerin für eh schon wissen): Grüß Gott auch von meiner Seite. Das
ist ein Skandal, was da passiert, ein Skandal…
Zwei G’spritzte im
Flüsterton: Was redt die denn? Ich dachte, sie ist froh, dass sie diese
Kosovo-Heulsuse endlich los ist…
Fekter: …ein Skandal, dass dieses
Künstlerpack dagegen protestiert! Sogar unsere Regierungspartner haben
geschnallt, dass es sich um einen reinen Akt der Nächstenliebe handelt - um
österreichische Nächstenliebe!
Leitl: Danke. Fakten-Fekter liegt wie
immer goldrichtig. Aber auch was die hiesigen Kulturschaffenden betrifft, liegen
wir prima im Rennen. Es wurde bereits der eingeschränkte Zugang für erwachsene
Schüler an Musikschulen in Niederösterreich umgesetzt, die Österreichische
Nationalbibliothek hat das österreichische Bucherbe an Google verkauft - als
nächstes ist die zeitgenössische Autorenschaft dran - und der Österreichische
Musikfonds arbeitet auch bereits ganz in unserem Sinne. Ganz zu schweigen von
den großen Medien, die uns alles nachbeten. Lasst uns also anstoßen! Prost auf
die österreichische Nächstenliebe, oder, wie ich immer zu sagen pflege: Gut
geölt ist halb geschmiert und gut geschmiert ist halb
gewonnen.
(Vorhang.)
Die Redaktion wünscht eine aktive
Kulturwoche. (Manfred Horak; 21. Juni 2010)
|
|
Sitzen zwei Redakteure beim
vieltägigen virtuellen Stammtisch zusammen, quasi von Mail zu
Mail.
Redakteur A: Sag, warst schon bei den Festwochen heuer? Soll ja
ziemlich pomali sein, hab ich mir sagen lassen.
Redakteur C: Ja, war ma
schon. Sowohl "Lipsynch" als auch Kapusvetki waren eher mau, ersteres schön in der
Form, aber platt und zweiteres inhaltlich reichhaltig, aber lieblos arrangiert.
Das 100.000 Rosen-Mischmasch fand ich auch schwierig. Wenn das in dem Stil
weitergeht, wird es heuer noch zach.
Redakteur A: Meine Red' - Ka Seel',
viel Knödl. Warst Du übrigens bei jener Aufführung als es so heftige
Niederschläge gab und Wasser ins MQ eindrang?
Redakteur C: Die
Wasserkübelei war einen Tag später, da bin ich zu Robin Hood geschwommen. Fügt
sich gut in die Festwochen ein. Ned schlecht, aber a ka Offenbarung. Das
schauspielerische Talent von Herrn Crowe ähnelt dem von Herrn
Cruise.
Redakteur A: Na ja, hauptsach, nass bist ned worden. Ich schau
mir ja die Dämonen von diesem Dostojewski an - blöderweise hab ich nicht das
Kleingedruckte gelesen, das dauert nämlich 12 Stunden, also einen halben
Tag.
Redakteur C: Ich erinnere mich noch vage an die
Castorf-5-Stunden-Dämonen vor einigen Jahren, die ich sehr stimmig fand.
Trotzdem war schon das nicht unanstrengend und wenn ich da an den Herrn Stein
denke, der für seinen jugendlichen Esprit in den Inszenierungen zuletzt eher
wenig bekannt war, bin ich froh, dass dies Deine Sache zu Betrachten ist. Heute
war ich übrigens bei Exhibit A: Deutsch-Südwestafrika von Brad Bailey im
Völkerkundemuseum. Der verkommt immer mehr zum Holzhammertheatermacher. Ist
nicht unheikel da kritisch zu schreiben ohne gleich einen Argumentationsnotstand
zu bekommen. Mit anderen Worten: Es bleibt mühsam.
(Log Out.)
Im
Übrigen wünscht die Redaktion eine gutgelaunte Kulturwoche. (Manfred Horak; 1. Juni 2010)
|
|
Neulich in Brüssel. Die wichtigsten Männer Europas,
die Finanzminister (in Folge FM), stehen, dicht aneinander gedrängt, am
Flughafen.
FM1: Der letzte Sommer war sehr schön, ich bin in irgendeiner
Bucht gelegen, die Sonne wie Feuer auf der Haut...
FM2: Irgendwo in
Griechenland, jede Menge weißer Sand, auf meinem Rücken nur Deine Hand...
(seufzt)
FM3: Und ich bin Autogestoppt nach Griechenland, und war zum
ersten Mal ganz frei...
FM4: I woa beim Popfest am Koarlsplotz, und erst am
Donnerstag in Athen, olle Musiker woan leiwaund, obwohl i niemand
kenn'...
(KHG, ein ehemaliger FM, drängt sich dazwischen und mischt sich
ein): Finanzamt und Banken steigen mir drauf, die Rechnung, die geht sowieso nie
auf, und irgendwann fragst dich, wieso bin ich nicht längst schon weiß Gott
wo...
Sie werden von Kirke abgeholt, die sie ins Europäische Parlament
bringt. Kirke führt sie hinein und lässt sie auf gut verschnürte Pakete sitzen.
Da aber sind auch die Freier, die übermütigen Männer Europas, in den Räumen des
Hauses sitzend auf Häuten von Rindern; sie sind mit Freude beim
Pokern.
Freier 2: Auf Kreta bleib ich ewig, viel Geld nehm ich nicht mit,
ich leb so lang ich es aushalt' von Spiegeleier mit Pommes Frites.
Freier
1: Geld haben wir ja genug, ich hab noch kaum was gebraucht, und auf 20 Jahre
gibt es Zinsen, dass es nur so raucht. Die Fremdwährungsanleihen hab i sowieso
no, was glaubst, was die wert san, nach 20 Jahren Depot.
Alle FM im Chor:
Immer weiter und schneller muss wachsen das kapitalistische System, aus- und
über sich selbst her- und hinaus, so will es der Schuldendruck, immer mehr
Wachstum ist erforderlich um bedienen zu können, die Schulden, die Schulden, mit
Zinsen, Zinseszinsen und Rückzahlung derselben. Eben dieses schlägt sich nieder
auf den Aktienmarkt, so hört mans jetzt im Radio.
(Abgesang, pardon,
Abgang.)
Texte: Georg Danzer, Homer, Manfred Horak, Gert Steinbäcker
(STS), Vincenz Wizlsperger (Kollegium Kalksburg).
Im Übrigen wünscht die
Redaktion eine finanzkräftige Kulturwoche. (Manfred Horak; 10. Mai 2010)
|
|
"Der hymmel stet polirter klar"
schrieb Oswald von Wolkenstein vor gut 600 Jahren. "Glatt ist der Himmel,
blankpoliert" also, wie Gerhard Ruiss in seinem dritten Wolkenstein-Band So sie
mir pfiff zum Katzenlohn nachdichtete, den er am 22. April in der Alten
Schmiede präsentiert. Apropos blankpoliert: Dass der Vulkan Eyjafjallajökull den
europäischen Flugverkehr massiv beeinträchtigt ist ja das eine, aber was ist mit
den vulkanischen CO2 Emissionen, von wegen blankpoliert? Tatsächlich - so kann
man u.a. im Gadget Weblog Gizmodo.de nachlesen und anhand von Grafiken auch
nachsehen - ist die Verschmutzung durch einen normalen Flugbetrieb in Europa
viel schlimmer. "Die europäische Flugindustrie", heißt es auf Gizmodo,
"überbietet mit ihrem täglichen CO2 Ausstoß den armen Eyjafjallajökull um
344.109 Tonnen." Im Vergleich: Eyjafjallajökull produziert täglich 15.000
Tonnen. Apropos 'Keine Flüge über Europa': Eine apokalyptische Geschichte über
die Folgen des Klimawandels an einem ganz normalen Tag im Juli erzählte der
deutsche Autor Jürgen Domian im Jahr 2008 im Roman Der Tag, an dem die Sonne
verschwand. Und apropos Himmel: Himmelwärts heißt der sensitive
Dokumentarfilm von der Filmemacherin Jacqueline Kornmüller, die ich bei der
Diagonale 2010 zum Interview traf. Und apropos Filmfestival: Am 20. April
startet das Filmfestival Crossing Europe in Linz. Ob alle hinkommen können,
die hinkommen wollen, ist freilich noch ungewiss, Stichwort Eyjafjallajökull.
Gelegenheit dazu gibt es jedenfalls bis zum Tag der Bundespräsidentenwahl. Und
apropos Wahl: Das 20-jährige Bühnenjubiläum feiert die Band Novi Sad und lädt
aus diesem Anlass zum Best of Novi Sad Poll.
Die Redaktion wünscht somit frohe
Bahnfahrten und eine gute Kulturwoche. (Manfred Horak; 20.4.2010)
|
|
"Die besten Witze kommen von den
Juden, und die, die nicht von Juden stammen, sind einfach nicht komisch. Humor
hat für mich also nichts mit 'Witze erzählen' zu tun, also das Ironische, das
die Deutschen so gut beherrschen und mit Humor verwechseln. Humor ist ein
Lebensweg und hat sehr viel mit Toleranz zu tun. Er ist relativierend, und
natürlich spielt immer das 'Prinzip Hoffnung' eine Rolle, er ist ein
Überlebensweg oder Rettungsweg, manchmal ist er die Heiterkeit der Verzweiflung.
Im jüdischen Witz ist die Katastrophe verträglicher, damit man sie ertragen
kann." Sagte einst George Tabori, der mit "Mein Kampf" ein Stück
Theatergeschichte schrieb. Regisseur Urs Odermatt traute sich an diesen
nicht gerade einfach verfilmbaren Stoff heran, der bei der diesjährigen
Diagonale zu sehen war und mittlerweile auch im normalen Kinobetrieb zu sehen
ist. Bei der Diagonale bot sich die Möglichkeit eines Interviews mit Odermatt
und mit dem Hauptdarsteller Tom Schilling. Eine Gelegenheit, die natürlich nicht
versäumt werden durfte. Und überhaupt: Die Diagonale begann mit dem
Eröffnungsfilm "Der Kameramörder" zwar überraschend schwach, bot dafür in Folge
eine hervorragende Auswahl heimischer Filmkunst. Weitere Interviews folgen.
Ergeben hat sich nicht nur der Diagonale-Schwerpunkt, sondern auch einige
Termine im Porgy und Bess, allen voran das herausragende Konzertereignis von und
mit Solveig Slettahjell Slow Motion Orchestra. Die Norwegerin stellte im Porgy
ihr neues Album Tarpan Seasons vor. Muss man einfach kennen - und auch mit ihr
übrigens hatte ich das Vergnügen ein Interview zu führen. Demnächst nachzuhören.
Die US-Korrespondentin von Kulturwoche.at, Denise Riedlinger, hatte wiederum
das Vergnügen Suzanne Vega bei der Arbeit zu hören, und nach Linz begab sich
schließlich unsere Kunstexpertin Nela Eggenberger, die eben dort die Biennale
Cuvée 10 besuchte. Das alles ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt dessen,
was der österliche Kulturbrief bietet.
Die Redaktion wünscht somit frohe
Ostern und eine gute Kulturwoche. (Manfred Horak; 1.4.2010)
|
|
In der Sprache zeigt sich die
Kultur. Alltagssprache in Österreich anno März 2010? "Man hört, dass aus
Zeitmangel Titel aufgewärmt wurden, die aus dem ersten Album zu Gunsten
stärkerer Songs durch den Rost gefallen waren." Autsch. So stand es am 14.3. im
KURIER zu lesen, in der Rubrik Kultur und Medien in einem Bericht über die
Sängerin Amy MacDonald, was wieder einmal Anlass zu etymologischen Überlegungen
gab. Die ursprünglich aus dem Mittelalter stammende Redewendung "durch den Rost
fallen" erhielt durch den Holocaust eine schreckliche neue Bedeutung. Ein Rost
ist ein Eisengitter, das im Ofen zur Trennung von groben Verbrennungsrückständen
und Asche dient. Doch wird die Redewendung heute mit der Verbrennung vor allem
von Juden im Rahmen der Massenmorde während der NS-Zeit assoziiert. Auch an dem
oft flapsig gebrauchten "sich brausen gehen" scheiden sich übrigens die Geister,
ganz zu schweigen von der Redewendung "bis zur Vergasung". Sogar im Leitfaden
für einen nicht diskriminierenden Sprachgebrauch, herausgegeben vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (Wien, 2008) gilt diese Redewendung
als historisch besetzt, und: "Nach dem Holocaust / Shoa im Nationalsozialismus
haben diese Redewendungen eine ganz andere Bedeutung gewonnen und können nicht
mehr benützt werden, ohne an die systematische Ermordung von Menschen im
Nationalsozialismus zu denken." Empfohlen sei daher an dieser Stelle einmal mehr
das Buch LTI (Lingua Tertii Imperii) von Victor Klemperer über den Sprachverfall
in der Zeit des Nationalsozialismus. "Worte", schrieb Klemperer, "können sein
wie winzige Arsendosen, und nach einiger Zeit ist die Wirkung da." In Österreich
ist es ja längst wieder Teil der Alltagskultur. Rülpst jemand ziemlich braun,
ist die Aufregung zwar groß, aber nur für sehr kurze Zeit, denn es ist alles
wieder gut, sobald man sich eidesstattlich von den Rülpsern distanziert. Dass
mit jedem Rülpser die Nebenwirkungen größer werden, fällt dann meistens in die
Kategorie "besoffene Lausbubenstreiche". Georg Danzer formulierte diesen Umstand
bereits im Jahr 1980 im Lied "Der alte Wessely" und widmete es 140.000
Österreicherinnen und Österreichern. "Plötzlich wach i auf und lieg daham im
Bett / Aber es is eh zum Aufsteh Zeit / Druntn vor der Haustür steht a
B'soffener / Und i hör wie der 'Heil Hitler' schreit / Aufsteh, anziagn,
owegehn, in d'Goschn haun / Des is alles was i machen möchte / A wann des nix
ändert, mir hilft's wenigstens / Weu mer is vor Wut im Bauch ganz schlecht / Und
es gibt no immer so fü Wesselys / Und ihr Mief verstinkt die ganze Wöd / Und die
bladn Wirtin sterbn a ned aus / Gratuliere, gratuliere, Herr Wessely / Kana hat
die Jugend so versaut wie Sie!" (Manfred Horak; 16.3.2010)
|
|
Viel Lesestoff diesmal. Wieder
einmal. Es gibt Neuigkeiten vom Österreichischen Kulturforum New York, eine
Nachlese wie zwei Klassiker (Ster-Grissemann) Weltliteratur vortrugen, was Pat
Metheny im Konzerthaus außer seiner Gitarre noch mit dabei hatte, warum man
Shutter Island niemals wird verlassen können und wohin die Spuren des 13. Szene
Bunte Wähne Tanzfestival für junges Publikum führen. Noch lange nicht alles. Wir
haben schließlich auch noch ein paar CD-Kritiken parat von so unterschiedlichen
Acts wie z.B. von Blind Idiot Gods und Martin Pyrker. Und Burgkultur: Da wird in
Erfahrung gebracht, warum Richard II. im Wiener Burgtheater nicht Fisch, nicht
Fleisch, nicht Sprache ist. Apropos Hochkultur: Nochmals hingewiesen sei auch
auf das Interview mit Ringsgwandl, denn dieser tourt zwischen 2. und 13. März
2010 durch Österreich. Noch immer nicht alles: Konzertbericht vom
anspruchsvollen Folk einer Joan Baez bis zur Kinderoper im Dschungel Wien, von
der Filmbiografie über Nelson Mandela bis zur Untergangsgeweihten
Revue-Operette, von der Kochschule bis zur Musicalverfilmung über das
Filmemachen, von Tiziano Scarpa bis Reif Larsen, und, ach, so vieles mehr.
Die
Redaktion wünscht eine gute Kulturwoche. (Manfred Horak; 1.3.2010)
|
|
|
|
|
 |
|
Bewertungsskala |
|
@@@@@@ Essenziell
@@@@@ Echt leiwand
@@@@ Gut
@@@ Fast schon gut
@@ Na ja
@ Gnade!
|
|
Archive |
-
Mai, 2013
-
April, 2013
-
März, 2013
-
Februar, 2013
-
Januar, 2013
-
November, 2012
-
Oktober, 2012
-
September, 2012
-
Juli, 2012
-
Juni, 2012
|
|
|
 |